Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Der Phönix – Symbolik im traditionellen China und im Westen

(Bild: iStock)

Der Phönix ist einer der mystischsten aller Vögel. Er wurde in mehreren Kulturen verehrt und in Geschichten verewigt, wie beispielsweise im alten Ägypten, Griechenland, China bis in die arabische Welt hinein.

Aus den meisten Geschichten um den Phönix geht hervor, dass dieser für moralische Prinzipien wie Tugendhaftigkeit und Weisheit steht. Aber auch die symbolhafte Darstellung für die Verbindung zum Göttlichen und Anmutigen wird mehrmals erwähnt.

Der Phönix im Osten

In der traditionellen chinesischen Kultur hat der Phönix, welcher als feng huang bezeichnet wird, magische Fähigkeiten. Einer seiner Talente ist, den Charakter von Menschen zu beurteilen und die Rechtschaffenen zu segnen. Übrigens ist er auch das Symbol für die Kaiserin Chinas, als Gegenstück zum Drachen des Kaisers.

„In den frühesten Zeiten bezog sich feng huang nicht auf einen Vogel, sondern auf zwei. Feng war ein männlicher Vogel, während huang ein weiblicher war. Zusammengenommen waren sie sowohl eine Metapher für das Yin-Yang-Symbol, als auch ein Sinnbild für die ehrwürdige Beziehung zwischen Mann und Frau. Später wurden feng und huang zu einem einzigen weiblichen Vogel kombiniert und oft mit einem männlichen Drachen verkoppelt. Das ist der chinesische Phönix, wie er heutzutage meist verstanden wird und der Generationen von Chinesen inspiriert hat – insbesondere Frauen“, so auf Shen Yun Performing Arts zu lesen.

Der weibliche Feng huang wird oft mit dem männlichen Drachen gemeinsam dargestellt. (Bild: iStock)

Die Schöpfungsgeschichte der Welt

In der chinesischen Kosmologie hat feng huang eine Schlüsselrolle bei der Erschaffung der Welt übernommen. Darüber hinaus ist er ein Glückssymbol und steht für die Barmherzigkeit, das Element Feuer, den Sommer und den Süden.

Der Überlieferung zufolge gab es, vor jeglicher Existenz, ein zottelig, gehörntes Wesen namens Pan Gu. Er war ein Riesen-Gott, der aus einem riesigen „Ei“ des Chaos entsprungen war, in dem er 18.000 Jahre geschlafen hatte.

Gemeinsam mit seinen fantastischen vier Begleitern bildete Pan Gu die fünf Elemente (Metall, Holz, Wasser, Feuer und Erde), die Himmelsrichtungen (Norden, Süden, Osten, Westen und die Mitte) und die Jahreszeiten (Frühling, Herbst, Winter, Sommer und Spätsommer) heraus. Zu seinem Gefolge zählte der Drache, qilin (eine Kreatur mit Hörnern und Hufen, das auch das “chinesische Einhorn” genannt wird), die Schildkröte und feng huang. Jedes der Wesen übernahm für ein Fünftel der erschaffenen Dinge die Verantwortung.

Göttlicher Symbolträger

Feng huang symbolisiert Gnade und Tugendhaftigkeit. Ein chinesischer Text aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., der als „Klassiker der Berge und Meere“ bezeichnet wird, beschreibt den Phönix in einer weiteren Weise. Der Kopf des feng huang stehe demnach für Tugend, der Rücken für Anstand, die Flügel für Pflicht, die Brust für Gnade und der Bauch für Glaubwürdigkeit.

Glücksbringer

Der Phönix gilt als Glücks- und Segensbringer, daher wird seine Statue bei Festen, wie Hochzeiten, aufgestellt. Der Phönix steht auch für den Neuanfang. Der mystische Vogel soll nämlich zu rauen Zeiten untertauchen und erst wiederkommen, wenn eine neue, blühende Ära beginnt.

