Indische Großmutter perfektioniert die Kampfkunst

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Meenakshi schwingt ihr Schwert. (Bild: Schraubstock / CC0 1.0)

Hütet euch vor der Kampfkunst-Großmutter aus Indien! Sie heißt: Meenakshi und gilt als die älteste weibliche Praktizierende von Kalaripayattu.  Kalaripayattu ist eine Kampfkunstform, deren Geschichte vor mehr als 2.000 Jahren begann. 

Im Alter von nur fünf Jahren wurde Meenakshi von ihren Eltern in einen lokalen Tanzkurs eingeschrieben. Ihr Meister sah, dass sie eine einzigartige Fähigkeit besaß, ihren Körper zu bewegen. Er schlug ihren Eltern vor, sie das Kalaripayattu zu lernen, um ihr Talent voll auszuschöpfen.

Nach der 10. Klasse beendete sie den Schulbesuch und widmete seitdem ihre ganze Zeit dem Erlernen der Kampfkunst. Als sie 17 Jahre alt war, heiratete Meenakshi ihren Kampfkunstmeister. Später wurde sie Mutter von vier Kindern und beschäftigte sich intensiv mit deren Erziehung. So kam es, dass sie mit dem Kampfkunsttraining pausierte. Doch ließ Meenakshi es sich nicht nehmen ihren Mann weiterhin bei verschiedenen Kalaripayattu-Programmen und Veranstaltungen zu unterstützen.

Meenakshi mit ihren Schülern. (Bild: Schraubstock / CC0 1.0)

Als ihr Mann 2010 starb, übernahm Meenakshi die Leitung seines Ausbildungszentrums. So begann ihre Kariere als Kalaripayattu Meisterin. Nachdem die Medien von ihrer Geschichte zu erzählen begannen, verwandelte sich Meenakshi zu einem inspirierenden Idol für Nachwuchstalente. Im Jahr 2017 verlieh ihr die indische Regierung den renommierten Padma Shri Award. Die ist eine besondere Ehre, denn er ist einer der höchsten zivilen Auszeichnungen des Landes.

150 Schüler unterrichtet Meenakshi Kalaripayattu derzeit. Davon ist ein Drittel weiblich. „Es scheint zwar nur eine Übung für Körper, Geist und Seele zu sein, aber die Übungen sind eine immense Herausforderung für die Konzentration. Kalaripayattu zu trainieren erfordert viel Hingabe und Engagement… Jedes Mädchen sollte die Kunst lernen, auch wenn es nur um die Verteidigung geht“, sagte Meenaskshi zu dem Magazin „Harmony“.

Kalaripayattu Kampfkunst

Es wird angenommen, dass der Kampfstil von Kalaripayattu um das 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr. entstanden ist. Dies besagen Aufzeichnungen aus Südindien. Die heutige Form entwickelte sich jedoch erst um das 6. Jahrhundert n. Chr., in der Zeit der Chera- und Chola-Dynastien. Krieger der Region Kerala praktizierten und perfektionierten die ursprüngliche Form weiter. Die Schüler des Kalaripayattu waren nicht nur meisterhaft im Kampf mit dem Körper, sondern auch in der Führung von verschiedenen Waffen.  Doch ist der Zweck hinter dem Training nicht das gegenseitigen Verletzten, sondern die Perfektion des Körpers und die Optimierung der inneren Haltung. Der Autor des Yoga-Sutras, Patanjali meint zudem, Kalaripayattu enthalte auch viele Elemente aus dem Yoga. Ebenso lassen sich Komponenten des Ayurveda in der Kunstform wiederfinden. Dies würde sich unter anderem in der Pflege und Behandlung des Körpers wiederspiegeln.

Bei Kalaripayattu wird auf die Perfektion des Körpers und die Optimierung von der inneren Haltung Wert gelegt. (Bild: iStock)

Abbildung 2Kalaripayattu hat Einflüsse von Yoga und Ayurveda. (Bild: Daaksayani über die Wikipedia CC BY-SA 4.0)

Als Indien unter britische Herrschaft kam, wurde das Ausüben der Kampfkünste politisch streng kontrolliert. Es ging sogar soweit, dass die Schüler, welche die Kampfkunst mit Waffen erlernten inhaftiert wurden. Dies führte zu einem Rückgang der Popularität von Kalaripayattu. So kam es, dass der Kampfkunstausbildung nicht mehr viel Wert beigemessen wurde. Doch in jüngster Zeit gewinnt diese Kunstform wieder an Beliebtheit.

Einer Sage nach würde Kalaripayattu mit dem chinesischen Kung Fu in Verbindung stehen. Eine weitere Überlieferung besagt, dass der buddhistischen Mönch Bodhidharma bei seinem Aufenthalt in China das Shaolin Kung Fu entwickelte. 

Traditionellen indischen Legenden nach, stammen die Techniken von Kalaripayattu aus dem Studium von acht Kriegertieren: dem Kampfschwein, der Cobra, dem Löwen, dem Pferd, dem Büffel, dem Elefanten, dem Kampfhahn und dem Tiger.

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