Das Chinesische Neujahrsfest einst und heute

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(Bild: iStock)

Nach dem traditionellen Mondkalender Ostasiens fiel das chinesische Neujahrsfest auf den 5. Februar dieses Jahres. Das Jahr 2019 steht im Tierkreiszeichen Schwein. Das Mond-Neujahr wird nicht nur in China gefeiert, sondern auch in den asiatischen NachbarlÀndern sowie unter Millionen von ethnischen Chinesen auf der ganzen Welt.

Am deutlichsten werden die Feiertage auf dem chinesischen Festland, wo sie fĂŒr die grĂ¶ĂŸte jĂ€hrliche Massenbewegung der Welt verantwortlich sind. Innerhalb von 40 Tagen benutzen Hunderte Millionen von Menschen, die außerhalb ihrer HeimatstĂ€dte arbeiten oder studieren, das riesige Eisenbahnnetz des Landes. Dabei wird in China eine Zahl von insgesamt rund 2,9 Milliarden Fahrten erreicht. Im Gegensatz dazu fĂŒhrt Thanksgiving in den Vereinigten Staaten nur zu 50 Millionen Reisen jĂ€hrlich.

Danken und die Götter ehren
Nach dem Han-Dynastie-Wörterbuch „Shuowen Jiezi“ bezieht sich das chinesische Wort fĂŒr „Jahr“ (ćčŽ), ausgesprochen „Nian“, auf die fĂŒnf Hauptkörner, die von Bauern als Opfergabe fĂŒr die Götter angebaut werden. Die Nian-Rituale bringen Dankbarkeit fĂŒr die vorangegangene Ernte und das Gebet um GlĂŒck fĂŒr das kommenden Jahr zum Ausdruck.

Obwohl Neujahr selbst nur ein Tag ist, gibt es so viele Feste und Rituale, dass diese sich bis zum 15. des ersten Mondmonats erstrecken, dem Tag des Laternenfestes, das auf den 22. Februar fÀllt.

Traditionell beginnen die chinesischen Neujahrsveranstaltungen am achten Tag des 12. Mondmonats (13. Januar dieses Jahres). Im chinesischen Buddhismus ist dies der Tag, an dem Shakyamuni als Tathagata-Buddha erleuchtet wurde.

Es wird gesagt, dass ShakyamuniÂŽs Erleuchtung am 8. Dezember stattfand; deshalb wird das Laba-Festival auch „Buddha’s Erleuchtungsfest“ genannt. (Bild: iStock)

Die Feierlichkeiten dauern meist weitere 15 Tage, an denen die chinesische, aber auch andere ostasiatische Kulturen, zu verschiedenen Gottheiten beteten – darunter die Göttin NĂŒ Wa, die die Menschheit schuf. Sie hat ihren eigenen Feiertag, welcher Renri, also „Tag des Menschen“, genannt wird.

Am 23. Tag der 12 Mondmonate verbrennen die Familien die Statuen oder Bilder des KĂŒchengottes, der im Chinesischen als Zaowangye bekannt ist (灶王çˆș). Der KĂŒchengott wird traditionellerweise in der KĂŒche in der NĂ€he des Esstisches platziert. Er steht fĂŒr einen himmlischen Gesandten, der ĂŒber die Taten der Familie wacht. Die Verbrennung seines Bildes schicke ihn zurĂŒck an den himmlischen Hof, wo er dem Jadekaiser ĂŒber die guten und schlechten Taten jedes Einzelnen berichten wĂŒrde.

Der Glaube an den KĂŒchengott ist Teil der traditionellen chinesischen Sichtweise, dass Himmel und Mensch eins sind und dass „es Gottheiten gibt, die drei Fuß ĂŒber dem Kopf fliegen“ (侉ć°ș頭䞊有焞靈) und erinnert die Menschen daran, ihr moralisches Verhalten zu bewahren, selbst wenn ihr Handeln von Sterblichen gerade nicht gesehen wird.
Sieben Tage nach seiner RĂŒckkehr in den Himmel nimmt der KĂŒchengott seinen Platz in den KĂŒchen „der Sterblichen“ wieder ein, indem fĂŒr das kommende Jahr neue Bildnisse aufgestellt werden.

Chu Xi (陀怕), oder der 30. des 12. Mondmonats, ist der große Tag der Mond-Neujahrsfeierlichkeiten, bei denen Menshen oder TĂŒrgötter oft an den EingĂ€ngen von HĂ€usern aufgestellt werden, um sich vor dem Bösen zu schĂŒtzen. (Bild: YouTube/Screenshot)

Chu Xi (陀怕), der 30. Tag des 12. Mondmonats, gilt als der wichtigste Tag der Feierlichkeiten zum Mondneujahr. Es ist an der Zeit, die Götter anzubeten und den Vorfahren Respekt zu erweisen. Ein „Himmel und Erde Tisch“ wird vorbereitet und den Göttern dargebracht. Menschen hĂ€ngen Poster von „TĂŒrgöttern“ (menshen) an die EingĂ€nge zu ihren HĂ€usern, um sich vor dem Bösen zu schĂŒtzen. Zu den beliebtesten „TĂŒrgöttern“ gehören wilde Krieger – Kampfgötter – oder aber auch stolze und ehrliche Beamte, welche als „BĂŒrgergötter“ bezeichnet werden.