Feng Shui

Im Feng Shui dient der Phönix ebenfalls als Glückssymbol. Bei richtiger Anwendung soll das Wesen Glück verheißendes Qi in das Leben und das Zuhause bringen. Im Feng Shui der Landschaft wird der Phönix durch den Vorgarten eines Hauses dargestellt. Wird ein Stein oder eine kleine erhöhte Fläche im Vorgarten platziert, symbolisiert diese feng huang und wird in das Zuhause Glück bringen. Werden eine Phönix- und eine Drachenstatue in die südwestliche Ecke des Schlafzimmers gestellt, fördere dies ein glückliches Eheleben.

Der Phönix im Westen

Im Westen steht der Phönix für Erneuerung und neue Chancen. Diese Bedeutung erhielt das Fabelwesen durch folgende Erzählung aus der griechischen Antike.

Der griechische Historiker Herodot (484 bis 425 v. Chr.) beschrieb einst ein mystisches Wesen, welches nach mehreren Hundert Jahren in Flammen aufgeht.

Der Phönix der griechischen Mythologie symbolisiert Schöpfung und Zerstörung, Schönheit und Tod. Er wird als ein himmlisches Geschöpf mit rot-goldenem Gefieder dargestellt. Der sein Lebensende in Heliopolis erreicht hat, wenn er dem Leben überdrüssig ist. Dies wäre nach 1000 Jahren der Fall. 

Bevor der Phönix durch einen Sonnenfunken zu Asche verbrennt, erbaut er sich ein duftendes Nest, wofür er in Arabien Gewürze sammelt. Die letzte Ruhestätte wird aus Gewürznelken, Kräutern (meistens Zimt) und Zweigen erbaut. Dann beginnt er im Morgengrauen eine Melodie zu singen, die einen an das Göttliche erinnern lässt. 

Während das majestätische Tier sein Abschiedslied singt, fällt ein Funke vom Himmel in das Nest, der ein Feuer auslöst, welches das Tier zu Asche verbrennt. Doch nicht alles verbrennt, ein kleiner Wurm bleibt übrig. 

Eine dem Phönix gleichende Wolkenformation. (Bild: iStock)

Vielen Mythologien ist zu entnehmen, dass himmlische Geschöpfe nicht sterben können. Diese würden dem Kreislauf der Reinkarnation unterliegen. Demnach entspringt der Asche, nach exakt drei Tagen, (angeblich aus dem Wurm) ein neuer Phönix. Dieser macht  sich, bepackt mit einer Myrrhe-Kugel, in welcher die Asche seines Vorgängers ruht, auf ins Paradies. Dort tritt er seinen nächsten tausendjährigen Lebenszyklus an. 

Ägypten:

Im alten Ägypten wiederum war der Phönix als ein Reiher namens Bennu bekannt. Der Bennu lebte auf Ben-Ben-Steinen (pyramidenförmige göttliche Steine) oder Obelisken (hohe Steine mit einer pyramidenförmigen Spitze) und wurde neben Osiris (Gebieter der Unterwelt) und Ra (Sonnengott) verehrt. Bennu wurde als ein Avatar des Osiris, einem lebenden Symbol der Gottheit, angesehen. Auf alten Amuletten wurde er als Sonnenvogel dargestellt.

Der Phönix symbolisiert in Ägypten die Wiedergeburt und Unsterblichkeit. Er wurde auch mit der Zeit der Nilüberschwemmung in Verbindung gebracht, die neuen Reichtum und Fruchtbarkeit brachte.

Russland:

Russische Märchen erzählen von einem goldenen Feuervogel, dessen Äußeres so begehrenswert sei, dass es die Gier der Menschen wecke. Der Held der Geschichte wird als loyal, ehrlich, gerecht und bescheiden skizziert, den entweder ein Wolf oder ein Pferd mit magischen Fähigkeiten begleitet. 

