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Prof. Dr. Anne-Marie Brady spricht über die Gefahren, die von der Kommunistischen Partei Chinas ausgehen

Prof. Dr. Anne-Marie Brady, eine kritische Stimme gegenüber der Kommunistischen Partei Chinas. (Bild: visiontimes.com, Screenshot / YouTube)

Prof. Dr. Anne-Marie Brady ist Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Canterbury, Neuseeland, und ist als scharfe Kritikerin der chinesischen Regierung bekannt. In einem Interview mit Stuff verrät sie, warum der Einfluss der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) eine Bedrohung für die Welt darstellt.

Die Kommunistische Partei Chinas als Forschungsobjekt

„Weltweit gibt es nur sehr wenige Menschen, die noch die Kommunistische Partei Chinas —ihre Institutionen und ihre Politik —erforschen… Ich war oft die einzige Ausländerin in der Nationalbibliothek in China, weil die Leute dachten, dass das doch nur eine alte Ideologie sei, an die ohnehin niemand glaubt“, sagte Prof. Brady zu Stuff.

Sie weist darauf hin, dass der Westen es nicht geschafft hat die Kommunistische Partei wirklich zu verstehen. Der Westen ging davon aus, dass die Partei verschwinden würde, sobald China Stück für Stück freier wurde und die Privatwirtschaft auftauchte. Jedoch wirkten sich solche Entwicklungen nicht negativ auf die KPCh aus. Tatsächlich schreibt die Parteipolitik vor, dass die Firmenchefs zu aktiven Mitgliedern des staatlichen Systems werden sollen. Nahezu 100 Prozent der Informations- und Kommunikationstechnologieunternehmen und 75 Prozent der Geschäftsführer großer Unternehmen in China sind Mitglieder der KPCh. Als solche sind sie dazu verpflichtet, die Parteiregeln über die Gesetze anderer Länder zu stellen.

Chinesische Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie sind dazu verpflichtet, die Regeln der KPCh über die Gesetze anderer Länder zu stellen. (Bild: iStock)

Die KPCh beeinflusst auch zunehmend internationale Meinungen durch eine ihrer Organisationen, mit dem Namen „Abteilung vereinigte Arbeitsfront“ 统战部. Prof. Brady zählt Präsident Xi Jinping zu den drei „Wunderwaffen“ der Partei. In den vergangenen zehn Jahren ist die Vereinigte Arbeitsfront ziemlich tief in die neuseeländische Geschäfts- und Politikszene eingedrungen. Prof. Brady veröffentlichte im Jahr 2017 ein Dokument mit dem Titel „Magic Weapons: China’s political influence activities under Xi Jinping“ (dt.: Wunderwaffen: Chinas Aktivitäten zur politischen Einflussnahme unter Xi Jinping). Darin erläutert sie, wie Neuseeland vom chinesischen Regime eingenommen wurde.

Viele chinesische Organisationen in Neuseeland werden von Personen geleitet, die „patriotisch zu China“ stehen. Mehrere chinesischsprachige Medien in Neuseeland haben Verträge mit von Beijing unterstützten Staatsmedien unterzeichnet. Einige pensionierte Politiker, die in Neuseeland immer noch Einfluss ausüben, wurden von der KPCh in verschiedenen chinesischen Banken im ganzen Land angestellt. Es hat sich auch gezeigt, dass chinesischstämmige Abgeordnete eng mit chinesischen Vertretern zusammenarbeiten.

Prof. Brady legte im Jahr 2019 vor einem parlamentarischen Sonderausschuss Beweise für die Aktivitäten der KPCh vor. Hierfür wurde sie von den Regierungen Deutschlands, Frankreichs, Litauens und Tschechiens konsultiert. Prof. Brady ist der Meinung, dass die gegenwärtige neuseeländische Regierung ihre Warnungen ernst nimmt und nach Wegen sucht, um der chinesischen Bedrohung entgegenzuwirken. So gab es eine Überprüfung der Gesetzgebung durch die Minister und Investitionen aus Übersee wurden unter strengere Gesetze gestellt.

Die derzeitige neuseeländische Regierung hat begonnen, nach Wegen zu suchen, um der chinesischen Bedrohung zu begegnen. (Bild: iStock)

Chinas Bedrohung am Nordpol

Im Dezember veröffentlichte Prof. Brady einen Artikel mit dem Titel „China as a Rising Polar Power: What it means for Canada“ (dt.: China als aufstrebende Polarmacht: Was es für Kanada bedeutet“. Darin wurde gewarnt, dass Peking sich von einem kleinen Akteur in den Polarregionen zu einem Haupt-Interessensvertreter entwickelt hat. Besonders besorgniserregend seien die militärischen Aktivitäten Pekings in der Region.

„Chinas Pläne für neue Atom-U-Boote und -Eisbrecher sollten Kanada und anderen Beteiligten in der Arktis Grund zur Sorge geben… Wenn chinesische mit Atomwaffen bestückte U-Boote den Arktischen Ozean unentdeckt befahren könnten, würde dies das nukleare Gleichgewicht zwischen China und den Vereinigten Staaten verändern“, sagt sie in der Studie (MLI).

Da Kanada versuchen wird, seine Souveränität in der Arktis zu festigen, wird es zunehmend in Konflikt mit den Chinesen geraten, welche die arktischen Seewege als internationale Meerengen ansehen.

Prof. Dr. Anne-Marie Brady ist unter anderem Spezialistin für chinesische Politik (sowohl Innen- als auch Außenpolitik), Politik in der Polarregion und im Pazifik, sowie neuseeländischer Außenpolitik. Sie spricht flüssig Chinesisch. Sie hat zehn Bücher und mehr als 50 wissenschaftliche Artikel sowie Kommentare für die New York Times, The Guardian, The Australian, Sydney Morning Herald und The Financial Times geschrieben.

Im Jahr 2017 erschien ihr oben genannter Artikel „Magic Weapons: CCP Political Influence Activities Under Xi Jinping“ online. Daraufhin wurde ihr Artikel über 160.000 Mal heruntergeladen und stieß sowohl in Neuseeland selbst, als auch international eine Diskussion über die chinesische Einflussnahme an. Diese führte in Neuseeland zu einer parlamentarischen Untersuchung bezüglich ausländischer Einflussnahme . Um diese Manipulation durch China aufzudecken, zahlte sie einen hohen persönlichen Preis. Prof. Brady wurde Opfer einer Einschüchterungskampagne, bei welcher sie Drohbriefe und anonyme Anrufe mitten in der Nacht erhielt, ihr Auto manipuliert und mehrfach in ihr Haus sowie ihr Büro eingebrochen wurde. 

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