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Warum Chinas Nachbarländer die Ausbreitung des Coronavirus besser im Griff haben als der Rest der Welt

Last updated on 7. April 2020

Taiwan konnte eine unkontrollierte Ausbreitung des neuartigen Coronavirus, trotz seiner Nähe zu China, verhindern. (Bild: 319287660, Moving Moment – stock.adobe.com)

Taiwan, Hongkong, Vietnam und Singapur: geographisch sind sie der VR China sehr nahe. Doch im Vergleich zu Europa, Amerika und dem Rest der Welt ist die Anzahl der Infektionen sowie der Sterbefälle äußerst gering. Begeben wir uns auf die Suche nach den entscheidenden Faktoren:

Professor Dr. Jhy Why Shieh, Repräsentant von Taiwan in Deutschland gab in einem Interview mit der Epoch Times Deutschland Aufschluss über die Vorgehensweise Taiwans im Kampf mit dem Coronavirus. Er erklärte, dass vor allem der Ausgangspunkt entscheidend war: Taiwan – wie auch die anderen Nachbarländer Chinas – ist ein gebranntes Kind der SARS-Epidemie 2003 und reagierte rasch und entschlossen nach Bekanntwerden der ersten positiven Infektionsfälle. Der wohl entscheidendste Faktor dabei war aber, dass sie mit den Informationen der chinesischen Regierung sehr kritisch umgingen, sich ihr eigenes Bild vor Ort machten, um danach unverzüglich Epidemie-Maßnahmen in Gang zu setzen, die damals entwickelt wurden.

Entschlossene Maßnahmen und strikte Umsetzung durch die Bürger

Im Jänner diesen Jahres, also zu Beginn des Ausbruchs von Covid-19, als Chinas Behörden noch in erster Linie damit beschäftigt waren, die aufkommende Krise zu verschleiern, erfuhr Taiwan über Umwege von ersten Fällen in Wuhan. Als erste Maßnahme begann man damit,  Körpertemperaturmessungen bei Besuchern aus dem chinesischen Festland durchzuführen. Anfang Februar verschärfte Taiwan dann die Grenzkontrollen und verbot die Einreise aller Personen, die sich in den letzten 14 Tagen in China aufhielten. Schlussendlich wurden die Grenzen gegenüber Festland China komplett abgeriegelt. Chan Chang-Chuan, Dekan des College of Public Health der National Taiwan University und Experte für öffentliche Gesundheit, sieht laut Neue Zürcher Zeitung in den verschärften Grenzkontrollen Taiwans die wichtigste und erfolgreichste Maßnahme gegen eine Ausbreitung des Virus.

Ähnlich strikte Maßnahmen wurden auch in Hongkong, Singapur und Vietnam getroffen und rasch umgesetzt. Nicht nur, dass Flüge aus den betroffenen Gebieten Chinas frühzeitig ausgesetzt wurden, man hat auch strenge Quarantäne-Regeln für ankommende Reisende aus Risikogebieten angeordnet.

Penible Nachverfolgung von Verdachtsfällen und deren Kontaktpersonen

In Taiwan geht man seit dem Auftreten der ersten Coronavirus-Infektion im eigenen Land, jedem Verdachtsfall penibel nach. Auf diese Weise werden Infizierte und deren Kontaktpersonen frühzeitig ausfindig gemacht und in Quarantäne geschickt. Außerdem wird auf die Datenbanken der Krankenkassen und Zuwanderungsbehörden zugegriffen, um Menschen in Quarantäne über ihre Mobiltelefone zu lokalisieren und so deren Bewegungen auszuwerten.

Auch in Hongkong gehören Schutzmasken ins normale Alltagsbild. (Bild: 329626845, Moving Moment – stock.adobe.com)

Auch die Regierung in Hongkong hat aus den schweren Schlägen der SARS-Epidemie gelernt und ein weitreichendes Krisenprogramm zur Bekämpfung von derartigen Katastrophen erstellt. Vor 17 Jahren starben 299 Hongkonger am SARS-Virus. Seither ist die Bevölkerung diesem Thema gegenüber sensibilisiert und forderte selbst strenge Maßnahmen. Egal ob in Hongkong oder in Taiwan: an öffentlichen Plätzen ist hier kaum jemand ohne Schutzmasken anzutreffen, auch wenn das öffentliche Leben teilweise schon wieder im Gange ist.

Taiwan: Erfolg trotz Ausschluss aus der WHO

Eigentlich hatte es Taiwan sehr schwierig an Informationen über das neuartige Coronavirus zu gelangen. Druck von Seiten des kommunistischen Regimes in China verhinderte bislang eine Mitgliedschaft des seit dem Jahr 1949 unabhängigen Inselstaates in der WHO. Wie der Deutschlandfunk berichtete, meinte Michael Tsai, der ehemalige Verteidigungsminister Taiwans, dazu: „2003 sind an der SARS-Epidemie über 70 Menschen in Taiwan gestorben. Viele Tausend wurden krank. Die Informationen kamen nicht schnell und direkt von der WHO. Wir mussten die USA fragen, oder Japan, Deutschland und Frankreich. Aber das hat Tage bis Wochen gedauert, bis wir die Informationen hatten.“

China übt nach wie vor starken Druck auf die WHO aus, das demokratische Taiwan komplett auszuschließen. Chinas Außenamtssprecherin, Hua Chunying, meinte dazu vor kurzem: „Die WHO ist eine besondere UN-Organisation von unabhängigen Staaten. Taiwans Teilnahme an internationalen Organisationen wie der WHO, muss sorgfältig durch bilaterale Verhandlungen mit uns arrangiert werden, unter Einhaltung des Ein-China-Prinzips.“