Die Ahnenverehrung, ein weiterer zentraler Aspekt des neuen Jahres, ist eine der wichtigsten Riten, die der Philosoph Konfuzius lehrte. Familienmitglieder, von alt bis jung, kamen zum Altar, um die Tafeln der Vorfahren zu wĂŒrdigen und Weihrauch zu verbrennen.

Konfuzius sagte, dass die Teilnahme an den BegrĂ€bnisriten der Vorfahren die Moral des gesamten Volkes stĂ€rke. Durch das Gedenken an die Verstorbenen wĂŒrden die Tugenden und guten Taten der alten Generationen weitergegeben.

Die Farbe Rot wird aufgrund ihrer FĂ€higkeit, das Böse zu besiegen, mit den Neujahrsfeiern in Verbindung gebracht. Einer Legende zur Folge wurden die Menschen und ihre Kinder in der Antike von einem wilden Tier, dem Nian, geplagt. Die Bevölkerung konnte den menschenfressenden Unhold letztendlich abwehren und schließlich sogar einfangen, indem sie rote Laternen aufhĂ€ngten, rote Kleidung trugen und Feuerwerkskörper anzĂŒndeten. Das fĂŒr „Nian“ verwendete Zeichen ist das gleiche wie dasjenige, das frĂŒher „Jahr“ bedeutete, und Ă€hnelt dem Zeichen 牛, das Kuh oder Ochse bedeutet. Auf Chinesisch bedeutet eine Redewendung fĂŒr, „das neue Jahr zu feiern“ wörtlich „das Jahr zu ĂŒberstehen“, was auf diese legendĂ€re Katastrophe hinweist.

Eine andere weit verbreitete Tradition ist das Schreiben von poetischen Verspaaren, genannt „Duilian“ (ć°èŻ), auf Streifen aus leuchtend rotem Papier. Diese werden anschließend an der EingangstĂŒre befestigt. Diese Tradition begann in der Zeit der FĂŒnf Dynastien (907-960), als der Lord von Later Shu, Meng Chang (ć­Ÿæ˜¶), seinen Eingang mit den folgenden Zeilen schmĂŒckte:

新ćčŽçŽé€˜æ…¶
ć˜‰çŻ€è™Ÿé•·æ˜„

“Das neue Jahr bringt viele Feierlichkeiten. Ein prĂ€chtiger Feiertag bringt einen langen FrĂŒhling.”

Traditionen gefÀhrdet

Leider wurde Kunst aber auch oft benutzt, um Traditionen bewußt zu zerstören und zu ersetzen. Obwohl das chinesische Neujahrsfest mit einer langen Geschichte und einem reichen spirituellen Erbe verbunden ist, wird ein Großteil davon auf dem chinesischen Festland, seit dem Aufstieg des kommunistischen Regimes im Jahr 1949, aktiv unterdrĂŒckt.

„Zerstöre die alte Welt, baue eine neue Welt auf“. Es ist bekannt, dass die zehn Jahre der Kulturrevolution alte und wohlwollende Überzeugungen und Traditionen der 5.000 Jahre alten chinesischen Zivilisation zerstört haben.

Die Ideologie der Kommunistischen Partei Chinas besagte, dass die traditionelle chinesische Tradition die Kultur einer repressiven feudalen Gesellschaft sei. Mit diesen Argumenten wollte man rechtfertigen, das nationale Erbe von allem zu „reinigen“, was mit spirituellen Ideen und anderen „aberglĂ€ubischen“ AktivitĂ€ten zu tun hatte.

Die KPCh benannte das Chinesisches Neujahrsfest um und so wurde es zum „FrĂŒhlingsfest“, um die religiösen Wurzeln des Festes aufzuheben und nur noch den landwirtschaftlichen Aspekt zu berĂŒcksichtigen. Auch der Name des Mondkalenders wurde geĂ€ndert. Der Bezeichnung „Kalender des Gelben Kaisers“, brachte die Huldigung des legendĂ€ren Vorfahren der chinesischen Zivilisation zum Ausdruck. Dieser wird nun schlicht „Bauernkalender“ genannt.

In den frĂŒhen Jahrzehnten der kommunistischen Herrschaft wurden die Chinesen angewiesen, „sich an die bitteren Tage [des Alten China] zu erinnern und an die sĂŒĂŸen Tage [der kommunistischen Herrschaft] zu denken“, anstatt die Götter anzubeten. Um sich an die “Bitterkeit zu erinnern“ und ihren „revolutionĂ€ren Geist“ zu bewahren, bereiteten die Menschen eine kaum essbare Mahlzeit aus Wildwurzeln, Reiskleie und anderen Speiseresten zu.

WĂ€hrend die Chinesen heute mehr damit beschĂ€ftigt sind, Geld zu verdienen und ihr Schicksal im Leben zu verbessern, gerieten die meisten der tieferen spirituellen und religiösen Bedeutungen des chinesischen Neujahrsfestes in Vergessenheit. Die Verbindung zu den Göttern, Buddha und der traditionellen Moral ist der Kommunistischen Partei, die sich selbst als atheistisch bezeichnet, ein Dorn im Auge. Hingegen weitet die Regierung die UnterdrĂŒckung und Verfolgung von Religionen und spirituellen Bewegungen in den letzten Jahrzehnten weiterhin stark aus.

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