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Als Konfuzius seinen Schüler Reis stehlen sah, oder wie man oft nur einen Teil der Wahrheit sehen kann

(Bild: 92207846, Moving Moment – stock.adobe.com)

Nicht immer lässt sich die Wahrheit auf den ersten Blick erkennen und eine Situation dementsprechend beurteilen. Dass die eigenen Wahrnehmungen nicht immer verlässlich sind, erkannte Konfuzius, als er seinen besten Schüler Yan Hui beim Stehlen von Reis beobachtete. 

Yan Hui, auch bekannt als Yan Yuan, war ein chinesischer Philosoph aus dem Staat Lu (521-481 v. Chr.) und der Lieblingsschüler von Konfuzius. 

Yan Hui wurde in einer armen Familie geboren, akzeptierte aber seine Situation. Er war klug, fleißig in seinen Studien und konnte weise Schlussfolgerungen ziehen. Wegen seines guten Charakters wurde er von Konfuzius oft gelobt. Nach seinem Tod wurde Yan Hui als einer der angesehensten Weisen verehrt.

Die Erkenntnisse von Yan Hui

Einmal führte Yan Hui folgendes Gespräch mit Konfuzius: „Ich denke, ein Mensch sollte sich nicht schämen, arm zu sein. Man sollte seinen Platz kennen, unabhängig von seiner Herkunft. Auch wenn man keinen hohen sozialen Status hat, sollte man sich in seiner Person nicht minderwertig fühlen und  sich vor Aristokraten nicht schämen müssen. Man baut sein Ansehen nicht dadurch auf, dass man sich aufspielt, sondern indem man sein ganzes Leben lang Freunde durch Widrigkeiten hindurch unterstützt. Was halten Sie davon, wenn man das oben Gesagte als Maßstab für die Lebensführung nimmt? ”

Konfuzius antwortete: „Das wäre gut. Wenn man ungeachtet seiner armen Verhältnisse zufrieden sein kann, ohne sich vor Aristokraten minderwertig zu fühlen, wird man auch keine anderen Begierden haben. Auch wenn man keine hohe gesellschaftliche Stellung hat, kann man sich, wenn man sich nicht als minderwertig gegenüber den Aristokraten betrachtet, natürlich, demütig und höflich verhalten. Man kann jeden fair behandeln und sich nicht aufspielen, was einem auch größeren Respekt bringen wird. Man isoliert sich nicht von der Gesellschaft, deshalb kann man Freundschaften schließen, Loyalität schätzen und Freunde auch in schwierigen Situationen unterstützen. Man redet nicht zu viel und übertreibt nicht, damit die Dinge gut vereint werden können. Wenn du es schaffst diese Dinge umzusetzen, dann bist du nicht schlechter als die alten Weisen.“

Konfuzius sah im Laufe der Zeit, dass Yan Huis Taten wirklich seinen Worten entsprachen. Er lobte seinen Schüler oft und vertraute ihm sehr.

Der „gestohlene“ Reis

Einmal war Konfuzius im Nirgendwo zwischen dem Staat Chen und Tsai gefangen und hatte keine Nahrung. Er aß sieben Tage lang nichts und war erschöpft. Yan Hui schaffte es jedoch, etwas Reis zu finden und begann diesen für seinen Meister zuzubereiten.

Als der Reis fast fertig zubereitet war, beobachtete Konfuzius, wie Yan Hui etwas von dem Reis aus dem Topf nahm und es aß. Dieses Verhalten war jedoch entgegen der Erkenntnis von Yan Hui, dass man seinen  „Platz kennen und akzeptieren sollte“, stattdessen nahm er heimlich Essen, das für seinen Lehrer gedacht war.

Als der Reis fertig war, lud Yan Hui Konfuzius höflich ein, den Reis zu essen. Konfuzius tat so, als hätte er nicht gesehen, was geschehen war, stand auf und sagte: „Ich habe nur von den Vorfahren geträumt. Da der Reis sauber aussieht, möchte ich ihn den Ahnen opfern und ihn später essen“. In der chinesischen Kultur ist es jedoch verboten, Nahrung als Opfer darzubringen, von welcher schon gegessen wurde. Dies galt als große Respektlosigkeit gegenüber den Ahnen. Damit wollte Konfuzius scheinbar testen, ob sein Schüler seinen Fehler vertuschen würde. 

Yan Hui antwortete jedoch ohne zu zögern: „Bitte nicht. Etwas Kohleasche ist in den Topf gefallen und verschmutzte euren Reis. Es wäre Verschwendung gewesen, wenn ich den verunreinigten Teil weggeworfen hätte, also aß ich ihn.“

Konfuzius seufzte daraufhin und lehrte später allen seinen Schülern folgendes: „Die Menschen vertrauen dem, was sie sehen. Aber selbst das, was die Augen tatsächlich sehen, ist nicht unbedingt die Wahrheit. Die Menschen vertrauen mit dem Herzen, aber selbst das Herz ist manchmal nicht zuverlässig. Sie sollten daran denken, dass es nie leicht ist, einen Menschen wirklich zu verstehen!“

Der Vorfall hätte Konfuzius beinahe dazu gebracht, seinen Lieblingsschüler misszuverstehen und zu verurteilen. Danach verstand er, dass man nicht unbedingt immer die Wahrheit sieht und dass „Sehen nicht unbedingt gleich Glauben“ bedeutet. 

Das Gesamtbild zu erkennen versuchen

Selbst er als Weiser hätte beinahe seinen vertrautesten Schüler falsch eingeschätzten und an der Aufrichtigkeit seiner Worte gezweifelt. Glücklicherweise konnte in diesem Fall das Missverständnis sofort aufgelöst werden. In den zwischenmenschlichen Konflikten und Missverständnissen des Alltags ist dies jedoch nicht immer so leicht. 

Um diese Angelegenheiten gut zu machen ist es wichtig, Situationen nicht lediglich von der Oberfläche und den eigenen Gedanken heraus zu beurteilen, sondern aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, und dabei die Sicht des Gegenübers nicht zu vergessen. Nur so kann  das Gesamtbild verstanden werden. 

Wenn man die Dinge nur aus einer einzigen Perspektive sieht, kann  es zu Verzerrungen führen. Es gibt zahlreiche Menschen, die Dinge eigentlich missverstehen, obwohl sie behaupten, sie gesehen zu haben. Jedoch lassen sich die wahren Umstände meist nicht auf den ersten Blick erkennen.

Ein bekanntes Zitat von Konfuzius zu dieser Erkenntnis lautet:

„Die Vorbedingung für alles wirkliche Wissen ist ein präzises Unterscheidungsvermögen für die Grenze zwischen dem, was man wirklich weiß, und dem, was man bloß meint.“

-Konfuzius

Bearbeitete Übersetzung der auf der englischen Vision Times erschienenen Geschichte.

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