„Ein Heim ohne Tee ist nur ein Haus“ Teil 3

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Ching-Wei Kang, Chefin des Oh!Matcha in Graz erzählte uns mehr über den Matcha-Tee. (Bild: visiontimes)

Haben Sie aus Teil 2 der Artikelserie bereits Ihre Lieblingstees auserkoren? Im dritten und letzten Teil von „Ein Heim ohne Tee ist nur ein Haus“ erfahren Sie nun alle wichtigen Details und Geheimnisse der traditionellen Zubereitung dieser wertvollen Tees. Als krönenden Abschluss gewährt uns Ching-Wei Kang, Betreiberin des Oh!Matcha in Graz, Live-Einblicke in die Besonderheiten der Matcha-Zubereitung. Diese war früher nur Samurais, Mönchen und dem Hochadel zugänglich. Zudem gibt sie uns Tipps für die gelungene Zubereitung zuhause und steht VisionTimes in einem exklusiven Interview Rede und Antwort.

Die traditionelle Teekultur ist äußerst umfangreich, detailliert und reichhaltig. Daher ist es nicht überraschend, dass mit der sorgfältigen Auswahl des Tees nur ein Schritt von vielen getan ist, bevor man wirklich von traditioneller Teekultur sprechen kann. 

Teezeremonien, die ihren Ursprung in China haben und vor 1200 Jahren zum ersten Mal in Aufzeichnungen beschrieben wurden, vereinen die Philosophien des Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus. Sie sollen ihren Ursprung im Respekt gegenüber der Natur und der Suche nach innerer Ruhe und Frieden haben. 

Wie es in China früher bei allen Tätigkeiten und Berufen üblich war, wird auf die innere Haltung besonders Wert gelegt. Laut der traditionellen chinesischen Ansicht, wird die Geistes- und Herzenshaltung, mit der man etwas macht, sehr leicht auf die anderen, die das Produkt erhalten übertragen. Um den Gästen das Beste zu geben, ist daher der erste Schritt, dass der Zeremonienmeister sich entspannt oder meditiert, bis er mit sich selbst und dem ganzen Universum im Reinen ist und keinerlei negative Gedanken mehr hat. Erst dann darf mit der Zeremonie begonnen werden. Diese innere Haltung muss während der ganzen Teezeremonie aufrecht erhalten werden. Erst dadurch kann man wirklich von traditioneller Teezeremonie sprechen.

Nach traditioneller chinesischer Ansicht, überträgt sie die Geistes- und Herzenshaltung bei der Tee-Zubereitung auf den Gast. (Bild: iStock)

Der nächste wichtige Punkt ist die Auswahl des richtigen Tees. In China werden bei der klassischen Gongfu Cha Teezeremonie meist sorgsam ausgewählte Oolong oder Pu-Erh Teesorten verwendet. Um nichts weniger wichtig ist die Wahl des optimalen Wassers, welches der höchsten Reinheit entsprechen und die für den jeweiligen Tee passende Temperatur aufweisen sollte.

Gleichsam unverzichtbar sind die richtigen Utensilien. Sie müssen dem Anspruch der Ästhetik und Praktikabilität zugleich entsprechen und somit ein ausgewogenes Verhältnis von Yin und Yang aufweisen. Dazu zählen meist Yinxing-Teekannen oder Teegeschirr aus Porzellan, ein Tablet aus Bambus oder ähnlichem Material, ein Teelöffel und ein Teesieb. 

Die Teezeremonie selbst wird in einem schönen, sauberen und ruhigen Ambiente abgehalten. Meist benutzen die Chinesen noch zusätzliche Dekoration und Kunstgegenstände, um die Atmosphäre noch weiter zu verschönern. 

Bei der chinesischen Teezeremonie legt man neben der traditionellen Kleidung und erlernten Handgesten auch besonderes Wert auf die innere Haltung. (Bild: iStock)

Die perfekte Technik vollendet die korrekt abgehaltene, traditionelle chinesische Teezeremonie. Neben den erlernten Handgesten und der richtigen Abfolge, wird dabei auf angemessene traditionelle Kleidung Wert gelegt; Körperhaltung und Gesichtsausdruck sind entspannt und anmutig. 

Während in China die Grundlage für die traditionelle Teekultur gelegt wurde, hat Japan diese noch weiter perfektioniert. 

