Reisesperre für Touristen nach Tibet angesichts traurigen Jubiläums

visiontimes.net, cs

Verkehr in der Altstadt von Lhasa nach einem Schneefall im Winter mit dem Potala-Palast im Hintergrund in Tibet. (Bild: iStock)

Von Mitte Februar bis Anfang April 2019 wurde von der chinesischen Regierung eine  internationale Reisesperre für Touristen nach Tibet verhängt. Grund dafür war Angst vor Demonstrationen anlässlich des 60. Jahrestages des Volksaufstandes in Tibet. Die Bewegung, die das Exil des 14. Dalai Lamas besiegelte, wurde von der kommunistischen Regierungspartei brutal niedergeschlagen und die Unterdrückung Tibets ist noch heute aufrecht.

Der Tibetaufstand

Nach dem Niedergang der Qing-Dynastie, der letzten Kaiserdynastie 1912 war Tibet bis 1950 als buddhistischer Klosterstaat weitgehend selbstständig. Im Oktober 1950 rückten jedoch Truppen der Volksbefreiungsarmee der kommunistischen Partei Chinas nach Tibet und der Hauptstadt Lhasa vor. Unter Druck und nach erfolglosen Apellen seitens Tibet an die Vereinten Nationen, unterzeichnete eine tibetische Delegation schließlich das Abkommen zur „friedlichen Befreiung“ Tibets.

Während die chinesische Regierung das politische System des Landes zu Beginn relativ unangetastet ließ und die zugesicherte Autonomie Tibets aufrecht erhielt, starteten sie jedoch ab 1955 zunehmend mit Verwaltungsstrukturen und Landreformen. 

Nach kleineren Demonstrationen der tibetischen Bevölkerung gegen die zunehmende chinesische Kontrolle, wurde der damals erst 23-jährige, 14. Dalai Lama zu einer staatlichen Theaterauführung eingeladen. Die chinesische Regierung bestand darauf, dass er ohne Leibwache zu der Aufführung erscheinen sollte.

Am Tag der geplanten Aufführung, dem 10. März 1959, versammelten sich tausende Tibeter in der Hauptstadt Lhasa. Sie befürchteten eine Entführung oder Ermordung ihres geistlichen und staatlichen Oberhaupts durch die chinesischen Machthaber. Wenige Tage später brachen Kämpfe zwischen tibetischen Demonstranten und der chinesischen Volksarmee aus, die als Tibetaufstand bezeichnet wurden.

Über 80.000 Tibeter und 2000 Chinesen kamen innerhalb weniger Tage bei den Ausschreitungen ums Leben. Der 14. Dalai Lama sah sich gezwungen, als Soldat verkleidet in sein bis heute andauerndes Exil nach Indien zu fliehen. Der Großteil der tibetischen Tempel und Klöster wurde im Zuge der Kämpfe und nach dem Sieg der chinesischen Armee mutwillig zerstört und geplündert. Viele tibetische Mönche wurden hingerichtet oder festgenommen. 

Der Dalai Lama wird in China noch heute als „gefährlicher Separatist“ eingestuft. (Bild: iStock)

Abschottung von der Außenwelt

Während die kommunistische Partei Chinas (KPCh) nicht zum ersten Mal um die Gedenktage des Tibetaufstandes Einreiseverbote aussprach, war die Lage 2019 angesichts des 60-jährigen Jubiläums besonders angespannt und das Gebiet vollständig abgeriegelt. „Die kürzlichen Entwicklungen gehören zur umfassenden Politik der chinesischen Regierung, unabhängige Beobachter aus dem Gebiet fernzuhalten und so einen eisernen Griff um die Region zu behalten und gleichzeitig internationale Untersuchungen zu vermeiden.“, äußert sich die Organisation ‚Campaign for Tibet‘ mit Hauptsitz in Washington gegenüber The Japan Times.

