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Probleme aktiv lösen indem man ihre Wurzel richtig erkennt

(Bild: iStock)

Im Alltag tauchen vielerlei verschiedene Probleme auf. Einige davon können gleich nach dem Entstehen gelöst werden: Zum Beispiel die U-Bahn Linie ist gesperrt, aber man findet trotzdem einen Weg um zur Arbeit zu kommen. Kleinere Probleme aus dem Alltag lassen sich meist schnell und mit einfachen Methoden lösen. Andere Schwierigkeiten hängen aber mit komplizierten Faktoren zusammen und verlangen einen aktiven Lösungsprozess, um sie an der Wurzel packen zu können. 

„Wenn komplizierte Probleme aufkommen und man versucht sie mit schnellen Methoden zu lösen, neigt man dazu schlechte Entscheidungen zu treffen. Man verliert die Möglichkeit die grundlegenden Ursachen zu erkennen und überlässt den Ausgang den äußeren Umständen oder anderen Menschen.“, erklärt Michael Courter. 

Ein strukturierter Lösungsprozess

Wenn Probleme kompliziert sind, kann ein strukturierter Lösungsprozess hilfreich sein. Die Basisschritte die Michael Courter dafür empfiehlt, lauten:

1.) Das Problem definieren. 

2.) Brainstormen, um Lösungsansätze zu finden.

3.) Die Lösungsmöglichkeiten analysieren.

4.) Einen strukturierten Plan machen.

5.) Den Plan umsetzten.

6.) Die Schritte 1-5 wiederholen, bis das Problem gelöst ist.

„Sie werden überrascht und begeistert sein, welche Türen sich öffnen, wenn man geduldig, aufmerksam und kreativ ist.“, verspricht Micheal Courter, der sich selbst als „kreativer Problemlöser“ bezeichnet.

Der Erste Schritt, das Problem richtig zu definieren, ist laut Courter der Punkt, wo am häufigsten Fehler passieren. In Folge dessen wird viel Energie investiert, um etwas zu lösen, dass eigentlich gar nicht das wirkliche Problem ist, sondern nur Symptom davon. 

Solange die Wurzel nicht beseitigt werden kann, läuft man Gefahr immer wieder demselben Problem, nur mit leicht veränderter Verkleidung, zu begegnen. 

Problemdefinition Schritt für Schritt

Wie kann man sich nun aber sicher sein, dass man das richtige Problem in Angriff nimmt und nicht Energie und Zeit an einem oberflächlichen Symptom des Problems verschwendet? Courter empfiehlt Schritt für Schritt vorzugehen:

1.) Das Problem in kurzen Worten niederschreiben. Courter nutzt dafür bevorzugt ein Whiteboard, aber ein Stück Papier ist ebenso in Ordnung.

2.) Eine Liste mit allen Fakten, die man über das Problem weiß, aufschreiben. Dabei soll beantwortet werden, WER, WAS, WO und WANN in das Problem involviert ist. Dinge, über die man nur spekuliert und sie nicht sicher weiß, gehören in eine extra Liste und sollen klar als „Annahmen“ gekennzeichnet sein.

3.) Welche Informationen fehlen? Als nächstes soll man die fehlenden Informationen in Listenform definieren. Wenn zu viele oder schwerwiegende Dinge auf dieser Liste der fehlenden Informationen sind, muss man diese herausfinden. Dabei ist zu überlegen: Wer kennt die fehlenden Informationen? 

4.) Die eigenen Emotionen sortieren. Man muss sich darüber im Klaren sein, ob es bestimmte Emotionen gib, die den internen Konflikt verstärken oder die Lösungsfindung verlangsamen. Denkanstöße könnten dafür sein: Drängt einen etwas eine schnelle Entscheidung zu treffen? Versucht man etwas zu vermeiden, dass einem unangenehm ist? Welche Emotionen stehen jeweils dahinter? Angst? Neid? Der Wille nach Bequemlichkeit? Es kann laut Courter gut sein, dass verschiedene Emotionen, die man nicht aktiv zuordnet, unbewusst Entscheidungen negativ beeinflussen. Daher sei es wichtig diese versteckten Einflüsse genau zu beleuchten. Oftmals sind es genau diese Emotionen die man im Lösungsprozess, abhängig von der Situation durchbricht. 

5.) Nachdem man Schritt 1- 4 erledigt hat, soll man sich folgende Frage stellen: Hat sich die Sichtweise auf das Problem verändert? Hat man zu Beginn das richtige Problem definiert? Wenn nicht, soll man das Problem in Punkt 1 mit den neuen Erkenntnissen definieren. Dann soll man sich vorstellen, dass das Problem plötzlich gelöst wäre. Welche Faktoren würden sich genau verändern? Und wenn diese Faktoren geändert sind, wäre dann tatsächlich das Problem gelöst? 

Wenn die Antwort „Ja“ lautet, dann hat man das richtige Problem definiert. 

Letzter Schritt: Die Problemlösung

Wenn man das richtige Problem an der Wurzel erkannt hat, kann man sich nun effektive Lösungen überlegen. Courter erzählt ein Beispiel aus seinem Berufsalltag:

Salvador, ein junger Student, kam zu Courter Therapiesitzungen, wegen Angststörungen. Er sagte Courter, dass er seine Seminare nicht schaffen würde und stattdessen zu seiner Tante in seine Heimatstadt ziehen würde. Zudem würden ihn die Hälfte seiner Lehrer nicht ausstehen können und würden ihn wohl kaum positiv beurteilen. 

Obwohl er normalerweise gute Noten hatte, war er für eine Woche krank und hatte daher einige wichtige Abgabetermine versäumt. Er zog voreilig die Schlussfolgerung, dass er dadurch seine Fächer in diesem Semester nicht schaffen würde. 

Als seine Tante ihm angeboten hatte, bei ihr mietfrei zu leben, traf er eine schnelle Entscheidung und wollte den angebotenen Ausweg annehmen. Dabei dachte er über keine weiteren Lösungsmöglichkeiten mehr nach.

Nachdem er mit Courter Schritt für Schritt das Problem analysiert hatte, zeigte sich, dass eigentlich die Angst vor einem Gespräch mit den Professoren über die verpassten Abgabetermine das eigentliche Problem war. Er ging unbewusst davon aus, dass sie ihn verurteilen würden und er sein Gesicht verlieren würde. 

Als Salvador erkannte, dass seine Angst vor Gesichtsverlust dabei war, eine voreilige Entscheidung zu treffen, änderte er ,passend zu dem neu definierten Problem, seine Herangehensweise. Schließlich übte er mit Courter wie er die Gespräche mit seinen Professoren führen könnte. Die gezielte Vorbereitung reduzierte seine Angst auf ein vertretbares Level. Er stellte sich schließlich den Professoren in einem klärenden Gespräch über die nichterbrachten Leistungen. 

„Wie man bestimmt erraten kann, konnte Salvador eine Lösung aushandeln die verpassten Abgaben nachzubringen, alle Fächer in dem Semester zu schaffen und so ohne Unterbrechung weiter zu studieren.“, sagt Courter. 

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