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Kindliche Güte bringt das böse Gemüt der Stiefmutter zu Fall

(Bild: Utagawa Kuniyoshi, Japanese 1797-1861, Min Ziqian (Binshiken), aus der Serie „Twenty-four Paragons of Filial Piety as a Mirror for Children (Nijushiko doji kagami)“/Art Institute Chicago)

Geschichten über böse Stiefmütter und die gütigen Stiefkinder sind seit Schneewittchen, Aschenputtel und Co bekannt. In diesen Erzählungen werden die Hauptcharaktäre meist durch Prinzen aus ihren misslichen Lagen befreit. Doch die Geschichten von Min Zigian schildern eine weitere Dimension: sie lehren uns, dass tugendhaftes Verhalten Himmel und Erde berührt und dann die Veränderung der Situation wie von selbst passieren kann. 

Die chinesische Literatur hat viele Geschichten, welche die beispiellose Zuwendung der Kinder den Eltern gegenüber thematisieren. Das Buch „Standards for Being a Good Student and Child“ (Di Zi Gui; zu Deutsch: „Anforderungen an einen guten Studenten und ein gutes Kind“) ist ein traditionelles chinesisches Lehrbuch für Kinder, welches in der Qing-Dynastie (1661-1722) von Li Yuxiu geschrieben wurde und Moral und richtige Umgangsformen lehren soll. 

Das Werk „Vierundzwanzig Beispiele für die höchste Form des Respekts eines Kindes gegenüber den Eltern“, welche von Guo Jujing aus der Provinz Fujian während der Yuan-Dynastie (1280-1368 n.Chr.) ausgewählt und zusammengestellt wurden, ist sehr alt. Es ist das älteste Beispiel von Literatur für Kinder, welches das tägliche Leben von Kindern auch heute noch stark beeinflusst. Diese Geschichten repräsentieren einen wichtigen Teil der orthodoxen chinesischen Tugend.

Auszug aus Di Zi Gui – sei deinen Eltern gegenüber pflichtbewusst

Wenn dein Körper verletzt ist, werden sich deine Eltern Sorgen machen. 

Wenn du nicht tugendhaft handelst, werden sich deine Eltern schämen.    

Wenn du liebevolle Eltern hast, ist es nicht schwer, ein pflichtbewusstes Kind zu sein. 

Aber wenn du immer noch pflichtbewusst gegenüber Eltern bist, die dich hassen, so entspricht das den Standards der Heiligen und Weisen für ein pflichtbewusstes Kind.

Min Zigians gütiges Herz bewegt Himmel und Erde

Min Zigian war ein Vorbild in Bezug auf kindliches Pflichtbewusstsein und Respekt gegenüber den Eltern. Der Junge wurde in der Zhou-Dynastie geboren. Seine Mutter starb sehr früh und sein Vater heiratete wieder eine Frau, die ihm nochmals zwei Söhne gebar.

Min Ziqians Verhalten war durch Respekt und Fürsorge gegenüber seinem Vater, seiner Stiefmutter und seinen Brüdern durchtränkt. Trotzdem mochte ihn seine Stiefmutter überhaupt nicht. Sie behandelte ihre eigenen Söhne sehr gut und kleidete sie in Seidengewänder, die mit dicker Baumwolle gepolstert waren. Für Ming Zigian jedoch fertigte sie nur einen Mantel aus dem flockigen Teil des Schilfrohrs an, welches zwar wie Baumwolle aussah, aber nicht warm hielt. 

In einem sehr harten Winter hatte Min Ziqians Vater in der Stadt zu tun. Er bat daher seinen Sohn die Kutsche zu fahren. Die Abendluft war eisig und der Wind heftig. Dem Jungen war so kalt, dass sein ganzer Körper zitterte. Seine Hände und Füße waren bis zur Bewegungslosigkeit steifgefroren. So geschah es, dass er das Halfter nicht mehr halten konnte. Sein Vater war über die Ungeschicktheit seines Sohnes sehr wütend und beschimpfte ihn. In seiner Wut packte der Vater Min Ziqians Mantelärmel und riss ihn dabei von der Jacke, wodurch das getrocknete Schilffutter zum Vorschein kam.

Der Vater war schockiert über den Anblick der fadenscheinigen Jacke, die seinen Sohn nicht vor der Kälte schützen konnte. Er erinnerte sich, dass die beiden anderen Söhne warme Jacken trugen. Herr Min erkannte plötzlich, welche Grausamkeiten seine Frau seinem ältesten Sohn angetan hatte. Das ärgerte ihn so sehr, dass er in Wut geriet.

Der Vater rannte zurück ins Haus, aus vollem Halse schrie er nach seiner Frau. Als sie erschien, befahl er ihr wütend, das Haus zu verlassen und nie wieder zurückzukehren. Min Ziqian kniete sich neben seiner Stiefmutter nieder und flehte seinen Vater an, ihr noch eine Chance zu geben. Er plädierte für Barmherzigkeit. Zu seinem Vater sagte er: „Wenn Mutter hier ist, leidet nur ein Kind unter dem Wind und Frost, aber wenn sie geht, dann werden drei Söhne unter der Kälte leiden. Bitte, Vater, lass Mutter bleiben!“

Als die Eltern das hörten, begann die Stiefmutter vor Scham zu weinen. Der Vater beschloss der Mutter noch eine weitere Chance zu geben und ließ diese vorerst bleiben. Diese war von der Güte und Tugend ihres Stiefsohnes tief berührt, sodass sie ihre Haltung ihm gegenüber änderte. Fortan behandelte sie ihn genauso liebevoll wie ihre eigenen Söhne. Die Geschichte von Min Ziqians kindlicher Tugendhaftigkeit ist in China seither weit verbreitet und dient den Kindern als Maßstab für tugendhaftes Benehmen. Geschichten erzählen ist eine alte Tradition, um Kindern die Werte der Gesellschaft zu vermitteln sowie sie in Moral und Ethik zu unterrichten. (Tipp: „Storytelling, die Kraft des Geschichtenerzählens“)

Das Werk „Vierundzwanzig Beispiele für die höchste Form des Respekts eines Kindes gegenüber den Eltern“ist aus einem Gespräch zwischen Konfuzius und einem seiner Schüler entstanden. Im Zeitalter der Dynastien haben wohlhabende Familien die Ausbildung ihres Nachwuchses zu Hause stattfinden lassen. Rund zweitausend Jahre lang, bis zum Untergang der Qing-Dynastie im Jahr 1911, war dieser Klassiker das erste Schulbuch für Schulkinder in China. Es war das Werk, aus dem sie sowohl Ethik als auch Lesen lernten. Die Geschichten in dieser Beilage waren so populär, dass auch Nichtkenner sich gründlich mit den konfuzianischen Lehren vertraut machten.

Konfuzius wusste, dass die bewusste Ausbildung des kindlichen Charakters essenziell für das Kind und dessen Verbindung zu den Göttern steht. Nach Konfuzius umfasst das Werk alle Aspekte des menschlichen sozialen Lebens und impliziert alle Tugenden, die mit dem menschlichen Verhalten verbunden sind. 

Quelle: http://www.namoamitabha.net/en/publication/dizigui/dizigui_web_en.htm#chapter1

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Twenty-four_Filial_Exemplarshttps://www.pureinsight.org/node/2881

https://muse.jhu.edu/article/249714

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