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In China aufgrund ihres Glaubens verfolgt – ein neues Leben in Österreich

Last updated on 17. September 2020

Lijun und Yining am 8. März 2020 während des Interviews im Grazer Stadtpark

In einem Park in Graz trafen wir Anfang des Jahres die junge Chinesin Lijun Zhao und ihren Mann für ein Interview über ihre schwere Zeit in China, wo sie aufgrund ihres Glaubens Zwangsarbeit und Gefängnis durchleben musste. Im Mai 2019 floh die Falun Dafa Praktizierende nach Österreich zu ihrem Mann, der bereits vor ihr China verließ. Falun Dafa ist eine buddhistische Qigong-Schule zur Kultivierung von Körper und Geist und wird seit 1999 in China vom  Kommunistische Regime verfolgt. 

Wann haben Sie als Falun Gong-Praktizierende auf dem chinesischen Festland gelebt? Haben Sie dort Verfolgung erlebt?

Zhao: Ich bin in China geboren und praktiziere seit 1999 Falun Gong. Noch im selben Jahr begann die Kommunistische Partei Chinas Falun Gong zu unterdrücken. Die Verfolgungsmaßnahmen waren sehr umfangreich, von Gehirnwäsche-Kurse, Zwangsarbeitslager (Umerziehung durch Arbeit) bis zu Gefängnis. Ich lebte inmitten dieser schrecklichen Umgebung. 

Auch Sie wurden in China inhaftiert. Für wie lange?

Zhao: Ich war zwei Jahre im Zwangsarbeitslager und drei Jahre im Gefängnis. Auch danach und zwischendurch schickte man mich in Gehirnwäsche-Kurse und ähnlichem. Die Verfolgung fand ununterbrochen statt. 

Können Sie dazu einige Details erzählen?

Zhao: Ich wurde zum Beispiel mehrfach zu Gehirnwäsche-Einrichtungen gebracht (Anm.: außergerichtliche Einrichtung, die darauf abzielt, den Glauben an Falun Gong oder anderen unerwünschten Gesinnungen zu zerstören). Einmal war ich etwa auf dem Weg zur Arbeit, als ein Auto vorbei kam und ich gezwungen wurde einzusteigen. Ich wusste nicht wo man mich hinbrachte. Eine Gehirnwäsche-Einrichtung ist ähnlich einem Gefängnis. Es gab Wächter mit Schlagstöcken. Man ist die ganze Zeit eingesperrtt und hat keine Freiheit mehr. 

Sie wurden auch nach der Entlassung aus dem Gefängnis überwacht?

Zhao: Ja. Als ich aus dem Gefängnis rauskam, warteten bereits Polizisten meiner örtlichen Polizeistation und Mitarbeiter des Büros 610 (Anm.: Eine Einheit die speziell für die Verfolgung von Falun Gong Praktizierenden gegründet wurde) auf mich. Sie fuhren mich nach Hause. Von da an schickt man mir jeden Monat Helfer des Wohnviertelkomitees um mir Fragen zu stellen, wie: „Üben Sie noch Falun Gong?“ oder „Mit wem stehen Sie noch in Kontakt?“

Konnten Sie und ihr Mann noch ein normales Leben führen? Wie sah ihr Leben von da an aus?

Zhao: Das Telefon wurde die ganze Zeit überwacht. Es gab überall Überwachungskameras – im Korridor des Hauses, im Eingangsbereich des Hauses und des Wohnviertels, sowie auf der Straße. Wir wurden immer wieder davor gewarnt zu oft auszugehen. Mann wisse immer wann wir das Haus verlassen und wo wir sind. Wir fühlten uns bedroht und lebten ständig in Angst. 

Unvorstellbar. Wann und warum haben Sie dann China verlassen?

Zhao: Ich bin am 14. Mai letzten Jahres nach Österreich geflohen. Die Umgebung war einfach zu schwierig. Wenn man seinen Glauben nicht aufgibt, wird man verfolgt. Das ist Terror. 

Was haben Sie im chinesischen Arbeitslager und im Gefängnis erlebt?

