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Die Kunst des Sprechens

(Bild: iStock)

Es gibt ein altes chinesisches Sprichwort: „Krankheit dringt durch den Mund ein, Unglück kommt aus ihm heraus.“ Das chinesische Sprichwort vermittelte die Kunst des Sprechens – nur bedeutsame Worte zu sprechen.

Zeng Guofan war ein chinesischer Staatsmann, Militärgeneral und konfuzianischer Gelehrter der späten Qing-Dynastie. Er sagte einmal, nachdem er versehentlich jemanden mit seinen Worten beleidigt hatte: „Du sollst nicht handeln, wie es dir beliebt, du sollst nicht sprechen, wie du willst“.

Am Geburtstag von Zeng Guofans Vater kam Zheng Xiaoshan, ein alter Freund und ein Kollege von Zeng am Kaiserhof, um dem alten Zeng zu gratulieren. Zu diesem Zeitpunkt war Zeng Guofan gerade Mitglied der Hanlin-Akademie geworden, einer angesehenen Akademie, die sich auf eine Elitegruppe von Wissenschaftlern beschränkte, die Sekretariats- und Literaturaufgaben für den kaiserlichen Hof wahrnahmen. Zeng war so stolz auf sich selbst, dass er sich vor Zheng Xiaoshan wiederholt mit seiner Leistung brüstete. Zheng fand das so ärgerlich, dass er im Zorn ging. Nach diesem Vorfall dachte Zeng Guofan über seinen Fehler nach und bedauerte sein Handeln.

Nach diesem Vorfall begann Zheng Xiaoshan ernsthaft darüber nachzudenken, was man sagen sollte und was nicht. Schließlich hielt er seine Erkenntnisse schriftlich fest. Auch heute sind Zeng Guofans Worte und Taten inspirierend, die in seinen „Sechs Regeln zur Kunst des Sprechens“ zusammengefasst sind:

1. Sprechen Sie nicht unverblümt

Sprechen ist eine Kunst. Menschen haben Selbstwertgefühl und Stolz; wenn sie unverblümt miteinander sprechen, ohne sich um die Gefühle anderer zu kümmern, kann das leicht zu Verlegenheit und Wut führen. Zeng Guofan warnte seinen Sohn: „Seit der Antike gibt es zwei Hauptgründe für das Scheitern, der eine ist die Arroganz, der andere ist übertrieben geschwätzig zu sein.“

Ob man grob oder behutsam spricht, kann sich unterschiedlich auswirken. Der Schlüssel zur Kommunikation mit anderen ist es, zu schaffen, dass sie einem gerne zuhören. Wenn der Ton des Sprechens beleidigend ist, egal wie aufrichtig und wertvoll die Worte sind, werden sie dennoch wertlos, wenn niemand bereit ist, zuzuhören. Höfliche und taktvolle Äußerungen verdienen den Respekt der Menschen, lassen Raum für Gedanken und stabilisieren die Gefühle, was weitere Dialoge erleichtert.

2. Kein Klatsch

Authentische Personen haben es nicht nötig Klatsch zu verbreiten. (Bild: iStock)

Klatschtanten sind nervig, vor allem diejenigen, die hinter dem Rücken eines anderen tratschen. Zeng Guofan schrieb in seinem Buch: „Unsinnige Menschen reden oft Unsinn.“ Menschen, die oft klatschen und aus einer kleinen Sache eine große Sache machen, sind nicht authentisch. Klatsch und Tratsch werden letztendlich von der Person gehört, über die schlecht geredet wurde. Eine kluge Person wird ihre Zeit und Energie nicht mit Klatsch verschwenden, sondern sich die Zeit nehmen, um sich selbst weiter zu entwickeln und seine Tugend zu verbessern.

3. Beschweren Sie sich nicht

Im Leben treffen wir oft auf Menschen, die sich gerne beschweren. Sie beschweren sich über sich selbst oder andere. In der Tat ist sich zu beklagen nutzlos und wenig hilfreich für die Lösung von Problemen. Niemand will sich ständig Beschwerden anhören, und Sie selbst auch nicht. Klagen dämpft die Stimmung und erzeugt ein negatives Energiefeld. Klug ist es hingegen, sich zu beruhigen, darüber nachzudenken, was schief gelaufen ist, nach einer Lösung für das Problem zu suchen und eine Gelegenheit zu finden, sich das nächste Mal zu verbessern.

4. Erzählen Sie keine Lügen

Man muss nicht nur in Worten, sondern auch in Taten ehrlich sein. Lügen Sie nicht, wenn Sie etwas nicht verstehen oder nicht wissen. Bereits erzählte Lügen kann man nicht mehr zurücknehmen. „Der Redner ist unvorsichtig, der Zuhörer ist aufmerksam.“ Dieses alte Sprichwort sagt uns, dass andere Ihren Charakter in Zweifel ziehen, wenn sie von Ihnen belogen werden. Das bringt einen schlechten Ruf. Wenn man klar spricht, ohne falsche Aussagen zu machen, vermittelt man den Eindruck von Verlässlichkeit und emotionaler Intelligenz.

5. Sprechen Sie nicht arrogant

Im Umgang mit Menschen sollten Sie mit Bescheidenheit handeln und nicht mit Arroganz und Stolz sprechen. Das verärgert die Zuhörer. Sie sollten auch keine Versprechungen machen, die Sie nicht halten können, da Sie sonst die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen anderer verlieren.

6. Fluchen Sie nicht

Zeng Guofan ermahnte seine Kinder in seinen Briefen an sie oft, mit Freundlichkeit zu handeln und mit Respekt zu sprechen. Mit Bedacht und Rücksicht auf andere zu sprechen sind Zeichen der Toleranz gegenüber anderen und sich selbst. Vermeiden Sie verletzende Worte und lernen Sie, von Flüchen abzusehen. Verletzende Worte sind nicht weniger mächtig als eine mentale Atombombe. Bevor Sie sprechen, denken Sie darüber nach, was Sie zu sagen gedenken, um schädliche Worte, schon bevor sie ausgesprochen sind, zu eliminieren.

Jedes Wort, das Sie sagen, zeigt das Niveau Ihres Charakters. (Bild: iStock)

Seine Sprache reflektieren

Zeng Guofan hinterließ in seinem Werk die „Kunst des Sprechens“ bedeutsame Erkenntnisse. Es ist wert zu prüfen, ob die oben genannten sechs Punkte bedacht werden, bevor man etwas sagt. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit zu überlegen, ob die Gefühle anderer berücksichtigt werden und ob die Worte dem Anlass angemessen sind. Jedes Wort, das Sie sagen, zeigt das Niveau Ihres Charakters.

Ein Zitat aus dem Talmud, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums, geht sogar noch einen Schritt weiter zurück zum Ursprung unserer Worte und zeigt zudem wohin sie führen: 

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. 

Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. 

Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. 

Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. 

Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Talmud

Englischer Originaltext hier.

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