In einer Version sah der Held eine goldene Feder auf dem Boden liegen und brachte sie zum König – trotz der Warnungen seines weisen Pferdes, die Feder würde ihm Unglück bringen. Der König wurde von der Gier übermannt und verlangte vom Helden drei nahezu unmögliche Taten, bei denen er auf den Rat des Pferdes angewiesen war. Der Held musste den Feuervogel selbst fangen, eine Prinzessin als Braut für den König entführen und das Hochzeitsgewand aus der Tiefe eines Sees holen. Am Ende der drei Aufgaben verlangte die Braut, dass derjenige, der sie dem König gebracht hatte, in einen Kessel kochenden Wassers geschmissen werde. 

Der Held bat darum, seinem Pferd noch ein letztes Mal danken zu dürfen. Das Pferd verzauberte den Helden, damit ihm das heiße Wasser nichts anhaben konnte. Das führte jedoch zu dem Mißverständnis, dass der König dachte, das Wasser täte dem Helden gut und wollte dasselbe für sich selbst. Der König stieg also in den heißen Kessel und so kam das Unglück über ihn, das er durch die Missetat an dem goldenen Feuervogel über sich gebracht hatte.

Persien: 

Simurgh heißt das Wesen, welches in der iranischen Mythologie dem Phönix ähnelt. Er ist ein riesiger Vogel, welcher heilende Kräfte hat. Er wird in Persien als Symbol für Medizin verwendet, ähnlich wie im Westen die zwei Schlangen um den Stab des Äskulap.

Simurgh wird als ein Pfau mit dem Kopf eines Hundes und den Krallen eines Löwen beschrieben, der mit Vollkommenheit von Gott gesegnet wurde. Geschichten erzählen, er sei so groß, dass er einen Elefanten oder einen Wal tragen könne. Die Weisheit des Geschöpfs wird bewundert und man erzählt sich, es habe schon den Untergang von drei Welten überstanden. Darüber hinaus habe der persische Phönix göttliche Fähigkeiten, ein magisches Federkleid und sei den Menschen moralisch überlegen.

Der Simurgh geht ebenfalls in Flammen auf und zerfällt zu Asche. Die Lebenszeit beträgt 1700 Jahre. Simurgh ist in der persischen Mythologie weiblich, mit der Funktion einer Heilerin, Führerin und Beschützerin.

Verführungen erkennen – richtig entscheiden

Geschichten sind wie Fenster oder Spiegel der Moral und Traditionen der Gesellschaft. Sie können als Analyseinstrument dienen, wenn es um die Herausforderungen in der Welt geht. Sie verdeutlichen, wie die Menschen gern sein möchten, wie sie ihre Umwelt gern haben würden und wie sie gern leben wollen.  

Um Texte alter Zeiten zu verstehen, ist es notwendig, sich mit dem Werte-Konstrukt dieser Zeit auseinanderzusetzen. Welche Ideologien verfolgten die Menschen und welchen Herausforderungen mussten sich diese im Alltag stellen? Doch eines scheint in allen Zeitaltern sehr ähnlich zu sein. Der Mensch wird durch Verführungen aufgefordert, zwischen Recht und Unrecht, sowie zwischen dem Göttlichen und Boshaften zu unterscheiden.

Quellen:

https://www.visiontimes.com/2020/03/16/traditional-chinese-culture-symbolism-the-phoenix.html

https://fis-iran.org/en/programs/noruzlectures/simorgh-hakkak

https://www.ancient-origins.net/history/simurgh-mysterious-giant-healing-bird-iranian-mythology-0010030

https://mythology.net/mythical-creatures/phoenix/

http://maerchenbasar.de/klassische-maerchen/osteuropa/russland/3849-wasilisa-und-der-feuervogel.html

http://www.maerchenatlas.de/aus-aller-welt/russische-marchen/iwan-zarewitsch-der-feuervogel-und-der-graue-wolf/

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code