Zhao: Als Falun Gong-Übende hat man im Gefängnis überhaupt keine Freiheiten mehr. Von Anfang an wird man von anderen Insassen rund um die Uhr überwacht. Man darf mit niemandem sprechen, selbst Augenkontakt wurde verboten. Alle persönlichen Gegenstände wurden gründlich kontrolliert. 

Jeden Tag wurde man gezwungen, Videos zur Verleumdung von Falun Gong anzusehen und dann dazu einen Bericht zur Gedankenkontrolle zu schreiben. Die beauftragten Insassen um mich herum beleidigten mich oft mit und bezeichneten mich als psychisch krank und so weiter. 

Wenn man sich nicht kooperativ zeigte, wurde man auch körperlich bestraft. Ich erlebte Schlafentzug und ich wurde gezwungen viele Stunden zu stehen oder auf einem kleinen Hocker zu sitzen. Das war sehr schmerzhaft. 

Solange man sich gegen die Umerziehung wehrte, wurde man misshandelt. Im Gegensatz zu normalen Insassen müssen Falun Gong-Praktizierende beim leitenden Gefängniswärter um Erlaubnis fragen, um duschen zu dürfen. Wenn er gerade gut gelaunt war, konnte man duschen. Es kam aber auch vor, dass es einem ein bis zwei Monate verwährt wurde. Man stank am ganzen Körper und alle anderen in der Zelle fühlten sich von einem angewidert. 

Wenn man keinen Fortschritt zeigte, wurde man isoliert, oder durfte sonntags nicht fernsehen oder Bücher lesen, wie die anderen. Man bekam das schlechteste Essen. Wenn man als Falun Gong-Prakizierende nicht kooperierte, wurden alle in der Zelle bestraft, um sie  aufzuhetzen. 

Hier im Westen fand man in Produkten versteckte Briefe von Falun Gong Praktizierenen aus den Gefängnissen oder Arbeitslager. Darin stand, dass der Schreiber gezwungen wurde diese Produkte herzustellen und Zwangsarbeit zu erledigen. Haben sie selbst ähnliches erlebt?

Zhao: Das war selbstverständlich. Das Arbeitslager kann dich nicht kostenfrei am Leben erhalten. Wenn man sich nach längerer Zeit nicht umerziehen hat lassen, wurde man zur Sklavenarbeit gezwungen. Was ich nicht vergessen kann und was am Schlimmsten war – Glühbirnen herzustellen. Viele dieser Produkte wurden illegal hergestellt. Bei der Arbeit mit den kleinen Glühbirnen musste man zwei Ecken zusammenkleben. Aber uns wurde kein passendes Werkzeug zur Verfügung gestellt, nur eine große Zange, damit war die Arbeit schwer zu schaffen. Wir arbeiteten von Frühmorgens nach dem Frühstück bis zum Abend. Nur eine Mittagspause war gestattet. Man ließ uns keine Sekunde in Ruhe. Wenn man eine bestimmte Menge nicht schaffte, durfte  man erst später schlafen gehen. Weil ich kaum Pausen machen konnte, platzte mir die Haut an der Hand. Ich blutete sogar, weil immer an der selben Stelle gerieben wurde. Doch das interessierte niemanden, es zählte nur die Stückzahl. Ich stellte auch Weihnachskarten und Weihnachtsgeschenke her. Die Karten glänzten golden, wir mussten sie schnell einpacken. Sie waren aus hartem Karton mit einem dursichtigem Deckel, der scharf wie ein Messer war. Oft schnitten wir uns. Beim Essen war überall das goldene Pulver am Tisch verteilt. Auch auf unseren Händen – wir hatten keine Zeit um Hände zu waschen. Man bekam die Essensbox einfach auf den Arbeitstisch gestellt. Wir aßen das goldene Pulver einfach mit. Um dein Leben und Tod kümmerte sich niemand. Alles war dreckig. Überall am Körper klebte Arbeitsmaterial. 

Wofür wurden die von Ihnen angesprochenen Glühbirnen hergestellt?

Zhao: Das waren Dekolichter, wie man sie zum  Beispiel in Bars sehen kann – wie Sterne im Himmel. 

