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Marcus Aurelius: Wie man einen schlechten Tag zum Guten wendet

Last updated on 15. Januar 2020

Marcus Aurelius philosophischer Ansatz ist geprägt von der Idee, einen schlechten Tag durch eine andere Betrachtungsweise zum Guten wenden zu können. (Bild: iStock)

Dem römischen Kaiser und stoischen Philosophen Marcus Aurelius zu Folge hat es keinen Sinn, mit dem Schicksal eines schlechten Tages zu hadern. Er vertrat die Ansicht: „Auch wenn heute keine einzige Sache gut läuft, soll dies nicht davon abhalten, einen ehrenvollen und guten Charakter an den Tag zu legen.“

Spielen wir folgende Situation gedanklich durch: man wacht morgens auf und es drängen sich die ersten negativen Gedanken auf: Rückenschmerzen? Immer noch da. Geplantes beunruhigendes Meeting am Nachmittag? Immer noch geplant. Angespannte finanzielle Situation? Unverändert.

Was hat man auch anderes erwartet? Wenn man danach sucht, findet man jeden Tag genug Schwierigkeiten, die sich zwischen Aufstehen und Schlafengehen kaum bewältigen lassen.

Jeder Tag bringt neue Herausforderungen

Heute – wie an den meisten anderen Tagen auch – wird es wahrscheinlich zu heiß oder zu kalt sein. Der Verkehr wird vermutlich irgendwo stocken. Schreckliche Dinge werden garantiert irgendwo auf der Welt passieren. Kollegen und Familienmitglieder werden mal wieder nicht der gleichen Meinung sein und Konflikte scheinen unumgänglich.

Marcus Aurelius , auch Mark Aurel genannt, war einer der letzten bedeutenden Vertreter der jüngeren Stoa und sagte einst:

„Auch wenn heute keine einzige Sache gut läuft, soll dies  nicht davon abhalten, einen ehrenvollen und guten Charakter an den Tag zu legen.“

Allerdings meint Marcus Aurelius damit keineswegs alle negativen Situationen zu ignorieren und nur positiv zu denken. Ganz im Gegenteil. In seinen  Schriften „Selbstbetrachtungen“ („Meditations“) rät der römische Kaiser und Philosoph: „Wenn du morgens aufwachst, so sage dir selbst: „Die Menschen, mit denen ich heute zu tun haben werde, werden sich vielleicht  einmischen oder undankbar, arrogant, unehrlich, eifersüchtig und mürrisch sein.“ Auf diese Weise stellt man sich nicht gegen die Realität, sondern akzeptiert sie ohne zu kämpfen. Marcus Aurelius erklärt weiter:

„Die Menschen handeln so, weil sie das Gute vom Bösen nicht unterscheiden können. Ich habe jedoch die Schönheit des Guten gesehen und die Hässlichkeit des Bösen. Dabei habe ich aber bemerkt, dass diejenigen, die Fehler machen, auch etwas mit mir gemeinsam haben, nämlich einen Funken des Göttlichen.“

Jeder, dem man begegnet – auch wenn er ein schlechtes Benehmen an den Tag legt – unterscheidet sich nicht von einem selbst. Deshalb gibt es laut Aurelius keinen Grund für Ärger, Hass oder Konflikte. Dinge können mal nicht gut laufen, aber das müssen sie laut Marcus Aurelius auch nicht, um einen guten Tag zu haben.

Genauso wie man selbst, treffen  auch andere manchmal ungewollt falsche Entscheidungen. Aber auch in ihnen wohnt die Macht inne, das nächste Mal eine bessere Entscheidung zu treffen. Genau wie wir selbst.

Marcus Aurelius ist überzeugt: „Wir wurden geboren, um zusammenzuarbeiten wie Füße, Hände, Augen oder die obere und untere Zahnreihe. Sich gegenseitig zu blockieren ist unnatürlich. Auf jemanden wütend zu sein oder ihm die kalte Schulter zu zeigen, bedeutet letztendlich sich selbst zu blockieren.“

Manchen widerstrebt der Gedanke, dass wir geboren wurden, um zusammenzuarbeiten. Sie haben das Gefühl die Mitmenschen stehen ihnen im Weg und manche Kollegen seien sogar Hindernisse.