In China wird der Dalai Lama immer noch als „gefährlicher Separatist“ angesehen und es wird systematisch versucht, die tibetische Kultur zu untergraben, indem unter anderem Mönche gezwungen werden, die Schriften der kommunistischen Partei zu lernen, in denen der Marxismus hochgepriesen wird und jegliche Spiritualität als „abergläubischer Unsinn“ dargestellt wird.

Im Vorfeld des Jubiläums des Tibetaufstandes wurde Ende Jänner 2019 ein 4-teiliger Bericht über das Parteifernsehen in Tibet ausgesendet, um Parteimitglieder daran zu erinnern der kommunitischen Idelogie zu folgen. „Es ist wichtig, in Tibet eine strenge politische Linie aufrechtzuerhalten. Wir müssen einen „So wie du mir, so ich dir“ Kampf mit dem Dalai Lama und seiner Guppe austragen. Wenn irgendein Parteimitglied der KPCh dazu die falsche Einstellung hat, würde das ein ernstes Problem sein.“ sagt ein Parteisprecher, dessen Name nicht bekannt gemacht wurde, in dem Videobeitrag wie The Economic Timesberichtete.

Zudem sollen kurz darauf im Februar 2019 drei Parteimitglieder der KPCh offiziell ausgeschlossen und weitere verwarnt worden sein, weil bekannt wurde, dass sie privat religiöse Rituale des tibetischen Buddhismus praktiziert haben sollen. 

„Wiedergeburt muss chinesischem Gesetz folgen“

Während es im tibetischen Buddhismus üblich ist, dass sich die hohen Lamas nach dem Tod des Dalai Lama in Tibet auf die Suche nach der Wiedergeburt ihres spirituellen Anführers machen, ist die tibetische Gemeinschaft nicht sicher, wie es in Zukunft weitergehen soll. Der mitlerweile 83-jährige amtierende 14. Dalai Lama sagte laut ABC News: „Es wäre möglich, dass der zukünftige Dalai Lama von außerhalb Tibets komme oder möglicherweise gar nicht gefunden wird.“ 

Dies ist laut chinesischen Gesetzen aber nicht akzeptabel und Padma Choling, der von Peking eingesetzte Vorsitzende des Regionalparlaments von Tibet, sagte bezüglich der Reinkarnation „das hat nicht der Dalai Lama zu entscheiden“. Obwohl die atheistische KPCh offiziel von „abergläubischem Unsinn“ spricht, gibt es die Wiedergeburt betreffend, klar definierte Gesetze und Regulierungen, wie der Abgeordnete des chinesischen Außenministeriums Geng Shuang in einer Stellungnahme ermahnt: „Die Reinkarnation des Dalai Lama gibt es seit mehreren hundert Jahren. Der 14. Dailai Lama selbst wurde so gefunden und durch religöse Rituale und historische Konventionen anerkannt und seine Angelobung wurde von der Regierung genehmigt. Daher müssen die Reinkarnationen von lebenden Buddhas, der Dalai Lama inkludiert, mit den Gesetzten der chineschen Regierung übereinstimmen und den religösen Ritualen und historischen Konventionen folgen.“

Würde entgegen des Willens des Dalai Lamas nach seinem Tod ein Nachfolger von der chinesischen Regierung bestimmt werden, würde dies von den Tibetern wohl kaum anerkannt werden. 

Tibetische Mönche beim lernen der buddhistischen Lehre, die das Thema Wiedergeburt behandelt. Regeln will die chinesische Regierung die Reinkarnation per staatlichem Gesetz. (Bild: iStock)

Der Chef der tibetischen Exilregierung, Lobsang Sangay, kommentiert die Lage 2015 folgendermaßen im Spiegel: „Die Kommunistische Partei in China glaube an Atheismus und daran, dass Religion Gift sei. Jeder Anspruch Pekings, den Nachfolger des Dalai Lama zu benennen, sei lächerlich. Das wäre so, als wenn Fidel Castro sage ‚Ich suche den nächsten Papst aus und alle Katholiken müssen dem folgen.“

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