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Bodentypen und Bodenbearbeitung – Tipps für den Hobbygärtner

(Bild: 301736457, Moving Moment – stock.adobe.com)

Wer kennt es nicht? Die Anleitung auf den gekauften Saatgutpäckchen wird akribisch befolgt: Zeitpunkt der Aussaat, Saattiefe, Pflanzabstände und der Standort. Und dennoch enttäuschen uns die kleinen Lebensspender häufig, indem sie nicht aufkeimen möchten. Oder sie keimen zwar kurz auf, wachsen aber nicht so richtig und sterben eventuell sogar ganz ab. Besonders als Neuling im heimischen Garten übersieht man leicht die großen Dinge, wie zum Beispiel die Wahl des richtigen Bodens für die gewünschten Pflanzen. Denn Boden ist nicht gleich Boden. Er kann in seiner Beschaffenheit sehr unterschiedlich sein, was sich auch auf das Angebot von Wasser und Nährstoffen auswirkt. Außerdem bestimmt der Bodentyp die darauffolgende Bearbeitung. Nicht jeder Boden möchte dieselbe Behandlung genießen. Auch verbergen sich unterschiedliche Vor- und Nachteile hinter den jeweiligen Strukturtypen.

Bodentypen

Mit einfachen Beobachtungen lässt sich der eigene Boden im Garten schnell beurteilen. Die großen Kategorien sind sandiger Boden, schluffiger Boden und lehmiger Boden:

Sandiger Boden

Dank der großen Partikel ist der Boden sehr locker. Er wird im Frühling schnell warm und kühlt im Herbst ebenso schnell wieder ab. Durch die grobe Körnung hält er kaum Flüssigkeit und auch Nährstoffe werden leicht ausgeschwemmt.  Aufgrund der Struktur gelingt es dem Boden nicht das Wasser aus der Tiefe in die oberen Schichten zu befördern. Bei Frühjahrsbepflanzung sollte die Bewässerung und die Wahl des Saatguts oder der Jungpflanzen dem Boden angepasst werden.

Gut geeignete Pflanzen:

– Kornblume

Mangold gedeiht gut auf sandigem Boden (Bild: 139421805, Moving Moment – stock.adobe.com)

– Katzenminze (für Stubentiger anziehend)

– Lavendel

– Schwertlilie (mehrjährig)

– Strohblume

– Busch- und Stangenbohnen

– Mangold

– Asiasalat

– Mediterrane Kräuter (Rosmarin, Basilikum, Oregano)

Schlecht geeignete Pflanzen:

Sellerie, Kohlgewächse (Rot- und Weißkraut, Brokkoli, Karfiol, Wirsing), Kürbisgewächse (auch Melonen und Zucchini), Pastinaken

Bearbeitung: Der sandige Boden muss wenig umgegraben werden. Beikräuter (Unkräuter) lassen sich durch das lockere Gefüge einfach entfernen. Zur Verbesserung der Nährstoff- und Wasserspeicherung können organische Materialien (vorgetrockneter Grünschnitt, gut verrotteter Kompost) eingearbeitet werden. Geringe, jedoch häufige Düngermengen sind empfehlenswert beim Gemüseanbau.

WICHTIG: Nur so viel düngen wie notwendig! Überschüssige Düngergaben können die Pflanzen nicht aufnehmen und schädigen sie sogar. Außerdem schwemmt sich der Überschuss ins Grundwasser aus, was wiederum das gesamte Ökosystem und das Trinkwasser nachweislich verschlechtert. Dies gilt für alle Bodentypen – bei sandigem Böden ist es, aufgrund der mangelnden Speichermöglichkeit, am stärksten zu beobachten.

Schluffiger Boden

Er ist eine gute Mischung aus feinem Ton und groben Sandpartikeln und kann als fast optimal für den Gemüseanbau, beinahe alle Zierpflanzen, Stauden, Sträucher und Bäume bezeichnet werden. Eine ausreichende Düngung reicht oft für die ganze Saison und muss nicht weiter behandelt werden. Auch das Gießen kann sparsam und unregelmäßig ausfallen, denn Nährstoffe und Wasser werden gut gebunden. Bei höheren Lehmanteil könnte nach Niederschlägen eine Kruste entstehen, welche die Aufnahme von Feuchtigkeit erschwert.

Bearbeitung: Gegen die Krustenbildung hilft es, Laub, Stroh oder unbehandelten (nicht eingefärbten) Rindenmulch zur Abdeckung auszutragen. Ja, mehr braucht dieser fast optimale Boden nicht. Ein Glück für jeden, der ihn im Garten vorfindet.

