„Körperwelten“ erneut kritisiert – dieses Mal in Großbritannien

von James Burke

A photo of a plastinated body. Similar bodies being exhibited in Birmingham have drawn concern over their sourcing. (Image: Jean-Pierre Lavoie via flickr /CC BY 2.0)

Ein Foto eines plastinierten Körpers. Ähnliche Körper, die in Birmingham ausgestellt sind, haben bezüglich ihrer Herkunft viel Besorgnis erregt. (Foto: Jean-Pierre Lavoie via flickr /CC BY 2.0)

Die Ausstellung „Körperwelten“ sorgt erneut für Diskussionen, dieses Mal in Großbritannien, als ein Arzt die Herkunft der zur Schau gestellten, plastinierten Körper infrage stellt.

Dr. David Nicholl, Facharzt für Neurologie in einem Krankenhaus in Birmingham, sagte The Guardian in einem online Artikel via South China Morning Post, dass die plastinierten Körper von 20 Menschen, die in der Ausstellung in seiner Stadt gezeigt werden, von hingerichteten chinesischen Gefangenen stammen könnten.

„Ich stelle mir die dringenden Fragen, warum alle diese Körper, die von den Angehörigen der Verstorbenen nicht eingefordert wurden, in großer Zahl aus Dalian stammen und wie viele Körper der Organisator Imagine Exhibitions in Wirklichkeit besitzt.“, sagt Dr. Nicholl zu The Guardian.

Die in der Ausstellungshalle des Veranstaltungsortes in Birmingham zur Schau gestellten Körper, wurden von der Medizinischen Universität Dalian im Nordosten Chinas unter der Verantwortung von Dr. Honjin Sui, zur Verfügung gestellt. Das in den Vereinigten Staaten beheimatete Unternehmen Imagine Exhibitions verwendet die aus Dalian stammenden Leichen für die durch die ganze Welt tourenden Körperwelten.

„Mein Assistenzarzt ging zu der Ausstellung und ich bat ihn, Geschlecht und Alter der Körper zu dokumentieren,“ erzählt Dr. Nicholl. „Es sind alles junge Männer – keine älteren Menschen, was ich sehr verdächtig finde, wenn man bedenkt, dass einige Arbeitslager innerhalb weniger Stunden Fahrzeit von Dalian aus erreichbar sind“, sagt er. 

„Wenn man die Ausstellungen näher betrachtet, weisen sie nie ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis auf – es sind immer überwiegend Männer. Die meisten Menschen sterben doch, wenn sie älter sind, deshalb ist eine solche Ausstellung wirklich verdächtig.“

Dr. Nicholl hinterfragt auch, warum in England überhaupt derartige Ausstellungen gezeigt werden dürfen, wenn die Verantwortlichen nicht eindeutig nachweisen können, dass die Toten zu ihren Lebzeiten in die Zurschaustellung ihrer Körper eingewilligt haben.

In einem Brief an den Herausgeber von The Times, schrieb Dr. Nicholl: „Spenden bedeutet Einverständnis – sowohl ethisches als auch moralisches. Der amerikanische Organisator, Imagine Exhibitions, konnte keinerlei Beweise über Zustimmungserklärungen für die kommerzielle Ausstellung der Leichen vorweisen. Der Veranstalter hat nur erklärt, dass es sich um „nicht von Angehörigen eingeforderte Körper“ handelt, die legal von Dalian, China erhalten wurden.“ 

Der amerikanische Enthüllungsjournalist und China Experte Ethan Gutmann sagt, dass die in der Ausstellung verwendeten Körper von getöten Chinesen, welche die in China seit 1999 verbotene spirituelle Praxis Falun Gong praktizierten, stammen könnten.

Gutmann berichtete The Guardian, dass es möglich sei, dass die Körper von Falun Gong-Praktizierenden, die durch die Verfolgung getötet wurden, der Medizinischen Universität Dalian übergeben wurden. Vor allem, da diese nicht weit enfernt vom Masanjia Arbeitslager liegt, wo eine große Anzahl von Falun Gong-Praktizierenden festgehalten wird. 

