Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Österreichisches Brauchtum: Warum der Allerheiligenstriezel ein Zopf ist – inklusive Rezept zum Selbermachen

Der flaumige Allerheiligenstriezel gehört zur österreichischen Tradition. (Foto: Christina Winter)

Der Allerheiligenstriezel zählt in Österreich zu den wichtigsten Brauchtümern aus alten Zeiten. Welche geschichtlichen Hintergründe verbergen sich hinter dem traditionellen Zopfmuster und wie gelingt Ihnen selbst der perfekte Allerheiligenstriezel? 

Erste Aufzeichnungen über einen „Heiligenstriezel“ stammen bereits aus dem 17. Jahrhundert. Im Jahr 1840 wurde in der Zeitschrift „Österreichische Zuschauer“ folgendes über das köstliche Gebäck berichtet: 

„Charakteristisch ist für die Österreicher, besonders für die Wiener, die uralte Sitte, sich am Tag aller Heiligen mit einem zopfartigen geflochtenen Weißbrot, dem sogenannten Heiligenstriezel, zu beschenken“

In weiten Teilen Österreichs ist der Begriff „Striezel“ gebräuchlich, während man im Westen Österreichs sowie in Bayern und der Schweiz den Ausdruck „Zopf“ verwendet.  Im österreichischen Lebensmittelcodex Kapitel B18 ist er als „Feine Hefeteigbackware“ bezeichnet.

Tradition und Bräuche 

Ursprünglich wird der Allerheiligenstriezel als süßes Brot erwähnt, dass an Kinder und Arme verteilt wurde, damit diese zu Allerheiligen und Allerseelen für die Verstorbenen beten. Es gibt auch Berichte, dass man die Süßspeise auf Gräber legte. Sie sollte in der Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen als Verpflegung für die Verstorbenen dienen. Man sagt, dass die Seelen der Verstorbenen in jener Nacht die Schwelle zwischen den Welten der Lebenden und Toten überwinden können. 

In vielen Regionen Österreichs gilt der Tag am 1. November als „Godntag“. „Godn“ ist ein alter Ausdruck für Pate. Es war üblich, dass der Taufpate des Kindes, diesem einen Allerheiligenstriezel als Geschenk mitbrachte, welcher das Kind an die Heiligen erinnern sollte. 

Im Burgenland und in der Steiermark hingegen hat der Allerheiligenstriezel als Geschenk für Verliebte eine wichtige Rolle. In vielen Regionen im Burgenland ist es üblich, dass die Burschen den Striezel beim Bäcker kaufen und ihn als „Verehrerstriezel“ ihrer Liebsten schenken. 

In der Steiermark ist es genau umgekehrt. Dort backen die Mädchen den Striezel selbst und schenken ihn jenem Mann, in den sie verliebt sind. Isst der Auserkorene von dem Striezel ein großes Stück, gilt die Liebeserklärung als akzeptiert. 

Weshalb ist der Striezel ein Zopf?

In mancher traditionellen Tracht sind die Zöpfe mit roten Bändern aus dem Altertum heute noch erhalten. (Bild: iStock: 178392308/waldru)

Die Zopfform des Allerheiligenstriezel kommt ursprünglich aus dem alten Ägypten. Dort war es ein alter Brauch, dass Witwen auf dem Scheiterhaufen gemeinsam mit ihrem verstorbenen Ehemann verbrannt wurden. Mit der Zeit änderte sich dieses brutale Ritual und den Witwen wurde nur ein Haarzopf als Zeichen der Trauer um ihren Ehemann abgeschnitten und gemeinsam mit dem Leichnam des Mannes verbrannt.

Diese Tradition der Ägypter wurde von den Griechen übernommen. Von diesen übernahmen es wiederum die Römer und durch die teilweise Eroberung Germaniens kam der Brauch schließlich in die heutigen Regionen von vorwiegend Österreich, aber auch Teile Bayerns und der Schweiz.

Vor allem bei den Germanen war man der Ansicht, dass das Flechten der Haare vor dämonischen Einflüssen schütze. Lange Haare und Zöpfe hatten aber noch tiefere Bedeutung, vor allem bei den germanischen Frauen standen sie für Weisheit und als „Verbindung zum Göttlichen“. Die Zöpfe wurden üblicherweise mit roten Bändern zugebunden, was den Schutz stärken sollte, sodass Dämonen nicht in den Geist eindringen und die Verbindung stören konnten. 