Mythos Rindenmulch

(Bild:  65339162, Moving Moment – stock.adobe.com)

Beim Rindenmulch handelt es sich um klein gehackte Baumrinde, die im Handel oft von Nadelhölzern stammt. Da Nadelhölzer bekanntlich saures Material liefern, hat sich die Annahme verbreitet, dass durch Rindenmulch der Boden sauer wird. Keine Sorge! Wissenschaftler haben bereits herausgefunden, dass dank des natürlichen Abbauprozesses in der Erde der pH-Wert neutralisiert wird und das verrottete Material unbedenklich in den Boden eingearbeitet werden kann. Durch die groben Fasern wird die Bodenstruktur verbessert. Zu beachten ist nur, dass der Abbauprozess von Rindenmulch der Erde Nährstoffe entzieht. Daher empfiehlt sich, bei frisch ausgebrachtem Mulch etwas mehr zu düngen.

Nützlicher Tipp: Bei Tomaten, Paprika und anderen Wärme liebenden Gewächsen kann – für eine bessere Wärmebildung – Sand in die obere Bodenschicht eingearbeitet werden.

Lehmiger Boden

Dieser Bodentyp ist sehr fein und speichert Nährstoffe und Feuchtigkeit äußerst gut. Vorsicht: bei hohem Tongehalt verdichtet er stark und wird für die Wurzeln undurchdringbar. Leicht zu beobachten an Karotten, die im Wachstum einen Knick entwickeln. Dadurch versuchen die Wurzeln der harten Schicht auszuweichen.

Bearbeitung: Lehmigen Boden graben Sie am  besten im Herbst um. Durch die hohe Feuchtigkeit bilden sich große Klumpen, die durch die Kälte selbst zerfallen. Im Frühjahr können Sie die restlichen Brocken mit einem Rechen zerschlagen und die Erde in gewünschte Beete aufteilen. Zur Verbesserung der Durchlässigkeit des Bodens hilft das Untermengen von organischem Material (ideal ist Rindenmulch) oder Kies. Dies wird am besten im Frühjahr gemacht, wenn die Erde nach dem Auftauen des gefrorenen Boden locker wird. Bei lehmigem Boden hat das Umgraben einen weiteren positiven Einfluss: es wird Sauerstoff eingebracht.

Kurzer Ausflug in die Bodenatmung: Wird der Sauerstoff im Boden durch Verdichtung und ständiger Wasserzufuhr verdrängt, kommt es zur Staunässe. Durch natürlich vorhandene Gase wie Methan, Kohlenstoffdioxid oder Schwefelwasserstoff kann ein unangenehmer Geruch von faulen Eiern entstehen. Dieser kann äußerst intensiv werden und erinnert unter anderem auch an eine Moorlandschaft. Dieser Boden enthält keine Nährstoffe mehr und ist für jede Bepflanzung völlig ungeeignet. Durch Umgraben und Einarbeitung von organischem Material kann dem jedoch wieder entgegen gewirkt werden.  

Gut geeignete Pflanzen:

– Kornelkirsche (österr. Dirndl)

Kürbis eignet sich gut bei lehmigem Boden. (Bild: 174577856, Moving Moment – stock.adobe.com)

– Bauernrose

– Berberitze

– Haselnuss

– Blaufichte (der klassische Christbaum)

– Holunder

– Zierkirsche

– Kürbisgewächse (auch Melonen und Zucchini)

– Kohlgewächse (Rot- und Weißkraut, Brokkoli, Karfiol, Wirsing)

– Tomaten

Schlecht geeignete Pflanzen:

Steppen-Salbei, Currykraut, Thymian, Katzenminze, Duftnessel, Mediterrane Kräuter, Salate (faulen oft ab)

Achtung: Sand macht lehmigen Boden noch kompakter und undurchdringlicher!

Mischtypen

Natürlich gibt es viele verschiedene Mischformen der oben genannten Haupttypen. Durch eine einfache Rollprobe und etwas Fingerspitzengefühl lässt sich leicht feststellen, welcher Typ sich wo im Garten befindet. Unser Tastsinn verrät uns viele Details – wenn wir versuchen es bewusst wahrzunehmen. Zerreibt man sandigen Boden, spürt man die grobe Körnung sofort. Hingegen ist lehmiger Boden so fein, dass die Körnung fast nicht mehr spürbar ist und eine glatte Schicht auf der Haut entsteht. Schluffiger Boden enthält beide Komponenten. Nach längerem Reiben fallen die groben Partikel weg und nur der feine lehmige Anteil bleibt kleben. So kann bereits viel durch das einfache Ertasten herausgefunden werden.

