fbpx Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Natürlicher Ursprung oder doch aus dem Labor? – WHO-Team in Wuhan soll Ursprung der Pandemie erforschen

In Wuhan, Provinz Hubei, traten vor etwa einem Jahr die ersten Infektionsfälle mit dem neuartigen Coronavirus auf. (Bild: iStock, 487677302/dk_photos)

Vor ziemlich genau einem Jahr tauchten die ersten Fälle mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 in der chinesischen Millionenmetropole Wuhan auf. Genau dort soll nun ein Expertenteam im Auftrag der WHO den Ursprung der Pandemie erforschen. Lange wurde dieses von dem chinesischen Regime verhindert und auch diesmal kam es zu Verzögerungen bei der Einreiseerlaubnis. Gleichzeitig tauchen neue Stimmen unter Experten auf, die eine unnatürliche Quelle des Virus für möglich halten. 

Das internationale Team von 10 Wissenschaftlern kam am 14. Januar dieses Jahres in der Metropole Wuhan, Provinz Hubei, an und soll nun vor Ort versuchen, das Rätsel des Pandemie-Ursprungs zu lüften. Auf dem dortigen Wildtiermarkt Huanan traten vor etwa einem Jahr die ersten Infektionsfälle mit dem neuartigen Coronavirus auf. Doch später konnten nicht bei allen Erstinfektionen Verbindungen zu diesem hergestellt werden. Die Identifizierung der Pandemie-Quelle soll helfen, Maßnahmen zu setzen, um weitere, zukünftige Ausbrüche zu vermeiden, etwa durch gezielte Jagdverbote. 

Einreise mit Hindernissen

Das chinesische Regime hatte sich lange gegen Untersuchungen vor Ort durch ausländische Experten gewehrt. Die USA und andere Staaten fordern jedoch schon lange mehr Transparenz bei verschiedenen Themen. So fand die Australische Außenministerin Marise Payne laut der Tagesschau deutliche Worte: „Die Probleme rund um das Virus sind ein Fall für eine unabhängige Untersuchung und ich denke, es ist wichtig, den Ursprung unabhängig erforschen zu lassen, und tatsächlich besteht Australien entschieden darauf.“ Dies führte zur derzeitigen weiteren Verschärfung des schon begonnenen China-Australien-Konflikts, da sich die chinesische Regierung über die „falsche Wortwahl“ Australiens erbost zeigte und mit weiteren Importverboten reagierte. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) drängte China ebenso bereits seit Mai letzten Jahres dazu, Experten ins Land zu lassen, um bei der Erforschung des Ursprunges mitzuhelfen. Auch die diesmalige Mission stand kurz auf wackligen Beinen. Fehlende Genehmigungen von chinesischen Behörden verzögerten die Einreise des Experten-Teams bereits um eine Woche und zwei der Experten wurden schlussendlich am Transit-Flughafen in Singapur aufgehalten. Ihre Reise endete dort, da bei ihren Gesundheitstests Covid-19 Antikörper festgestellt werden konnten, welche Hinweise auf eine vergangene Infektion mit dem Coronavirus geben. Der Corona-Test selbst fiel jedoch negativ aus. Einem der Experten wurde mittlerweile nach einem zweiten, diesmal negativen, Test die Einreise nun doch bewilligt. Die Wissenschaftler dürfen ihre Arbeit aber allesamt erst nach einer zweiwöchigen Quarantäne beginnen.

Danach stehen dem Team weitere zwei Wochen zur Verfügung, Menschen aus Forschungsinstituten, Krankenhäusern und dem Tiermarkt in Wuhan zu befragen. Es ist ein politisch heikles Thema, denn die kommunistische Führung Chinas befürchtet, als Schuldiger für die Pandemie angeprangert zu werden und ist schon lange darum bemüht, auf unbestätigte Berichte hinzuweisen, die den Verdacht des Epizentrums auf andere Länder lenken sollen. 

Anfängliche Vertuschung durch das chinesische Regime

Unter Fachleuten besteht die Befürchtung, dass chinesische Behörden bedeutende Hinweise zu Beginn der Pandemie verschwinden ließen. Viele Journalisten und Insider wurden daran gehindert, über die Ausbrüche zu berichten oder Informationen weiterzuleiten.

Auch wenn die KPCh die neuen Infektionsfälle diesmal früher als damals beim SARS-Ausbruch 2002/2003 gemeldet hatte, werfen Fachleute und Regierungsmitglieder verschiedenster Länder der KPCh dennoch vor, zu Beginn wieder versucht zu haben, den Ausbruch zu vertuschen. Außerdem habe sie zu lange eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch dementiert und damit wertvolle Wochen verstreichen lassen. 

Womöglich doch aus dem Labor entwischt?

