Verkauft Europa seine kulturelle Freiheit für Wirtschaftsbeziehungen zu China?

visiontimes.net, cs

Haben die Wirtschaftsbeziehungen zu China einen zu hohen Preis? (Bild: iStock)

Die 69. Berlinale (Internationale Filmfestspiele in Berlin) kam dieses Jahr am 17. Februar mit der Verleihung des Hauptpreises an die internationale Koproduktion „Synonymes“ des israelischen Regisseurs Nadav Lapid zu Ende. Im Vorfeld der Verleihung kam es jedoch zu heftigen Diskussionen, als der chinesische Film „Yi miao zhong“ („One Second“) von Zhang Yimou während des laufenden Festivals aus dem Wettbewerb zurückgezogen wurde. Dies passierte laut offiziellen Angaben aus „technischen Gründen“. 

Von den Zeitungen Variety und Hollywood Reporter wurde dies jedoch kritisch hinterfragt und es wurden Vermutungen laut, dass der Film Opfer von Zensur durch China wurde. Der Film „One Second“ spielt in der Zeit der chinesischen Kulturrevolution und zeigt damit eine von Verbrechen durch die kommunistische Partei Chinas erschütterte Epoche des Landes. Damit greift der Filmemacher Zhang Yimou, dessen Filme in China bereits in der Vergangenheit immer wieder mit Aufführungsverboten konfrontiert waren, laut Presse, ein sensibles Tabuthema der kommunistischen Partei Chinas auf. Bis heute nimmt diese nicht offen Stellung dazu. 

Das Theater am Potsdamer Platz in Berlin verwandelt sich jedes Jahr für die Internationalen Filmfestspiele in den Berlinale Palast. (Bild: iStock)

Kurz vor Beginn der Berlinale 2019 wurde mit „Shao nian de ni“ („Better Days“), ein weiterer chinesischer Film zurückgezogen. Für das Melodrama aus Hongkong wurde der Rückzug aus dem Wettbewerb damit begründet, dass der Film nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnte. Die Zeitschrift Variety verweist aber auf Quellen die besagen, dass dieser Film nicht die notwendige Genehmigung der Propaganda-Abteilung der kommunistischen Partei erhalten habe, die offiziell für die gesetzliche Kontrolle der im Ausland gezeigten Filme zuständig ist. 

Dies ist nicht das erste Mal, dass Chinas politische Machthaber Einfluss auf kulturelle Angelegenheiten in Europa nehmen. So wurde in Österreich 2005 der Druck einer Briefmarke verhindert, die den 1959 aus dem von China besetzten Tibet geflohenen Dalai Lama zeigen sollte. „Ein Politiker erklärte mir, Chinas derzeitige Wirtschaftsentwicklung führt dazu, alles zu unterlassen, was die Wirtschaftsbeziehungen gefährden könnte“, so der Menschenrechtsaktivist Heinz Stoff damals.

In Deutschland konnten Briefmarken mit dem Konterfei Dalai Lamas bis zum Jahr 2015 gedruckt werden, was jedoch anschließend durch Verschärfung der internen Regelungen der Deutschen Post geändert wurde und somit nicht mehr möglich war. Die Organisation „International Campaign for Tibet“, die sich für die Rechte von Tibetern einsetzt, vermutet dahinter ebenfalls Einfluss der chinesischen Regierung. 

Anlässlich des 70. Geburtstages des Dalai Lama hätte es 2005 eine ihm gewidmete Briefmarke geben sollen. Hat China interveniert? (Bild: iStock)

Vertreter der Deutschen Post weisen jeglichen Druck von außen zurück und argumentieren in der Zeitung Welt damit, dass „es darum gehe, als international tätiges Unternehmen politische Neutralität zu wahren“.Hierbei soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass China mittlerweile ein wichtiger Markt für die Deutsche Post DHL Group ist.

Über einen weiteren Fall kultureller Zensur durch China auf europäischem Boden berichtete Ende Jänner diesen Jahres The Epoch Times. Der Auftritt von Shen Yun Perfoming Arts, einem Ensemble für klassischen chinesischen Tanz aus New York, das die traditionelle Kultur Chinas vor der Kulturrevolution zeigt, wurde in Madrid kurzfristig abgesagt. Während auch hier der offizielle Grund „technische Schwierigkeiten“ waren, wurden Tonbandbeweise eines Telefongesprächs mit dem chinesischen Botschafter in Spanien veröffentlicht, die den Druck der kommunistischen Partei Chinas zur Absage der Veranstaltung bezeugen. In dem Gespräch fällt unter anderem die Warnung an den Generaldirektor, „dass es sich das Theater nicht leisten kann, den chinesischen Markt dadurch zu verlieren“. 

Es wird vermutet, dass dies mitunter eine Andeutung auf das Abkommen „International League of Theaters of the Silk Road“, eine „Seidenstraße“ die den künstlerischen Austausch fördern soll. Dieses wurde vom Madrider Theater 2016 mit China unterzeichnet. Das Abkommen wurde insgesamt von mehr als 80 Theater in verschiedenen Ländern weltweit unterzeichnet. 

Es scheint, dass gute Wirtschaftsbeziehungen mit China einen hohen Preis haben, der sich unter anderem in der Einschränkung der kulturellen Freiheit widerspiegelt. Der Gewinn scheint den Verlust hier nicht auszugleichen oder wie der Autor Jeffrey Fry es ausdrückt: „Anything that costs you your integrity is too expensive – Wenn dich etwas deine Integrität kostet, ist es zu teuer.” 

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