Unverheiratete germanische Mädchen trugen nur einen Zopf, der entweder aus dem ganzen Haar bestand oder kunstvoll in das halboffene Haar eingearbeitet wurde. Er symbolisierte die Verbindung zu den Gottheiten und dem Universum. In der germanischen Kultur ging man davon aus, dass Frauen aufgrund ihres inneren Wesens für diese Verbindung empfänglicher waren als Männer. Dadurch sollte den Frauen besondere Weisheit, Lebenskraft und Fruchtbarkeit zuteilwerden. 

Wenn ein Mädchen heiratete, wurden die Haare in zwei Zöpfe unterteilt oder zwei Zöpfe in das halboffene Haar eingeflochten. Einer davon sollte nach wie vor die Verbindung zu den Gottheiten und dem Universum bleiben und der andere sollte für die Verbindung zu ihrem Ehemann stehen. Durch diese Verbindung konnte der Mann zusätzlich zu seiner eigenen gottgegebenen Stärke, die ebenfalls durch lange Haare symbolisiert wurde, von der Weisheit, die seiner Ehefrau von den Gottheiten zur Verfügung gestellt wurden, profitieren. 

Es gibt Überlieferungen nach denen verfeindete Stämme versuchten die Ehefrau des Anführers zu entführen, um ihr die Haare abzuschneiden. Man ging davon aus, dass man durch diese Tat den Anführer des gegnerischen Stammes stark schwächen würde. 

Auch heute soll das Essen des Allerheiligenstriezels in Zopfform in Österreich Glück, Kraft, Fruchtbarkeit und den Schutz vor schädlichen und dämonischen Einflüssen bringen. 

Geht jedoch das Hefegebäck beim Backen nicht wie gewünscht auf, gilt dies als Vorbote für ein großes Unglück im kommenden Jahr. Jedoch keine Sorge, mit dem nachfolgenden Rezept wird dies nicht passieren und einem gelungen Allerheiligenstriezel – inklusive aller positiven Symbolik – steht nichts im Wege.

Allerheiligenstriezel selbst gemacht

Der fertige Striezel in Zopfform (Foto: Christina Winter)

Um einen traditionellen Allerheiligenstriezel zu backen benötigen Sie:

200 ml Milch

2 Eier (eines für den Teig und eines zum Bestreichen)

30 g frische Hefe (Germ)

75 g Zucker

1 gehäuften TL Salz

450 g Mehl 

75 g weiche Butter

Hagelzucker zum Bestreuen

Die Zubereitung Schritt für Schritt: 

  1. Die Milch leicht erwärmen (ca. 40°C) und die Hefe einrühren. 
  2. Zucker hinzugeben.
  3. Ein Ei verquirlen und mit Salz und Mehl vermengen und zur Milch (mit Hefe und Zucker) hinzugeben.
  4. Das Gemisch für mindestens fünf Minuten mit einem Knethacken zu einem Teig verrühren.
  5. Butter in kleinen Stücken nach und nach zugeben.
  6. Alles gemeinsam noch einmal für drei Minuten gut durchmischen.
  7. Die Schüssel zuerst mit Frischhaltefolie und dann einem Baumwolltuch abdecken.
  8. Den Teig an einem warmen Ort ohne Luftzug stellen (am besten unter die Bettdecke) und für eine Stunde gehen lassen.
  9. Den Teig gut durchkneten, um die Luft zu entfernen, den Teig kurz entspannen lassen und dann in drei gleiche Stücke teilen. 
  10. Die drei Teile zu Strängen ziehen und zu einem lockeren Zopf flechten. 
  11. Den Zopf auf ein Backblech mit Backpapier geben.
  12. Noch einmal 40 Minuten gehen lassen.
  13. Den Zopf mit gequirltem Ei bestreichen und mit Hagelzucker bestreuen. 
  14. Bei 200°C im Ofen auf der zweiten Schiene von unten für ungefähr 30 Minuten backen. In einer passenden Schiene über dem Zopf das Backofengitter geben. Auf dieses nach 5 Minuten Backzeit ein Backpapier legen, um die Oberfläche des Striezels vor zu viel Hitze zu schützen. Ansonsten wird er außen zu dunkel, ist aber im Inneren nicht fertig. Das Backpapier soll nicht direkt auf den Striezel gelegt werden, da dieses sonst festklebt. 
  15. Den Striezel abkühlen lassen und verschenken oder gemeinsam genießen.

Weitere Quellen: 

https://de.wikisource.org/wiki/Das_Weib_im_altgermanischen_Recht_und_Leben

https://www.kraftdererde.at/index.php/de/blog/6-die-haare

https://www.trachtenbibel.at/der-allerheiligenstriezel/

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code