Bis zur Regierungsübernahme der fortschrittlichen und China-distanzierten Partei von Tsai Ing-wen im Jahr 2016, durfte Taiwan zumindest als „ stiller Beobachter“ an der Weltgesundheitskonferenz teilnehmen. Derzeit ist dem Land sogar dies untersagt. „Diese bittere Erfahrung zeigte, dass selbst auf solch eine globale Organisation wie die WHO – die eigentlich, ohne auf den Status der Mitglieder zu achten, gemeinsamen eine Epidemie bekämpfen sollte – kein Verlass ist“, so Prof. Sieh im Interview mit der Epoch-Times. „Das liegt weniger an der WHO oder den Chinesen an sich, sondern an dem chinesischen kommunistischen Regime (…) China hat die WHO gezwungen, bei allen Daten und Statistiken, wo es um die Anzahl der bestätigten Corona-Fälle geht, Taiwan nicht getrennt anzuführen, wie es bei Japan, Korea, Deutschland und anderen Staaten normal ist.“ Tatsächlich werden die Zahlen und Daten von Taiwan und Hongkong einfach in die Zahlen Chinas inkludiert.

Kritischer Umgang mit Zahlen und Informationen der kommunistischen Partei Chinas

Ein entscheidender Punkt, warum in Hongkong, Taiwan, Singapur und Vietnam bislang ein großflächiger Ausbruch des Virus verhindert werden konnte, liegt vor allem darin, dass diese Länder von Anfang an vorsichtig und kritisch mit den Informationen der KP Chinas umgingen.  Gleich zu Beginn des Jahres, machte sich ein taiwanesisches Expertenteam vor Ort ein Bild von den konkreten Fällen. Von chinesischer Seite wurden ihnen gegenüber nur Beschwichtigungsversuche unternommen und die Übertragungsfähigkeit von Covid-19 von Mensch zu Mensch angezweifelt. Das taiwanesische Team schenkte diesen Aussagen jedoch wenig Glauben und drängte nach seiner Rückkehr in Taiwan darauf, den bereits vorbereiteten Maßnahmenplan zur Bekämpfung einer derartigen Epidemie schnell umzusetzen.  Prof. Sieh schlussfolgerte: „Jede Information aus China sollte verifiziert werden“.

Die Welt wird zunehmend skeptisch

Mittlerweile werden in Amerika die ersten Klagen gegen die Kommunistische Partei (KP) Chinas aufgrund ihrer Lügen hinsichtlich Zahlen und Fakten in Bezug auf Infizierte und Todesopfer eingereicht. Auch Politiker wie Boris Johnson, Premierminister Großbritanniens, zeigen sich öffentlich verärgert und empört über die falschen Informationen seitens der Chinesen. Westliche Länder hätten ihre Strategien aufgrund der Zahlen Chinas entwickelt und müssten jetzt mit Menschenleben dafür büßen. Britische Wissenschaftler meinten bereits, dass die Zahl der Infektionen womöglich 15- 40 Mal höher sei, als von China angegeben, so der Business Insider

Und nicht nur mit deren Zahlen und Informationen, sondern auch mit deren „Hilfsleistungen“ sollte kritisch und mit höchster Vorsicht umgegangen werden, dienen sie doch in erster Linie dazu, das durch den Virus angeschlagene Image Chinas schnellst möglich wieder aufzupolieren.

In den Niederlanden zum Beispiel mussten erst kürzlich circa 600.000 Atemschutzmasken aus China wieder aus dem Verkehr gezogen werden, da sie nicht ordnungsgemäß funktionierten. 

Und Spanien sowie Tschechien erhielten Berichten zufolge Corona-Tests, die falsche Ergebnisse lieferten. 

Beziehungen zur kommunistischen Partei Chinas

Einen weiteren Aspekt hat die Epoch Times Deutschland in einem kürzlich auf ihrer Website erschienenen Artikel beleuchtet: Länder, die enge bzw. lukrative Beziehungen zur kommunistischen Partei Chinas pflegen, sind am stärksten vom Virus betroffen, so wie etwa Italien und der Iran. 

Italien steht in enger wirtschaftliche Beziehungen zu China. (Bild: 301325741, Moving Moment – stock.adobe.com)

Aus dem  Artikel geht des Weiteren hervor, dass das chinesische Regime nun versucht, ihren drakonischen Umgang mit der Coronavirus-Epidemie als einen Triumph für das autoritäre System der Partei darzustellen. Dass es der Führung des Landes in erster Linie um Machterhalt und nicht um das Wohl der Bürger geht, hat die Vergangenheit oft genug gezeigt. Angefangen mit politischen Säuberungen während der Kulturrevolution, über die Niederschlagung von Studenten-Protesten am Platz des Himmlischen Friedens 1989, bis hin zu den heute immer noch stattfindenden Verfolgungen politisch Andersdenkender, Christen, Tibeter, Uiguren und Falun Gong-Praktizierender. Seuchen und andere Katastrophen führten in der langen Geschichte Chinas oft zum Untergang kaiserlicher Dynastien. Und auch heute steht China wieder einer großen Katastrophe gegenüber. Enge Beziehungen zum totalitären Regime Chinas könnten auch für andere Länder, Regionen, Organisationen und Menschen eine Gefahr darstellen. Eine kritische Haltung, sowie eine klare Distanzierung zur kommunistischen Partei im Land der Mitte, könnte für Europa und den Rest der Welt also ein wichtiger Schritt im Umgang mit dem Coronavirus und auch für die Zukunft sein.

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