Hobbyimkerin: Wesensgemäße Bienenhaltung, einfach und natürlich

visiontimes.net, Gastbeitrag R. Wang-Moritz

Meine drei Bienenkisten auf der Streuobstwiese am Waldrand. © R.Wang-Moritz

So mancher Naturliebhaber möchte gerne Bienen halten, einfach aus Freude an der Sache und zum Schutz für die Natur. Die Bienenkiste bietet dazu ein großartiges Konzept, mit dem ein Bienenvolk zum einen wesensgemäß leben kann und zum anderen für den verantwortlichen Bienenhalter so wenig Zeit- und Kostenaufwand wie möglich anfällt.

Der Frühsommer hat begonnen und wir sind mitten in der Schwarmzeit gelandet. Der Schwarmtrieb ist der natürliche Fortpflanzungstrieb des „Biens“ – wie der Organismus eines Bienenvolkes genannt wird.

Meine Reise zu den Bienen begann genau auf diese Weise. Im Jahr 2015 war das Thema rund um die Bienen medial stark vertreten und so wuchs in mir der Wunsch die Bienen und die Natur unterstützen zu wollen. Nach dem Entschluss zur Bienenhaltung kam natürlich die Frage hoch, wie ich das nun genau umsetzen sollte. Wenn man sich im Internet über die Bienenhaltung schlau macht oder sich bei einem ortsansässigen Imker informiert, wird einem schnell klar, dass es viele verschiedene Beutensysteme ( Beute = Bienenwohnung) und Methoden der Bienenhaltung gibt. Diese sind aber fast alle auf den Ertrag, also soviel Honig wie möglich produzieren zu können, ausgelegt. Sie erfordern ein hohes Maß an Fachwissen, handwerklichen Geschick sowie Zeit- und Kostenaufwand. Das kam für mich nicht in Frage, auch ging es mir nicht vorrangig um den Honigverkauf. Bei meiner Suche nach dem richtigen Beutensystem bin ich dann auf das Buch „Die Bienenkiste: Selbst Honigbienen halten – einfach und natürlich“ von Erhard Maria Klein gestoßen und habe mich dazu entschlossen, eine Bienenkiste anzuschaffen.

Die Bienenkiste

Die Bienenkiste baut auf dem Grundkonzept des Krainer Bauernstocks auf und wurde von Erhard Maria Klein und Thomas Radetzki vom ökologischen Imkerverband Mellifera e.V. entwickelt und 2009 erstmals vorgestellt.

Die Bienenkiste ist ein mobiler Stabilbau. Die Bienen bauen im Längsbau (Kaltbau) auf Trägerleisten ihre Waben selbst. Es gibt keine Rähmchen. Zugang zum Volk hat man nur vom Boden, dazu muss man die Kiste über Stirn kippen und die Bodenplatte abnehmen. Dann eröffnet sich einem ein wunderbarer Blick auf das gesamte Volk. Man sieht schnell, ob es dem Volk gut geht und ob Brut vorhanden ist. Die einzelnen Trägerleisten können bei Bedarf herausgezogen werden, aber in der Praxis kommt das nur in Notfällen vor. So wird das Kleinklima zwischen den Waben (Wabengassen) nicht gestört, die Integrität des Nestes bleibt gewahrt. Zusätzlich kann man, ohne die Kiste kippen zu müssen, durch Abnehmen des hinteren Deckels den Honigraum des Volkes sehen.

Zwei Drittel der Kiste dienen dem Bien als Brutraum und das letzte Drittel, als Honigraum. Dieser wird normal Anfang April geöffnet und die Bienen lagern ihren Überschuss ein, den man Ende Juli/Anfang August als Jahreshonig erntet. Das kann pro Kiste schon an die 20 kg sein. Zum Vergleich – ein Erwerbsimker kann in einem konventionellen Beutensytstem über 40 kg Honig pro Jahr ernten. Die Ernte des Honigraumes ist auch wichtig, damit man Platz für die anschließende Behandlung mit Ameisensäure gegen die Varroamilbe bekommt.

Die Zufütterung im Winter kann –natürlich nach einer Kontrolle der Bienenkiste auf der Waage– entfallen und die Bienen können so auf ihrem eigenen Honig überwintern. Falls nicht genug eingetragen werden konnte, muss man auffüttern.

Weiters wird bei dieser natürlichen Form der Bienenhaltung mit dem Schwarmtrieb geimkert. Natürlich soll das auch mit Vernunft passieren, und so rät Erhard Maria Klein in seinem Buch nach Abgang des ersten Schwarms alle Weiselzellen (spezielle Zelle, wo die Königin herangezogen wird) bis auf eine herauszubrechen. Alle Weiselzellen auch wirklich zu finden, ist in der Bienenkiste durch den Stabilbau aber nicht so einfach, wie in einem konventionellen Beutensystem, wo auf Rähmchen geimkert wird.

