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Warum in China der Kommunismus und der Glaube an das Göttliche nicht gemeinsam existieren können

(Bild: iStock)

Im kommunistischen China gibt es offiziell fünf anerkannte Religionen. Wenn man die Lage der Gläubigen jedoch genauer betrachtet, zeigt sich, dass die Ideologie des Kommunismus den Glauben an das Göttliche mit allen Mitteln unterbinden will. 

Offiziell gibt es in China fünf Religionen, die von der chinesischen Regierung anerkannt werden: Buddhismus, Taoismus, Protestantismus, Katholizismus und den Islam. China ist jedoch ein kommunistisches Land, das eine militant atheistische Ideologie propagiert. 

Viele Geschehnisse in China haben deutlich gemacht, warum der Kommunismus und der Glaube an das Göttliche nicht wirklich nebeneinander existieren können. 

Staatliche Institutionen

Seit der Tang-Dynastie (618 bis 907n.Chr.) ist das Christentum im eigentlich buddhistischen China präsent. Als im Laufe der der Qing-Dynastie viele europäischer Entdecker und Missionare nach China kamen, gewann das Christentum im Reich der Mitte eine große Anhängerschaft. 

Nachdem die Kommunistische Partei 1949 an die Macht kam, wurde das Christentum sowie andere Religionen stark eingeschränkt. Das Christentum wurde in Kampagnen der Partei mit dem westlichen Imperialismus gleichgesetzt und deshalb von vielen Menschen gemieden. 

Derzeit gibt es schätzungsweise 100 Millionen Christen in China, von denen sich die meisten bei den staatlich sanktionierten kirchlichen Organisationen registrieren müssen. Für Protestanten ist es die Patriotische Drei-Selbst-Bewegung, für Katholiken die Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung. Christen, die keiner dieser beiden Kirchen angehören, gelten als gefährlich. Die chinesische Regierung sieht sie als Bedrohung ihrer Macht an. Solche Christen sind gezwungen, in geheimen Kirchen zu beten. Diejenigen, die mutig öffentlich predigen, laufen Gefahr gefangen, gefoltert und gehirngewaschen zu werden. 

Das gleiche gilt auch für andere offiziell anerkannte Religionen. Der Tibetische Buddhismus wurde fast ausgelöscht. Viele Gläubige flohen, um ihrem Glauben treu bleiben zu können, in Länder wie Indien oder die USA. Buddhistische Klöster, in denen sich Mönche kultivieren, sind verpflichtet, sich an die oftmals zum Glauben konträren kommunistischen Lehren zu halten, um offiziell als Mönche betrachtet zu werden. Islamische Minderheiten wie die Uiguren werden gezwungen in Umerziehungslager zu gehen, um dort ihren Glauben aufzugeben. 

Zusammenfassend, egal zu welcher Religion man gehört, solange man nicht Teil der staatlich unterstützten Einrichtung ist, wird man im kommunistischen China als Ketzer betrachtet und ist teilweise schlimmen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, wie der Bericht der IGFM (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte) aus dem Jahr 2019 zeigt. 

Das Eingreifen staatlicher Institutionen als alleinige Autorität der Religion bedeutet im Wesentlichen, dass die Menschen eigentlich keine wirkliche Freiheit haben ihrer religiösen Berufung zu folgen. Sie können nur dem folgen, was die Partei als Religion betrachtet. 

Noch schlimmer wird es, wenn es nun um eine religiöse Überzeugung geht, die vom Staat nicht anerkannt wird, wie beispielsweise Falun Gong. Die Anhänger der spirituellen Medidationspraxis werden seit 20 Jahren verfolgt, gefoltert, inhaftiert und bedrängt ihren Glauben aufzugeben. Als die Praxis 1999 unrechtmäßig verboten wurde, gab es rund 100 Millionen Praktizierende, was Falun-Gong-Praktizierende zur am stärksten verfolgte Gruppe macht. Im Laufe der Verfolgung wurden Praktizierende aus Schulen, Hochschulen, von ihren Arbeitsplätzen oder aus Heimen vertrieben. Den Kindern wurden ihre Erziehungsberechtigten entrissen. Auf Befehl des damaligen Staatschefs Jiang Zemin wurde auch vor Folter nicht Halt gemacht, um die Praktizierenden zu zwingen, eine Garantieerklärung zur Aufgabe ihres Glaubens an Falun Gong zu unterschreiben. Zu den schlimmsten Verbrechen an Glaubensgefangenen zählen die staatlich organisierten Organentnahmen, bei denen Praktizierende für ihre Organe ermordet werden, die gewinnbringend in modernen Transplantationskliniken an oftmals ahnungslose zahlende Kunden verkauft werden.

Abgrenzung und Verfälschung

Die zunehmende Abgrenzung und Verfälschung der Religionen ist ebenfalls ein Problem. Vor kurzem wurde bekannt, dass die chinesische Regierung  Bücher von „fremden“ Religionen, wie der Bibel oder dem Koran nach ihrem Belieben abändere. 

Sobald der Umschreibungsprozess abgeschlossen ist, werden wahrscheinlich nur diese Bücher als offizielle Versionen verwendet. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass die zukünftige Generation chinesischer Christen und Muslime ihren Glauben nur noch mit kommunistischen Werten verzerrt lernen können.

„Kreuze zu demolieren und dafür Nationalflaggen aufzustellen, sind die Praktiken, die an der Oberfläche zu sehen sind. Die Einbeziehung „sozialistischer Werte“ in die Bibel sind heimtückische Tricks, um die Herzen der Gläubigen zu stören. Das ist eine Verzerrung des christlichen Glaubens. Es ist das Werk des Teufels… Die Lage wird immer düsterer; Schritt für Schritt erhöht die Regierung den Druck. Am Ende wollen sie den religiösen Glauben vollständig beseitigen“ sagte ein chinesischer Priester zu Bitter Winter, einem Magazin für Religionsfreiheit.. 

Damit die Menschen ihren Glauben frei praktizieren können, brauchen sie eine  Regierung, die weder den Glauben an das Göttliche noch die Gläubigen als problematisch ansieht. Eine Regierung mit einer Ideologie wie dem Kommunismus, die Religion als eine Art Übel, Aberglauben oder Fehler für den Menschen betrachtet, führt dazu, dass die Religionen und somit auch die geistige Entwicklung des Volkes von dessen Regierung zerstört werden.

Englischer Originalartikel hier.

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