Ist Leben in einem Multiversum möglich?

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Mit einem Multiversum glaubten die Forscher lange die „geringe“ Menge von dunkler Energie im Universum erklären zu können. (Bild: iStock)

Ein Multiversum – in welchem unser Universum nur eines von vielen wäre – könnte laut aktuellen Forschungen doch nicht so lebensfeindlich sein, wie zuvor gedacht. Die Frage, ob andere Universen als Teil eines größeren Multiversums existieren und Leben beinhalten könnten, bekommt zunehmende Bedeutung in der modernen Kosmologie.

Jetzt haben neue Forschungen unter der Leitung der Durham University in Großbritannien gezeigt, dass Leben in einem Multiversum potentiell überall möglich sein könnte, sofern ein solches existiert. Der Schlüssel dazu könnte laut den Wissenschaftlern die dunkle Energie sein, eine mysteriöse Kraft, die die Ausdehnung des Universums beschleunige.

Die Theorie des Multiversums

Wissenschaftler sagen, dass die gegenwärtige Theorie bezüglich des Ursprungs des Universums weitaus mehr dunkle Energie voraussetzt, als tatsächlich beobachtet werden kann. Durch das Hinzufügen größerer Mengen, dachte man jedoch, eine solch schnelle Ausdehnung zu verursachen, dass die eigentliche Materie verteilt und ausgedünnt würde, bevor Sterne, Planeten oder Leben überhaupt entstehen könnten.

Mit der in den 80er Jahren eingeführten Multiversen-Theorie könne man den “glücklicherweise geringeren“ Anteil an dunkler Energie erklären, welcher die Entstehung von Leben folglich erst ermöglicht haben soll. Durch neue Forschungen mittels riesiger Computersimulationen des Kosmos stellten die Wissenschaftler nun fest, dass das Hinzufügen dunkler Energie – bis zum Hundertfachen der gegenwärtig in unserem Universum beobachteten Menge – einen lediglich moderaten Einfluss auf die Entstehung von Sternen und Planeten hätte.

Dies eröffnet jedoch die Aussicht, dass in anderen Universen, wenn es diese gibt, auch Leben möglich sein könnte. Die Entdeckungen wurden in zwei aufeinander bezogenen Artikeln der Zeitschrift Monthly Notices of the Royal Astronomical Society veröffentlicht. Der Artikel der Universität von Durham kann hier gelesen werden und derjenige der Universität von Sydney hier.

Die Simulation wurde im Rahmen des EAGLE (Evolution and Assembly of Galaxies and their Environments) Projektes erstellt – eine der realistischsten Simulationen des beobachtbaren Universums.

Einfluss der dunklen Energie geringer als gedacht

Jaime Salcido, ein Student im Aufbaustudium des Institute for Computational Cosmology Durham meinte:

“Für viele Physiker ist der unerklärliche, aber offensichtlich außergewöhnliche Anteil dunkler Energie in unserem Universum eine nervenaufreibende Ungereimtheit.”

“Unsere Simulationen zeigen, dass auch im Falle einer sehr viel größeren oder kleineren Menge dunkler Energie im Universum die Auswirkung auf die Bildung von Sternen und Planeten minimal wäre, was die Möglichkeit der Existenz von Leben im ganzen Multiversum wahrscheinlicher macht.”

Dr. Luke Barnes, ein Forscherkollege der Western Sydney University, sagte:

“Man dachte, das Multiversum würde das festgestellte Ausmaß der dunklen Energie im Sinne einer Lotterie erklären – wir haben ein glückliches Los gezogen und leben in einem schöne Galaxien bildenden Universum, welches Leben, wie wir es kennen, ermöglicht.

Unsere Arbeit legt jedoch nahe, dass wir sozusagen übertriebenes Losglück hatten. Es ist noch spezieller, als für Leben überhaupt nötig. Das ist ein Problem für das Multiversum, eine Ungereimtheit bleibt bestehen.”

Wissenschaftler untersuchten den Einfluss dunkler Energie auf die Expansion des Universums und somit die Entwicklung von Sternen. (Bild: iStock)

DDr. Pascal Elahi, ein weiterer Forscher der University of Western Australia, sagte:

“Wir stellten uns die Frage, wie viel dunkle Energie kann vorhanden sein, bevor Leben unmöglich wird? Unsere Simulationen legen dar, dass die von dunkler Materie vorangetriebene beschleunigte Expansion kaum Einfluss auf die Entstehung von Sternen und folglich möglichen Orten für Leben hat.”

“Nicht einmal der Anstieg dunkler Materie um mehrere hundert Mal scheint auszureichen um ein totes Universum zu erzeugen”.

Für die Wissenschaftler seien die Ergebnisse unerwartet und möglicherweise problematisch. Sie stellen in Frage, ob die beobachtbare Menge an dunkler Energie mittels Multiversum-Theorie noch erklärbar ist.

Forscher erahnen ein neues Naturgesetz

Obwohl die Ergebnisse die Existenz eines Multiversums nicht ausschließen, scheint sich der winzige Anteil dunkler Energie eher auf ein bislang unentdecktes Naturgesetz zurückführen zu lassen.

Professor Richard Bower, der für das Institut für computergestützte Kosmologie in Durham arbeitet, meinte:

“Die Bildung von Sternen im Universum ist ein Kampf zwischen der Anziehung der Gravitation und der Abstoßung der dunklen Energie. Wir haben in unseren Simulationen herausgefunden, dass Universen mit einem höheren Anteil dunkler Materie als unseres, sehr einfach Sterne bilden können. Warum ist daher die Menge dunkler Energie in unserem Universum so gering? Ich denke, wir sollten nach einem neuen physikalischen Gesetz suchen, um diese seltsame Eigenschaft unseres Universums zu erklären. Die Theorie eines Multiversums ist wenig hilfreich, um das Unbehagen der Physiker zu lindern.“

Zur Verfügung gestellt von: Durham University [Hinweis: Materialien können nach Inhalt und Länge bearbeitet werden.]

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