Warum Sie den Apfel samt Kernen und Schale verspeisen sollten

visiontimes.net, rp, ds

Bild: (iStock)

Für den Großteil der Menschen ist es eher ungewöhnlich, das Kerngehäuse eines Apfels mit zu verputzen. Eine neue Studie der TU Graz entdeckte nun, dass es sich bei dem beliebten Obst tatsächlich um eine Bakterienschleuder handelt. Jedoch ist dies kein Grund zur Warnung – ganz im Gegenteil – vor allem unser Darm freut sich über die vorkommende Bakterienvielfalt, die ihn fit gegenüber vielen Krankheiten macht. 

Forscher der Technischen Universität Graz belegten kürzlich, dass ein Apfel, zusätzlich zu den vielen Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen, von 100 Millionen Bakterien besiedelt werde, welche der Gesundheit nützlich sein könnten.

Wenn die Vorzüge des hohen Pektin-Gehalts der Schale dazu gezählt werden, ist klar, warum der Spruch: „An apple a day keeps the doctor away“ (zu Deutsch etwa „ein Apfel am Tag hält den Arzt fern“) weltweite Zustimmung findet. Apfelpektin schützt die Darmwand und bindet Bakteriengifte, die Beschwerden wie Durchfall verursachen.

Die Heimat der Bakterien – der Apfelbutzen

Die Forscher untersuchten anhand des steirischen Arlet-Apfels die verschiedenen Teile der Frucht und unterteilten sie in sechs Mikrohabitate: Stiel, Schale, Kern, Fruchtfleisch, sowie in den unteren und oberen Bereich des Apfels. Die Bakterienpräsenz zeigte sich im Inneren des Apfels, also im Stamm und im Samen, mit etwa 38 Millionen Bakterien am stärksten, gefolgt von Kelch-, Stamm- und Fruchtfleisch, wobei letzteres etwa 20 Millionen Mikroben beherbergt. Die bisherige Vermutung, Samen seien innen steril, sei somit widerlegt. Die ansonsten äußerst wertvolle Schale enthält mit nur 1,6 Millionen die wenigsten Bakterien. 

Das Kerngehäuse zu entfernen ist eigentlich nicht notwendig. Es beherbergt Millionen nützliche Bakterien. (Bild: iStock)

Menschen, die das Apfelgehäuse nicht essen, würden somit zehn Mal weniger Nützlinge aufnehmen als diejenigen, die den Apfel samt Gehäuse und Stängel verzehren – so hieß es in der in „Frontiers in Microbiology“ erschienen Studie. 

Je mehr und vielfältiger unser Darm von Mikroben besiedelt wird, umso besser wirkt sich dies auf unsere Immunabwehr sowie auf viele chronische Krankheiten und Allergien aus.

Bio-Äpfel sind stärker besiedelt

Der Zusammenhang zwischen qualitativen Nährboden und dem Anstieg der Bakteriendiversität war nachweisbar. Die Wissenschaftler der TU Graz verglichen Bio-Äpfel mit konventionellen Früchten. Mit dem Ergebnis, dass das Mikrobiom von Bio-Äpfeln wesentlich ausgeprägter sei.

In den herkömmlichen Apfelproben wurde stattdessen Escherichia-Shigellen, die bekanntlich Durchfall und Darmerkrankungen verursachen können, gefunden. Biologische Äpfel waren davon nicht betroffen. Ganz im Gegenteil: Hier waren zusätzlich Nützlinge, wie probiotische Bakterien, Lactobazillen, vorhanden. Die Forscher vermuten, dass die hohe Bakteriendichte und -vielfalt der Bio-Äpfel krankmachende Mikroben zurückdrängt. 

Keine Angst vor Blausäure

Vielen ist vielleicht noch die Warnung vor der in den Kernen enthaltenen Blausäure im Gedächtnis. Tatsächlich beinhalten diese den Stoff Amygdalin, welcher im Körper zu Blausäure umgewandelt wird. Blausäure hindert Körperzellen daran, Sauerstoff zu verwerten und ist in hohen Dosen giftig, ja sogar tödlich. Jedoch müsste man um diese kritische Menge zu erreichen rund 200 Apfelkerne essen. Außerdem schluckt man diese oft unzerkaut und scheidet sie genauso wieder aus, womit es kaum zu einer Bildung von Blausäure im Körper kommt. 

Umstrittene Krebstherapie 

In der Alternativmedizin wird gerade Amygdalin und das halbsynthetische Laetrile als beliebtes Mittel in der Krebsbehandlung verwendet. Das Essen von Aprikosenkernen wird empfohlen, da diese eine deutlich höhere Menge an Amygdalin enthalten als Apfelkerne. Man ist der Meinung, dass Krebszellen empfindlicher auf die Blausäure reagieren als gesunde Zellen. Die Bezeichnung Vitamin B17 ist in der alternativen Krebstherapie geläufig, wobei dies von Skeptikern kritisiert wird. Amygdalin sei kein offizielles Vitamin und kein für den Körper essentieller Stoff. Die Bezeichnung Vitamin sei also irreführend. 

In den 70er Jahren war ein regelrechter Boom rund um die Krebstherapie mit Amygdalin ausgebrochen. Die Forschungen von Dr. K. Sugiura (vom Krebsforschungszentrum Sloan Kettering Memorial Hospital, New York) entstanden in dieser Zeit und er belegte eine hemmende Wirkung auf Krebszellen durch Laetrile. Nachfolgende Forschungen und Studien konnten dies jedoch nicht mehr bestätigen. Somit gibt es nur Berichte von Einzelfällen, in denen man positive Einflüsse auf die Heilung beobachtete. Ebenso gibt es aber auch dokumentierte Fälle von Vergiftungen durch die orale Einnahme von Amygdalin. 

Das englische Sprichwort tauchte erstmals bereits 1866 in ähnlicher Formulierung auf. Forschungen bestätigen immer mehr die Gültigkeit dieser Aussage. (Bild: iStock)

Rohes Obst bevorzugen

Nichts falsch machen kann man mit einer ausgewogenen Ernährung und dem Verzehr von viel frischem Obst und Gemüse. Hier sind sich alle einig. Die vielen Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine wirken nachweislich positiv auf den Körper und vorbeugend gegen Krebs und andere Krankheiten. Jedoch empfehlen die Forscher der TU Graz insbesondererohe Früchte zu essen, da man durch das Kochen die meisten der nützlichen Keime abtötet.

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