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Aus dem traditionellen China: Die eigenen Verfehlungen akzeptieren und korrigieren

Kaiser Taizong, wie er Gar Tongtsen Yulsung, dem Botschafter des tibetischen Reiches, eine Audienz gewährt. (Bild: wikimedia)

Kaiser Taizong von Tang, auch bekannt unter seinem ursprünglichen Namen, Li Shimin, diskutierte mit seinen Ministern oft über den Untergang der vorherigen Sui-Dynastie und welche Lektion man daraus lernen könne. Er glaubte, dass sich Kaiser Yang von Sui weigerte jedwede Ermahnung oder Anmerkung anzunehmen. Woraufhin seine Beamten eingeschüchtert waren und daher ihre Meinungen schließlich nicht mehr kundtaten. Dies wollte Kaiser Taizong in der neu gegründeten Tang Dynastie besser machen.

Ermahnungen anderer annehmen

Als die Tang Dynastie gegründet wurde, befahl Kaiser Taizong seinen Bürgern, die zerstörte Qianyuan-Halle von Luoyang zu renovieren, damit er sie als offiziellen Palast nutzen konnte, wenn er seine Felder zu besuchen wünschte. 

Ein Portrait des Kaisers Yong von Sui, vom Tang Gerichtsmaler Yan Liben (600- 673) (Bild: Wikimedia / CC0 1.0)

Zhang Xuansu, ein relativ unbekannter und niedriger Beamter, schrieb folgenden Bericht: „Als der Afang-Palast umgebaut wurde, fiel die Qin-Dynastie, als der Zhang Huatai repariert wurde, brach das Chu-Königreich zusammen; als die Qianyuan-Halle renoviert wurde, starb die Sui-Dynastie. Nun, da das Land gerade gegründet wurde und es viele Dinge zu tun gibt, wie kann die nationale Stellung besser und stabiler sein, als die der Sui-Dynastie es war? Eure Majestät ignoriert die Not der Völker und möchten hunderte Millionen für diese bedeutungslose Sache ausgeben. So wird Eure Majestät nicht die Vorteile der Kaiser der vorherigen Dynastien erben, sondern deren Nachteile.“ 

Kaiser Taizong rief Zhang Xuansu zu sich und fragte ihn: „Du hast gesagt, dass ich nicht so gut wie Kaiser Yang von Sui bin. Wie mache ich mich aber im Vergleich mit König Jie von Xia und dem König Zhou von Shang?“ Der niedrige Beamte Zhang Xuansu antwortete unverblümt: „Wenn Eure Majestät die Qianyuan Halle wirklich renovieren wollen, ist dies genauso schusselig wie es Xia Jie und Shang Zhao waren.“ Nachdem Kaiser Taizong dies hörte, wurde er nicht wütend, sondern war tief ergriffen. Er zog seinen Befehl zurück und stellte den Wiederaufbau der Qianyuan-Halle ein. Er lobte Zhang Xuansu und belohnte ihn mit 500 Stück Seide. 

Loyale Minister unter tugendhaften Kaisern

Kaiser Taizong ging am königlichen Hof, nach einem heftigen Streitgespräch mit seinem Minister Wie Zheng, vor den Augen der anderen Beamten wütend weg. Als er seinen Harem betrat, schrie er: „Eines Tages werde ich diesen Idioten töten!“ Nachdem seine Frau Kaiserin Zhangsun von dem Vorfall erfuhr, kam sie in formeller Kleidung zurück und gratulierte dem Kaiser. Sie sagte: „Ich hörte, dass es loyale Minister nur unter tugendhaften Kaisern geben wird. Deswegen wagt Wei Zheng es, Euch zu ermahnen, weil Eure Majestät ein tugendhafter Kaiser sind.“ 

Nachdem er dies hörte, wandelte sich Kaiser Taizongs Zorn in Freude um. 

Kaiser Taizong von der Tang Dynastie (Bild: wikimedia / CC0 1.0)

Im Gegensatz zu Kaiser Taizong waren viele Menschen in der Geschichte nicht bereit, ihre eigenen Fehler zu akzeptieren und zu korrigieren. Das hatte zur Folge, dass sie am Ende immer göttliche Vergeltung erfuhren. Ein bekanntes Beispiel aus dem alten China ist der Niedergang von König Zhou von Shang. Während seiner Herrschaft ignorierte dieser  seine Regierungsaufgaben und gönnte sich übermäßig Wein, wechselte häufig seine Partnerinnen und verwöhnte außerdem seine Affäre, eine Frau namens Daji, von der man sagte, dass sie von einem bösartigen Fuchsgeist besessen war. Dieses schlechte Verhalten verursachte unter den Völkern eine tiefe Abneigung gegen den Herrscher. Viele Male versuchte der Premierminister Bi Gan den König Zhou auf seine Verfehlungen aufmerksam zu machen und ihn um deren Korrektur zu bitten. Doch hörte König Zhou nicht auf ihn, sondern ließ ihn schließlich sogar hinrichten. Am Ende jedoch wurde König Zhou von König Wu von Zhou besiegt. Als sein Palast in Brand gesteckt wurde, beging König Zhou einen schmerzhaften Selbstmord, indem er  in die Flammen sprang. Dieses Leid war nach traditioneller Sichtweise die Rückzahlung, die er für seine Verfehlungen leisten musste.

„Seine eigenen Verfehlungen akzeptieren und korrigieren“ ist eine Tugend der traditionellen chinesischen Kultur. In der heutigen Politik sowie Gesellschaft wird oftmals versucht die eigenen Fehler zu verbergen oder sich zu rechtfertigen. Auch im modernen China wird diese Tugend unter der Führung der Kommunistischen Partei (KPCh) mittlerweile untergraben, was sich in verschiedenen politischen Entscheidungen bis hin zur Vertuschung der Corona-Pandemie immer wieder zeigt.

Dieser Artikel erschien im Englischen zuerst auf visiontimes.com.  

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