Die Königsklasse: japanische Teezeremonien

Bei japanischen Teezeremonien werden zusätzlich noch Aspekte der Zen-Schule und Kombinationen von Architektur, Malerei, Keramik und Gartenkunst hinzugezogen. Damit soll die Teezeremonie zu einem Gesamtkunstwerk werden.

Die japanische Teekultur perfektioniert den Aspekt der Harmonie und bezieht Dinge der Architektur und Gartenkunst mit ein. (Bild: iStock)

In Japan finden Teezeremonien meist in einem, von einem Garten umgebenen, Pavillon statt, zu dem ein Weg aus Steinplatten (Roji) führt. Über diesen Pfad zu gehen ist der erste Schritt der Zeremonie und symbolisiert die erste Stufe der Erleuchtung durch die Loslösung aus dem Alltag. Danach waschen sich alle Teilnehmer in einem Wasserbecken Mund und Hände. Dies symbolisiert die Reinigung von allem Schlechtem, das getan oder gesagt wurde. Anschließend werden die Schuhe ausgezogen und die Teilnehmer setzen sich auf die Knie oder im Schneidersitz auf den Boden. Diese Haltung soll Demut und Respekt zeigen und gleichzeitig alle gesellschaftlichen Unterschiede zurücklassen. 

Das Ziel der japanischen Teezeremonie ist auch sehr klar definiert: Der Teetrinker soll mit Hilfe des Zeremonienmeisters auf dem Chado (Teeweg) geführt werden, der zu Harmonie und Selbstfindung im Kosmos führt. Alle Teilnehmer der Teezeremonie sollen ihre innere Ruhe und Frieden finden und zu Chajin (Menschen des Tees) werden. Nach japanischer Philosophie zeichnen sich Menschen des Tees durch Gelassenheit, Ruhe und Wärme aus und besitzen die Fähigkeit sich selbst zurückzunehmen. 

Der Ablauf der japanischen Teezeremonie ist an feste Regeln gebunden und enthält viele symbolische Handlungen, die seit über 1000 Jahren so gut wie unverändert durchgeführt werden. Dadurch soll die besinnliche und reinigende Bedeutung der Teezeremonie garantiert werden. 

Die innere Haltung während der japanischen Teezeremonie soll sich auch auf den Alltag übertragen und den Menschen zu einem „wahren Menschen des Tees“ machen. (Bild: iStock)

Die Rituale und der genau geplante Ablauf verfolgen weiters das höhere Ziel, das Denken und Verhalten der Teilnehmer, auch außerhalb des Teehauses, positiv zu beeinflussen. Ein wahrer Mensch des Tees ist schließlich jemand, der nach jahrelanger Übung seinen Mitmenschen mit Respekt und Achtsamkeit begegenet und keine egoistischen Züge aufweist. Die vier Grundprinzipien der Teezeremonie bleiben auch im Alltag immer present: Harmonie – bezogen auf das Verhältnis zu den Mitmenschen, der Natur und den Teeutensilien, Respekt – gegenüber Gastgebern, Gästen und den verwendeten Utensilien, Reinheit – in Bezug auf die Durchführung der Zeremonie, aber auch die innere Reinheit und die Stille – indem man allem im Alltag gelassen gegenüber steht. 

Matcha – Das grüne Gold

Matcha ist in Japan die am häufigsten verwendete Teesorte für Teezeremonien und seine Produktion ist die aufwendigste aller Teesorten dieser Welt. Matcha wird in speziellen Schattenplantagen angebaut, wobei Wochen vor der Ernte die Teegärten mit Netzen abgedunkelt werden. Durch das reduzierte Licht wird die Teepflanze dazu angeregt, hohe Mengen an Chlorophyll zu produzieren – wodurch der Tee seine intensive Farbe bekommt – ebenso werden zu einem hohen Anteil Aminosäuren und Koffein angereichert. Durch die Kombination dieser Inhaltsstoffe fühlt man sich einerseits geistig wach und leistungsfähig, jedoch gleichzeitig auch entspannt.

Für die Matcha-Zubereitung benötigte Utensilien. (Bild: iStock)

Ursprünglich aus China, wurde Matcha vor mehr als 800 Jahren von buddhistischen Mönchen nach Japan gebracht und wird seither gerne in Ritualen, sowie bei der Meditation verwendet. Die Matcha Teezeremonie durfte jedoch lange nur vom Hochadel, den Samurais und Zen-Mönchen zelebriert werden. 