Laut den Ansätzen von Marcus Aurelius ist es daher nicht verwunderlich, dass sich viele bereits nach dem Aufstehen ausgelaugt fühlt. Es liegt an der Erwartung, die Welt würde einem keine Hindernisse in den Weg legen, obwohl der eigene Geist voll von diesen ist.

Konzentration auf den eigenen Charakter

Marcus Aurelius war der Ansicht, dass nicht die anderen Menschen der Grund für Schwierigkeiten seien, sondern ausschließlich man selbst:

„Verschwende keine Zeit, um über andere Menschen nachzudenken – mit der Ausnahme, wenn sie das Allgemeinwohl gefährden. Sonst hält dich das nur davon ab, etwas Sinnvolles zu tun. Was „Herr und Frau soundso“ machen und warum und was sie wohl denken und sagen, lenkt davon ab, sich auf den eigenen Charakter konzentrieren zu können.“

„Die Seele degradiert dadurch. Man hat aber jetzt nur dieses Leben. Es ist schon fast verbraucht, aber anstatt sich selbst mit Respekt zu behandeln, macht man das eigene Glück vom Verhalten der anderen abhängig.“, erkennt Marcus Aurelius in seinen Selbstbetrachtungen. Dieses Schriften gelten als die letzte bedeutende Hinterlassenschaft aus der philosophischen Schule der jüngeren Stoa.

Wenn die eigenen Gedanken nicht abgelenkt werden, befreien wir also eine starke Energie in unserem Geist.

„Konzentriere dich vollkommen auf das was du zu tun hast – mit Präzession, Ernsthaftigkeit, Sanftmut und mit Sinn für Gerechtigkeit. Tue alles so, als wäre es das letzte, was du in deinem Leben tun würdest und höre auf, ziellos umherzutreiben und lasse deine Emotionen nicht deinen Geist täuschen. Sei nicht länger heuchlerisch, egoistisch oder gereizt.“, ermahnte der Philosoph.

Es gibt kein Loskommen, außer man lässt los

Viele sind der Überzeugung, dass die anderen oder äußerliche Umstände die Schuld an einem schlechten Tag tragen. Sie versuchen von den Belastungen loszukommen, in dem sie zum Beispiel ans Meer fahren oder in die Berge. Dennoch scheint die Entspannungsphase immer zu kurz zu sein und sobald man zurück kommt, ist alles wie zuvor. Marcus Aurelius zur Folge sei das vergebene Liebesmüh, weil der friedlichste Ort, den es geben kann, in einem selbst zu finden ist:

„Nirgendwo kann es friedlicher und ungestörter sein als in unserem Inneren, bei unserer eigenen Seele. Das ist der Schlüssel zu wirklicher Stille und Harmonie.“

In der Meditation lag für Marcus Aurelius der Schlüssel zum Loslassen und sich selbst zu erneuern. Ein kurzes Verweilen in der Stille genüge schon, um für den Tag gerüstet zu sein, was auch immer der Tag bringen mag. Dieser Denkansatz macht es möglich, jeden Tag in einen guten Tag zu verwandeln. Oder wie der ebenfalls stoische Philosoph Epictetus zu sagen pflegte: „Egal welche Rolle du heute spielen sollst, spiele sie ehrenvoll.“

Marcus Aurelius schrieb „Meditations“, oder oft auch „ad se ipsum“ genannt, eigentlich als charakterliche Richtlinie für sich selbst und rechnete nicht damit, dass es andere je lesen würden. Ein Byzantinischer Poet empfahl „Meditations“ einmal seinen Schülern mit den Worten: „Wenn ihr den Schmerz meistern wollt, öffnet dieses Buch und lest es aufmerksam“.

Der Original-Artikel erschien ihm Englischen von Barry Brownstein: https://www.theepochtimes.com/marcus-aurelius-on-how-to-turn-around-a-rotten-day_3139699.html

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