Wissen Sie, ob sie für den chinesischen Markt hergestellt wurden?

Zhao: Das müsste für den Export gewesen sein. Viele Bestellungen waren für den Export – nicht für China. Die Anleitungen waren alle auf Englisch.

Waren mit Ihnen auch andere Falun Gong-Praktizierende im Gefängnis?

Zhao: Ja, gab es. Viele Falun Gong-Praktizierende waren mit mir gleichzeitig eingesperrt. Manche wurden in Einzelhaft gesperrt – für mindestens 15 Tage. Man hörte oft Schmerzensschrei, wahrscheinlich aufgrund Folter. Einmal zu Neujahr sprach eine Praktizierende einen Neujahrsgruß an den Meister laut aus. Daraufhin wurde sie vom Gruppenleiter des Gefängnisses rausgezogen und mit Elektroschocks geschlagen. Man konnte es zischen hören, es war der reinste Horror. 

Eine sehr standhafte Prakzizierende aus Shanghai, sie hieß Bai Gendi, erkannte ich im Gefängsnis wieder. Sie war während der letzten zehn Jahre immer im Gefängnis oder im Arbeitslager. Sie sah sehr abgemagert  und verändert aus. Sie verstarb kurz nachdem ich entlassen wurde im Gefängnis. Ich vermute, dass man ihr Gift ins Essen gab, da sie gar nicht kooperierte. 

Kundgebung von Falun Dafa-Praktizierenden am Trafalgar Square in London.

Man hört auch immer wieder davon, dass jemand ohne Grund in die Psychiatrie eingeliefert wird und Medikamente bekommt. Können Sie darüber mehr erzählen?

Zhao: Auch ich wurde in die Psychiatrie Hefei gebracht, nachdem ich 1999 dreimal in Peking war, um eine Petition einzureichen. Ich erinnere mich an einen Arzt, der mich untersuchte und anschließend feststellte, dass ich geisteskrank sei. Ich antwortete ihm, dass ich nicht geisteskrank sei, sondern nur eine Petition einreichen wollte. Dies sei laut Grundgesetz mein Recht als Bürger. Nach einer Weile sagte er meiner Familie, dass ich eine Zwangsstörung hätte. Aus seiner Sicht, sei es eine Zwangsstörung, wenn man auf etwas bestehe, wenn es die Regierung jedoch verboten hatte – auch wenn man dabei sei Recht ausübt. Das ist die häretische böse Logik des Regimes. 

Für uns hier im Westen ist es schwer vorstellbar für seinen Glauben verhaftet zu werden. Warum ist die Kultivierung und der Glaube an Falun Gong so wichtig für euch?

Zhao: Seit meiner Kindheit frage ich mich, was der Mensch hier auf der Erde zu tun hat. In der Schule lernte ich viel, aber nicht was wirklich gut und was wirklich böse ist. Es gibt viele Meinungen, ich wusste nicht auf was ich hören sollte. Als ich erwachsen wurde, erlebte ich viel Glück, aber auch Unglück. Als junge Frau achtete ich auf mein Äußeres. Aber später dachte ich mir, das ist nicht von Dauer. Was ist für die Ewigkeit? Die Ausgeglichenheit des Herzens – die innere Schönheit ist viel wichtiger. Zufällig erhielt ich dann das Buch Zhuan Falun (Hauptwerk von Falun Gong) und las es. Als ich den Satz „Zhen Shan Ren (Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Nachsicht) sind der einzige Maßstab für die Beurteilung von guten und schlechten Menschen“ las, war ich zutiefst berührt. Ich fand die Antwort, nach der ich solange gesucht hatte. Mit der Zeit und nach längerem Lernen von Falun Gong, verstand ich allmählich was der Sinn eines mesnchlichen Lebens sein könnte. Ich habe für mich also den Sinn des Lebens gefunden und werde seitdem nicht mehr so leicht von äußerem Druck oder von äußeren Umständen manipuliert. 

Du lebst jetzt mit deinem Mann in der österreichischen Stadt Graz. Was ist für euch der größte Unterschied zu eurem früheren Leben in China?