„Es ist ein Verbrechen gegen die Menschheit,“ sagt er.

„Mehrere hunderttausend Menschen wurden hingerichtet, nur weil sie Falun Gong angehörten und es gibt ein Unternehmen, das potentielle Beweise in die ganze Welt verschickt.“

Gutmann sagte The Guardian,  er hoffe, dass alle Präparate mittels DNA Tests untersucht werden.

„Die DNA kann extrahiert werden und dazu dienen, Verwandtschaftsgrade festzustellen,“ sagt er. „Sollten wir einige Treffer haben, können wir die Familien identifizieren und sie fragen, ob sie ein Famlienmitglied vermissen.

„Die Menschen in England haben das Recht zu erfahren, was sie hier sehen und die Menschen in China haben das Recht zu erfahren, was mit ihren Angehörigen passiert ist.“ 

Imagine Exhibitions betreibt zurzeit auch eine Körperwelten Ausstellung in Sydney, Australien, wo ebenfalls Kritik laut wird und die Schließung der Ausstellung gefordert wird.

Mitglieder des Australian Committee of the International Coalition to End Transplant Abuse in China (ETAC), eine australische Organisation um den Missbrauch mit Organtransplantationen in China zu beenden, sendeten im April einen offenen Brief an den australischen Premierminister Malcom Turnbull, sowie an andere politische Entscheidungsträger, um ihre „tiefe Besorgnis“ über die Ausstellung zu äußern.

„Wir fordern dringend, sofortige Schritte zu setzen, um die Ausstellung zu schließen,“ so der Wortlaut in dem Brief der ETAC, der 12 Unterschriften enthält. Unter Anderem von Madeleine Bridgett, einer internationalen Menschenrechtsanwältin und der Ethikerin Dr. Sarah Winch vom Medizinischen Institut der Universität Queensland. 

Dr. Nicholl und Gutmann beteiligen sich an den Bemühungen, in Großbritannien die Ausstellungen zu schließen. Sie und andere schrieben Briefe an die britische Regierungschefin Theresa May und weitere politische Entscheidungsträger. 

Gutmann ist neben dem ehemaligen kanadischen Ministerpräsident David Kilgour und dem kanadischen Menschenrechtsanwalt David Matas Co-Autor des als Buch veröffentlichten Untersuchungsberichtes „Bloody Harvest/The Slaughter: An Update.“ Der mehr als 600 Seiten umfassende Bericht wurde am 22. Juni 2016 veröffentlicht.

Informationen, die die Ermordung von Praktizierenden der Meditationspraxis Falun Gong und die plastinierten Körper in enge Verbindung bringen, beanspruchen 6 Seiten des Berichtes, der hauptsächlich von dem groß angelegten Organraub in China handelt. Die Autoren des Berichts sagen, dass die selben Beweissammlungen, die den erzwungenen Organraub an Falun Gong-Praktizierenden enthüllen, auch für ihre Vorwürfe gegenüber der durchgeführten Plastination relevant seien.

„Der Handel mit menschlichen Leichen ist zu einem Geschäft geworden. Plastinierte Exemplare werden öffentlich mit einer Preisangabe versehen und es werden Geschäfte damit gemacht. Die Regierung in China schreibt solche Geschäfte öffentlich aus. “, so der Report, der sich auch mit Fällen von Lieferanten von plastinierten Leichen aus Dalian beschäftigt.

Der Bericht fokussiert sich auf Sui Hongjin, den Verbindungsmann in Dalian, der die plastinierten Körper und Körperteile für die Ausstellungen von Imagine Exhibitions in Birmingham, Sydney und anderswo zur Verfügung stellt.

Sowohl Imagine Exhibitions als auch die Medizinische Universität Dalian weisen die Vorwürfe zurück. 

Schau dir folgendes Video von The Rebel zum Thema an, als eine ähnliche Ausstellung in Kanada auf Widerstand stieß.

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