Zusammengefasst was die Bienenkiste den Bienen bietet:

  • Lange Wabenflächen, die frei schwingen können – Bienen können so kommunizieren; In den konventionellen Beutensystemen bauen die Bienen eine fest montierte Wachsplatte, die mit Draht stabilisiert wird, in einem Rahmen aus.
  • Da die Waben nicht einzeln von oben aus der Kiste gezogen werden, wie das bei konventionellen Beutensystem der Fall ist, wird das Brutnest nicht gestört – das hochsensible Kleinklima bleibt so gewahrt.
  • Freier Zugang für die Königin in Brut- und Honigraum; Bei konventionellen Beutensystemen wird oft ein Königinnengitter benutzt um zu verhindern, dass die Königin in den Honigraum kommt und dort Brut anlegt.
  • Der natürliche Schwarmtrieb wird nicht unterbunden; Bei konventionellen Beutensystemen wird ein Schwarmabgang tunlichst verhindert, da es den Bienen Zeit und Kraft kostet und zudem das zurückbleibende Volk viele Flugbienen verliert – es entsteht somit ein Verlust bei der Honigproduktion.
  • Überwintern der Bienen auf eigenem Honig; Bei Erwerbsimkern wird der Großteil des gesammelten Honigs geerntet und die Bienen müssen mit einer Zuckerlösung aus Haushaltszucker aufgefüttert werden, um über den Winter zu kommen.

Einblicke in meine Bienenkisten:

Gelbe Kiste – Einblick von hinten in den Honigraum. Das Volk hat bereits mit dem Wabenbau an den Schiffsrumpfleisten begonnen, kein Fremdwachs ist notwendig. © R.Wang-Moritz
Bunte Kiste – Einblick von hinten in den Honigraum. Dieses Volk ist sehr stark über den Winter gekommen und hat bereits fast den ganzen Honigraum ausgebaut. © R.Wang-Moritz
Bunte Kiste – Einblick in die über Stirn gekippte Bienenkiste mit geöffnetem Boden. Man sieht schön die Unterteilung des Brutraumes, welcher zwei Drittel der Kiste einnimmt und den Honigraum oben. © R.Wang-Moritz

Wie jedes Beutensystem hat auch die Bienenkiste Vor- und Nachteile. Da muss jeder für sich seine Prioritäten und Möglichkeiten herausfinden und abstecken. Die Bienen lehren mich den Respekt vor der Natur und auch voreinander, das wünsche ich mir auch für uns Menschen. Um das Konzept der Bienenkiste und den nötigen Zeitaufwand für die Betreuung übers Jahr kennen zu lernen, empfehle ich das Buch: „Die Bienenkiste – Selbst Honigbienen halten – einfach und natürlich“ von Erhard Maria Klein.

Wer mehr über meine Erfahrungen und die Arbeiten rund ums Jahr wissen möchte, den lade ich auf meine Website http://www.Bienenliebe.net ein.

4 Kommentare

  1. Auch für den Laien, da meine ich natürlich jetzt in erster Linie mich, sehr gut verständlich und so auch für Interessierte und Motivierte „zur Tat zu schreiten“. Auch wenn es für mich selbst, weil ich einfach andere „Schwerpunkte“ in meinem Leben habe, kein Auslöser sein wird, so werde ich jedenfalls jeden Menschen, der die Absicht dazu hat, meine Meinung mitgeben, dass es durchaus machbar ist und ihn vielleicht auch einfach an dich verweisen, liebe Rosi !

    1. Lieber wuff, es freut mich sehr, dass du meinen Artikel gelesen hast und noch mehr freut mich dein Kommentar. Gerne kannst du Interessierte an mich weiterleiten 😉 LG Rosi

  2. Hallo Rosi, mir hat dein Bericht sehr gefallen, sehr informativ und gut zu verstehen.Eine Sache interessiert mich, teilen sich die fleißigen Bienchen den Brutraum und Honigraum selbst ein?, oder gibst du ihnen das vor?
    LG Conny

    1. Liebe Conny!
      Das ergibt sich aus dem Wesen der Bienen, sie legen ihre Honigvorräte nämlich immer -egal worin sie leben- vom Flugloch entfernt ab. Das greift das Konzept der Bienenkiste auf und darum ist der Honigraum auch am hinteren Drittel der Bienenkiste.
      Danke für Dein Interesse!
      LG Rosi

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