Rollprobe: Ein wenig feuchte Erde in die Hand nehmen, kneten und anschließend ganz dünn ausrollen. Gelingt Ihnen eine Wurst mit nur ca. 1mm Durchmesser, lässt dies eher einen lehmigen Boden vermuten. Zerbröselt die Masse bereits mit einem Durchmesser von 4-5 mm, weist dies auf einen schluffigen Boden hin. Kann der Boden überhaupt nicht gerollt werden, handelt es sich eindeutig um einen Sandboden. Schlicht und einfach – ohne Bodenanalysen.

Die große Frage des Umgrabens

(Bild: 109493847, Moving Moment – stock.adobe.com)

Warum umgraben? Dafür gibt es sehr viele Gründe, die wichtigsten sind:

– Durchmischen der Bodenschichten (alle 3-5 Jahre)

– Einbringen von Grunddünger (= einmalige Düngung alle 3-5 Jahre)

– Auflockerung der Bodenschicht und einbringen von Sauerstoff

– Neuanlage eines Gemüsebeets auf Grünflächen

Jede Manipulation des Bodens hat seine Vor- und Nachteile. Beim Umgraben spricht man von einer 15-20 Zentimeter tiefen Umschichtung der Erde. Das entspricht ungefähr einem ganzen Spaten. Wie beim Dünger heißt es auch beim Umgraben: weniger ist mehr. Häufiges Umgraben zerstört das sensible Bodenleben, was nicht nur Regenwürmer betrifft, sondern auch zahlreiche Mikroorganismen, die einen wertvollen Beitrag zur Bodenstruktur leisten. Hat man sich diese Maßnahme gründlich überlegt, spricht nichts dagegen einmal die Grabgabel in die Hand zu nehmen und kräftig im Erdboden herumzuwühlen. Dadurch lernt man vieles über sein eigenes Gartenreich. Wurzelsysteme, verschiedenste Insekten, Würmer und vieles mehr werden durch diesen Eingriff sichtbar und können beobachtet werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Bodenbeobachtung kann über die wachsenden Beikräuter gewonnen werden,  da diese  eine gute Aussage über die Nährstoffsituation des Bodens machen.

Für genauere Informationen zu den Zeigerpflanzen/Indikatorpflanzen empfehle ich die Website www.bio-gaertner.de. Hier befindet sich eine gute Auflistung zu den jeweiligen Beikräutern und deren Nährstoffvorlieben. Dies ist auch eine gute Unterstützung um herauszufinden, was und wie viel man seinem Boden zufügt.

Wann umgraben?

Seit der Geschichte des Gartens gibt es die Frage: Wann soll am besten umgegraben werden? Hier scheiden sich die Geister. Die einen empfehlen nur im Herbst umzugraben, um die Winterfeuchtigkeit zu speichern. Andere schwören darauf, diese Arbeit im Frühjahr zu erledigen. Grundsätzlich gibt es kein richtig oder falsch. Jeder darf sich selbst aussuchen, wann er diese Knochenarbeit erledigt, wenn überhaupt. Zum Glück ist es keine Pflicht und eigentlich entscheidet der Bodentyp, ob er eine Buddeltherapie benötigt oder nicht.

Alternative

Es gibt auch eine andere Methode, die das Umgraben ersetzen kann. Nach der Ernte im Gemüsegarten kann eine sogenannte Gründüngung ausgebracht werden. Diese schützt den Boden vor Austrocknung an der Oberfläche und durch das Wurzelsystem lockern die Pflanzen das Gefüge auf und bieten dadurch den Bodenorganismen und -lebewesen Nahrung. Diese Helfer übernehmen somit die Arbeit des Gärtners. Hierfür geeignete Pflanzen sind speziell auf den Bodentyp gerichtet auszuwählen.

Der größte Nachteil an dieser Methode ist, dass im Frühjahr die übrig gebliebenen Bestände grob in die oberste Erdschicht eingearbeitet werden müssen (z.B. mit einer motorisierten Fräse oder per Hand mit der Gartenkralle). Die Wurzeln sollten trotzdem weitgehend entfernt werden, da sonst die Gründüngung die Gemüsepflanzen überwuchert.

Ob Umgraben oder Gründüngung: im Garten gibt es immer Arbeit. Anfänglich ist sie schmutzig und mühselig, doch der Fleiß entwickelt sich langsam zu gut schmeckenden Früchten, die der ganzen Familie Freude bereiten.

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