Heute gilt Matcha als ein wiederentdecktes traditionelles Trendgetränk, das süß, mild und belebend ist („Matcha regt an, nicht auf“) und hat längst auch seinen Weg in den Westen gefunden. 

Alles Wissenswerte über die Zubereitung dieses besonderen Getränks und wo sie im österreichischen Graz den wohl besten Matcha der Stadt bekommen, erfahren Sie in unserem Video und Interview – exklusiv aus dem Teehaus Oh!Matcha in Graz.

Tipp: Außer der klassischen Variante , kann man den mit Wasser angerührten Matcha auch mit veganen Milchsorten veredeln. Dabei eignen sich zum Beispiel Sojamilch, Mandelmilch, Hafermilch, Vanille-Sojamilch oder Reismilch. Keinesfalls darf aber Kuhmilch verwendet werden. Dadurch werden die Antioxidantien im Matcha, sowie der Geschmack zerstört. Der Tee nimmt dann einen Heu-ähnlichen Geschmack, anstelle des milden, süßlichen Geschmacks an.

Interview mit Ching-Wei Kang, Chefin des Oh! Matcha in Graz

VT: Während Matcha in Japan ja schon eine lange Tradition hat, kennt man Zubereitungen aus dem grünen Teepulver hier im Westen erst seit Kurzem. Für alle die Matcha noch nicht kennen, warum sollte man diese Variante des Tees unbedingt kennenlernen?

K: Für alle die Matcha noch nicht kennen, ist es sehr empfehlenswert diesen besonderen und hochwertigen Tee einmal auszuprobieren. Bei der Matcha-Ernte darf nur das allerbeste zarte Blattgewebe, ohne Blattrippen, verwendet werden. Nach sorgfältiger Trocknung wird es mit Granitstein-Mühlen zu feinstem Pulver vermahlen. Daher bleiben alle Inhaltsstoffe unbeschadet erhalten und man nimmt beim Tee trinken das komplette Blatt zu sich. Daher ist die Wirkung außergewöhnlich und auch der Geschmack kann nicht mit herkömmlichen Teesorten verglichen werden.

Wir, die Betreiber vom Oh!Matcha, kennen Matcha schon sehr lange und überlegten und planten schon seit Jahren die Umsetzung eines Teehauses in Graz. Ich habe in Wien gelebt, wo ich traditionelle asiatische Teehäuser gesehen habe, die gerne besucht wurden. Graz ist in dieser Hinsicht noch ein bisschen zurückhaltender, weshalb wir auch lange überlegt haben, wie wir das Teehaus gestalten könnten, um Graz diese besondere Teekultur ein bisschen näher zu bringen.

VT: Seit wann hast du dich für Matcha begeistert und wie hast du die traditionelle Zubereitungsweise gelernt?

K: Richtig begeistert habe ich mich für Matcha in der Zeit meines Studiums. Ich habe Jura studiert, wofür man viel auswendig lernen muss und viel Konzentration braucht. Dafür war Matcha-Tee eine große Hilfe und ein perfekter Kaffeeersatz, da die Wirkung von Matcha vergleichsweise viel länger anhält. Zudem fühlt man sich nach dem Trinken zwar wach, aber nicht nervös, sondern entspannt.

Während ich dann in verschiedenen Büros arbeitete, blieb ich Matcha treu und wechselte schließlich den Beruf, weil das Teehaus für mich eine Kombination aus Freude und Entspannung ist, die den Stress aus dem Alltag wegnimmt.

Die traditionelle Zubereitung haben wir uns bei der Auswahl eines für uns passenden Matcha-Lieferanten mit hoher Qualität (Anmerkung: KEIKO – Japanese Premium Green Tea) angeeignet, als wir diesen vor Ort besucht haben.

VT: Das Oh!Matcha ist eine Mischung aus Tradition und modernen Elementen – wie bringst du diese beiden Gegensätze für dich in Einklang und warum ist es für dich wichtig die traditionellen Elemente mit einzubringen?

K: Zum einen in der Einrichtung des Teehauses, wo wir traditionelle Elemente mit modernem Design verbinden, aber auch bei der Teezubereitung.