Zhao: Der Unterschied ist sehr groß. Sobald ich gelandet war, spürte ich die geistige Entspannung anstelle des Horrors in China. Es war wie eine neue Welt. Ich kann alles nach meinen eigenen Gedanken tun und bin sehr gelassen. Besonders was den Glauben betrifft, stört dich hier niemand. Falun Gong ist eine gute Meditatinsübung, es entspannt mich. Wenn das Wetter schön ist machen wir hier im Park unsere Übungen oder nehmen an Informationsveranstaltungen über die Verfolgung von Falun Gong teil, damit mehr Menschen davon erfahren. 

Vor der Verfolgung übten auch in China viele Menschen Falun Gong in den Parks.

Zhao: Ja, damals gab es sehr viele Praktizierende. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass es jemals anderes sein könne. Die Kommunistische Partei (KP) verbietet jedem den Mund und verbreitet Lügen, die sogenannte Selbstverbrennung am Platz den Himmlischen Friedens wurde von der KP inszeniert. 

In den westlichen Medien wurde berichtet, dass viele Falun Gong-Praktizierende gegen ihren Willen als lebendige Organspender dienen und so ums Leben kommen. 

Zhao: Sowohl mir, als auch meinem Mann wurde im Gefängnis Blut abgenommen. Zuerst wussten wir nicht wozu, doch jetzt weiß ich von dem großen Geschäft mit den Organen. Wir hatten Glück, dass wir nicht ausgewählt wurden. Doch viele andere Praktizierende sind dem illegalen Organhandel zum Opfer gefallen.  Viele Fälle sind bereits ans Licht gekommen. Zum Beispiel ging eine ehmalige Krankenschwester, Anna, 2006 an die Öffentlichkeit und berichtete davon, dass ihr Ehemann, ein Arzt, im Krankenhaus Su Jiatun in der Stadt Shen Yang mehr als 2000 Hornhauttranspantationen am Auge durchführte. Nach zehn Jahren unabhängiger Untersuchungen gibt es jetzt viele Bestätigungen, dass Organraub in China tatsächlich existiert. 

In China konntet ihr nicht so offen über diese Themen sprechen.

Zhao: Was wir jetzt machen können ist, ist unsere Verwandten und Freunde in China anrufen, um ihnen von unserer Verfolgung zu erzählen und sie zu warnen, die Lügen der KP nicht zu glauben. Insbesondere was die Lungenseuche aus Wuhan betrifft. Die KP hat das Volk belogen. Sie haben zuerst verschwiegen was los war, dann haben sie viele Menschen, also Virusträger aus der Stadt gelassen. Jetzt ist das Virus überall auf der Welt. Das ist die Propagande der chinesischen Politik. Sie manipuliert die Medien und veröffentlicht falsche Nachrichten. 

Nun hört man in China nur gute Nachrichten, dass die Situation im Griff ist, damit die Menschen ihre Arbeit wieder aufnehmen und diese politische Macht weiter finanzieren und am Leben erhalten. 

Das Opfer ist immer das Volk. Durch die Verfolgung von Falun Gong wissen wir, dass die KP ihre eigenen Interessen immer vor alles andere stellt. Sie produziert Lügen und verachtet Menschenleben. Das will ich allen Mitmenschen mitteilen, damit auch sie den bösen Teufel erkennen und sich distanzieren können. 

Was würden Sie den Menschen auf der Welt gerne mitteilen?

Zhao: Ich habe mehr als 20 Jahre Verfolgung als Falun Gong-Praktizierende in China erlebt. Aber ich finde, dass das nicht genug Aufmerksamkeit in den internationalen Medien bekommt. Die Verfolgung von Menschen, die Werte wie Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht schätzen, ist eine Verfolgung aller gutherzigen Menschen auf der ganzen Welt. Ich hoffe, dass mehr Menschn dies erkennen und von Falun Gong erfahren können. 

Wir danken Ihnen für das offene Interview.

Mehr zum Thema:

https://www.visiontimes.net/organraub-in-china-mit-unterstuetzung-der-westlichen-medizinischen-korruption/

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