Meditation macht Sie glücklicher

visiontimes.com, ds

Viele Untersuchungen, auch an buddhistischen Mönchen, bestätigen die Auswirkung von Meditation auf das Gehirn. (Bild: iStock)

Lange Zeit waren Psychologen der Meinung, das Gehirn könne nicht verändert werden. Mittlerweile gab es mehrere Experimente, welche diesen Standpunkt ins Schwanken brachten. Eines dieser Experimente wurde mit buddhistischen Mönchen durchgeführt. Das bildgebende Analyseverfahren offenbarte den Wissenschaftlern völlig neue Perspektiven. Das Gehirn ist nicht, wie bisher angenommen, ein starres Organ – ganz im Gegenteil, es lässt sich über einen längeren Zeitraum verändern.

MRT- Scan von buddhistischen Gehirnen

Zoran Josipovic, ist ein Wissenschaftler und außerordentlicher Professor an der New York University. Er beschäftigt sich seit langem mit der Erforschung der Mediation aus der Perspektive der Neurowissenschaften. Es gelang ihm auch tatsächlich im Laufe seiner Forschung MRT-Scans von vielen prominenten buddhistischen Persönlichkeiten durchzuführen.

„Eine Sache, die die Meditation für diejenigen tut, die sie viel praktizieren, ist, dass sie die Aufmerksamkeitsfähigkeit stärkt und verbessert. Die Meditationsforschung hat sich als sehr vielversprechend erwiesen. Sie gab den Hinweis darauf, die Fähigkeiten des Gehirns noch einmal genauer zu betrachten. Dadurch erlangten wir Wissen über die Möglichkeiten des zentralen Nervensystems sich zu verändern und zu optimieren. Dies ist eine Errungenschaft, von der wir bisher nichts wussten oder gar erahnten“, sagt Josipovic in einem Interview mit der BBC.

Durch seine Studien entdeckte Josipovic, dass, wenn buddhistische Praktizierende ihren Geist in einen Zustand der Einheit entspannen, sich ihre neuronalen Netzwerke verändern. Die sogenannte „psychologische Wand“ die eine Abtrennung bewirkt, kann durch den Zustand in der Meditation abgelegt werden. Sehr erfahrene buddhistische Mönche waren auch in der Lage, sowohl ihre intrinsischen als auch ihre extrinsischen neuronalen Netzwerke während der Meditation gleichzeitig aktiv zu halten.

Auswirkung der Gedankenkontrolle 

Es ist bekannt, dass buddhistische Mönche durch ihre Lehren hohe Techniken der Gedankenkontrolle erlernen. Doch wie signifikant die Veränderungen im Gehirn durch das Praktizieren dieser Fertigkeiten ist, verblüffte die Forscher dann doch. 

Das Magazin „Psychology Today“ veröffentlichte 2008 in einem Artikel folgendes: „Es bedeutet, dass die Kultivierungstheorie, die nahelegt, dass die wiederholte Einwirkung sozialer Botschaften Glaubenssysteme formt, nicht nur einen nachweisbaren biologischen Zusammenhang hat. Auch die Veränderung unserer Wahrnehmung dieser sozialen Botschaften verändert nicht nur unser Denken, sondern auch die Art und Weise, wie wir die Botschaft synaptisch verarbeiten – dauerhaft. 

Dies würde bedeuten, dass der soziale Konstruktivismus und die soziale Konstruktion der Realität nicht nur eine Zweibahnstraße sind, sondern eine echte Zusammenarbeit zwischen sich selbst und der Gesellschaft ist. Wir erschaffen uns buchstäblich unsere Realität selbst, und können sie ebenso verändern, so wie sie uns verändern kann. Noch wichtiger ist, dass wir uns als Menschen wirklich, wörtlich und nachweislich verändern können.“

Regelmäßige Meditation beinflusst den, für das emotionale Gleichgewicht so zentralen linken Frontalcortex und führt so zu mehr Ausgeglichenheit und Optimismus. (Bild: iStock)

Mit Meditation zu einer glücklicheren Person

Die SZ.de berichtete 2010 von einem indischen Abt mit mehr als 10.000 Stunden Meditationserfahrung. Er verblüffte mit einer sehr viel höheren Aktivität im linken Frontalcortex, als 150 Nicht-Buddhisten im Labor-Vergleich in Richard Davidsons Hirnforschungslabor an der University of Wisconsis in Madison. Bei anderen Versuchen beobachtete man solche erhöhten Erregungszustände im linken Stirnhirn bei Personen mit einer guten Grundstimmung, also den optimistischeren Menschen. 

„Glück ist eine Fertigkeit, die sich erlernen lässt wie eine Sportart oder das Spielen eines Musikinstruments“, wird Davidsons Schlussfolgerung zitiert. „Wer übt, wird immer besser.“ 

Weitere Untersuchungen mit acht Mönchen, vom Dalai Lama persönlich in Davidsons Labor entsandt, bestätigten einen außergewöhnlichen Anstieg von Gamma-Wellen im gesamten Gehirn der Meditierenden. Gamma-Wellen zeigen sich ansonsten in vereinzelten Gehirnarealen bei kognitiven Höchstleistungen, wie extremer Konzentration. Es wird auch vermutet, dass die Gamma-Frequenz eine wichtige Rolle bei der Bewusstseinsbildung spielt, indem sie Hirnareale gleichschaltet. 

Ulrich Ott, Psychologe an der Universität Gießen, erklärt dazu weiter auf SZ.de: „Wenn alle Nervenzellen synchron schwingen, wird alles eins, man differenziert weder Subjekt noch Objekt. Exakt das ist die zentrale Aussage der spirituellen Erfahrung.“

Dass die Gamma-Aktivität bereits vor der Meditation deutlich höher war, zeigt den andauernden und nachhaltigen Effekt der inneren Einkehr und dass sich Verschaltungen im Hirn verändern können. Somit kann man durch geistiges Training sein Bewusstsein, ja sogar seine Persönlichkeit, beeinflussen. 

Tatsächlich beinhalten mittlerweile sogar schon viele Programme in Drogenrehabilitationszentren Meditation als Teil ihrer Behandlung. Doch wäre es auch möglich Meditationstechniken zu entwickeln, die Menschen mit Depressionen und Zwangsstörungen helfen, negative Überzeugungen zu überwinden? Auch Kinder mit geringem Selbstvertrauen oder sozialen Ängsten könnten schon in jungen Jahren die Meditation kennenlernen, um einen Weg aus den Einschränkungen zu finden. Es gibt auch Gefängnisse, die begonnen haben, Meditationsunterricht zu geben. Dabei wurde herausgefunden, dass die Häftlinge durch das In-Sich-Gehen ruhiger werden und die Gewaltbereitschaft gesenkt wurde.

Wir haben erst begonnen altes Wissen, wie die Kraft der Meditation, mit wissenschaftlichen Methoden zu erforschen. Doch wenn wir es schaffen Mediation wieder alltagstauglich zu machen, könnten wir zu einem ruhigen und glücklichen Leben zurückfinden. 

„Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie anderenorts zu suchen“  François de La Rochefoucauld

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