Die Gegensätze und Mischung zwischen Tradition und modernen Elementen beim Oh!Matcha vereinbaren wir derart, dass wir jedes einzelne Matcha-Getränk, das bei uns bestellt wird, mit dem Bambusbesen anrühren und aufschäumen. Es ist uns wichtig, dass unsere Kunden, die Matcha zu Hause trinken wollen, auch den Bambusbesen erhalten, den man bei uns sehr preiswert in Kombination mit dem traditionellen Matcha-Geschirr erwerben kann, da wir sehr viel Wert auf diesen wichtigen traditionellen Zubereitungsschritt legen.

Der Bambusbesen ist neben der Auswahl des richtigen Matchas ein wichtiges Element für einen gelungenen Matcha-Tee. Diese Besen werden von Hand hergestellt. Die Bambusbesen, die wir verwenden, haben 80 Borsten, was die älteste Variante ist. Ohne die Verwendung des „Chasen“ (das japanische Wort, bedeutet so viel wie „kleiner Bambusbesen zum Schlagen des Tees bei der Teezeremonie“) ist es nicht möglich den fein strukturierten Schaum beim Matcha-Tee hinzubekommen. Dieser Schaum ist für den milden, angenehmen Geschmack von Matcha besonders wichtig.

VT: Warum wird Bambus als Material für die Matcha-Zubereitung verwendet?

K: Sowohl Löffel als auch Rührbesen sind aus Bambus, da dieses Material keinen Geschmack oder Geruch annimmt oder abgibt. Metall zum Beispiel würde den Matcha-Geschmack beeinflussen und darf daher nicht direkt mit dem Pulver in Kontakt kommen.

Ein weiterer Vorteil des Bambusbesens ist, dass selbst beim kräftigen Rühren des Tees, keine Kratzer bei den Matcha-Schalen entstehen können. Die traditionellen Matcha-Schalen (Chawan) sind alle handgemacht und manchmal auch sehr wertvoll.

VT: Die innere Haltung spielt bei der asiatischen traditionellen Teekultur eine große Rolle. Versuchst du das in deinen Berufsalltag einzubinden?

K: Eine wirklich traditionelle Teezeremonie dauert um die zwei Stunden. So eine ausgedehnte Zeremonie ist hier im Alltag mit vielen Gästen nicht möglich. Aber ich versuche immer darauf zu achten, egal wie viel Stress es gibt, Ruhe und Freundlichkeit zu bewahren. Ich versuche auch bei vollem Haus jedem Gast ein bisschen über die gewählten Tees zu erzählen. Zudem wird auch bei vielen Bestellungen natürlich jeder einzelne Matcha im Chawan mit Chasen angerührt.

VT: Wusstest du, dass Tee in Österreich zwar sehr beliebt ist, aber 95% der Österreicher ihren Tee meistens nur mit Teebeuteln zubereiten? Was sagst du dazu und warum sollte man über den „Teebeutelrand“ hinausschauen?

K: Es würde uns sehr freuen, wenn passionierte Teetrinker in Österreich eine andere Version von Tee kennenlernen, da Matcha im Vergleich zu Teebeutel, nicht nur ein Aufguss von getrockneten Teeblätter ist. Die wortwörtliche Übersetzung von Matcha bedeutet „gemahlener Tee“ und somit konsumiert man bei einem Matcha, das gesamte Teeblatt mit allen wertvollen Inhaltsstoffen.

Man sagt der Gehalt der Inhaltsstoffe von einer Tasse Matcha-Tee ist so hoch wie die von 10 Tassen herkömmlichen grünen Tee.

VT: Abgesehen von Matcha – den man unbedingt probieren sollte – welche traditionellen Highlights gibt es im Oh!Matcha sonst noch zu entdecken?

K: Abgesehen vom händisch aufgeschäumten Matcha-Tee, bieten wir im Oh!Matcha auch täglich frisch zubereitetes Essen an, das traditionell zum Tee serviert wird. Zum Beispiel in Noriblätter eingewickelten, verschieden gefüllten Sushireis und gedämpfte Teigtaschen in vielen Variationen.

VT: Was wünscht du dir, dass deine Gäste nach dem Teetrinken aus dem Oh!Matcha mit nach Hause nehmen?

K: Ich wünsche mir, dass alle Gäste mit den Eigenschaften von Matcha nachhause gehen – belebt und entspannt zugleich.

Thank you so MATCHA für dieses Interview im Namen des VisionTimes Teams!

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