Schon sehr früh wurden Theorien über einen künstlichen Virus aus dem Labor in der Nähe des Tiermarktes in Wuhan verbreitet. Ebenso schnell tat man diese als Verschwörungstheorie wieder ab. Dass dies eventuell zu schnell erfolgte, ist die Meinung einer internationalen Forschungsgruppe, die derzeit mit einer Publikation ihrer Erkenntnisse bezüglich des Ursprungs des Virus im Fachjournal BioEssay für Aufsehen sorgt. 

Eine der Wissenschaftlerinnen ist die Innsbrucker Mikrobiologin Rossna Segreto, die schon vor Corona im Bereich der Mutantenentstehung forschte. In der Tiroler Tageszeitung (online) wird Segreto zitiert: „Es gibt nach wie vor keinen wissenschaftlich nachvollziehbaren Beweis, dass sich der Erreger auf natürliche Weise entwickelte und nicht aus einem Labor kam.“ Ihr sei sogar lieber, sie hätte diverse Indizien, welche sie seit Beginn der Pandemie aus Eigeninteresse und in Kooperation mit anderen Wissenschaftlern zusammengetragen hat, erst gar nicht entdeckt. Es sei ein heikles politisches Thema und sie möchte „keinem Verschwörungstheoretiker in die Hände spielen“, jedoch müsse es schärfere Sicherheitsvorkehrungen in Labors geben, um weitere Unfälle zu verhindern. 

Könnte der SARS-CoV-2 doch einem Labor entwischt sein? (Bild: iStock, 1202432597/Duminda Cooray)

Virenforschung – Nutzen und Risiko 

Es ist nicht unüblich, dass weltweit in diversen Laboren Viren künstlich verändert werden. Diese Forschungen dienen der Erkennung und Erforschung von gefährlichen Viren, dabei können auch Viren entstehen, die ansteckender und tödlicher sind, als ihre ursprüngliche Variante. Man erhofft sich dadurch, für eventuelle Ausbrüche Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln. Zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen sollen ein unerwünschtes Entkommen dieser Viren verhindern. Dennoch ist es nicht unmöglich und eine Debatte über Nutzen und Risiko der Virenforschung könnte nötig sein.  

Bei dem besagten Labor in Wuhan, welches verdächtig nahe am besagten Tiermarkt liegt, handelt es sich um ein BSL-4-Hochsicherheitslabor, in dem mit hochinfektiösen Erregern, unter anderem an mutierten Coronaviren, garbeitet wird. Bereits im Jahre 2018 soll es Bedenken zu den bestehenden Sicherheitsvorkehrungen in jenem Labor gegeben haben. Dass man ein derartiges Institut in einem Ballungsraum errichtet, ist für Segreto schon an sich bedenklich.

Das Institut sei seit dem Pandemie-Ausbruch noch nie untersucht worden, zuvor öffentlich zugängliche Daten wurden laut der Wissenschaftlerin sogar gelöscht. Auch der Aufbau von SARS-CoV-2 ließe auf eine künstliche Veränderung im Labor schließen. Es sei unwahrscheinlich, dass ein Virus in so kurzer Zeit eine neue Sequenzen ausbilde, die es ihm ermöglicht, mehr Arten, darunter auch den Menschen und unterschiedliche Gewebe zu befallen. Ebenso zweifelhaft sei für die Wissenschaftler, dass es zeitgleich zu einer Ausbildung der Rezeptor-bindenden Domäne gekommen ist, die sich an den menschlichen ACE2-Rezeptor heften kann und sich der Virus somit perfekt an die menschliche Zelle angepasst hat. 

Die Theorie vom Wuhaner Tiermarkt als Ursprungsort ist laut Wienerzeitung auch für den Epidemiologen Daniel Lucey von der Georgetown University in Washington „überhaupt nicht plausibel“. Laut ihm brauche ein Tier-Virus Monate, meist auch Jahre für die nötigen Mutationen, um hochansteckend von Mensch-zu-Mensch zu werden. Und SARS-CoV-2 habe sich aber bereits im Dezember 2019 schnell in Wuhan ausgebreitet. 

Quellenforschung noch unabhängig möglich

Ob es dem Experten-Team der WHO gelingen wird, nach so viel verstrichener Zeit und eventueller „Aufräumarbeit“ der chinesischen Behörden die tatsächliche Quelle des Virus ausfindig zu machen, wird von einigen Fachleuten bezweifelt. 

Die Mikrobiologin Segreto betrachtet die WHO-Untersuchung als skeptisch So weist sie auf den britisch-amerikanischen Zoologen und Experten für Infektionsepidemiologie, Peter Daszak, hin, der dem ausgesandten Forschungsteam angehört und ein enger Kooperationspartner des Instituts für Virologie in Wuhan sein soll. Eben dieser äußerte sich aber zumindest ebenso skeptisch über das anfängliche Verhalten der chinesischen Behörden. Diese hätten laut ihm „in der Anfangsphase keinen tollen Job gemacht“, so die Wienerzeitung. Er glaube daran, dass die Wissenschaftler das Rätsel vom Ursprung der Pandemie doch noch lösen können. 

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code

Mission News Theme von Compete Themes.