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Eine tiefgreifende Lektion: Das Damoklesschwert

Das Schwert des Damokles 1812, Richard Westall

Es war der große römische Philosoph Cicero, der die Parabel hinter dem Damoklesschwert in seinem philosophischen Werk „Tusculan Disputations“ (deutsch: Gespräche in Tusculum) populär machte. Die Geschichte hat ihren Ursprung im Palast des Dionysios, dem tyrannischen König, der zwischen dem vierten und fünften Jahrhundert v. Chr. über Syrakus herrschte. Dionysios verfügte über beispiellose Macht und Reichtum. Ein kaltblütiger Tyrann zu sein hat jedoch seinen Preis.

Eine zeitlose Fabel

In Buch V beschreibt Cicero ausführlich, was für ein unglücklicher Mensch Dionysios war. Man sagte ihm nach, er sei gemäßigt in seiner Lebensweise, wachsam und fleißig im Geschäft gewesen, jedoch bösartig und ungerecht gegenüber seinen Untertanen und seiner Familie.

Dionysios hatte sich im Laufe seiner Eroberungen viele Feinde gemacht. Angst vor dem Tod wurde sein ständiger Begleiter, da ihm jederzeit die Gefahr eines Attentats drohte. Im Laufe der Zeit wurde er so paranoid, dass er mitten in einem Wassergraben schlief und sich von niemandem, außer seinen Töchtern, den Bart abrasieren ließ.

Eines Tages betrat ein Hofnarr namens Damokles den Palast des Königs. Er begann den König mit Komplimenten zu überschütten und äußerte sich dazu, wie glücklich der König doch sei, ein so reiches Leben in einem fantastischen Palast zu führen, der mit allen Freuden der Welt gefüllt sei. Er meinte zu dem König, dass er sich wünschte, wenigstens einen Teil dieser Freuden, zumindest einmal in seinem Leben erleben zu dürfen.

Der König war von dieser Aussage überrascht und gleichzeitig etwas irritiert. So beschloss er, Damokles eine Lektion zu erteilen. Dionysios schlug vor, Damokles eine Kostprobe dieses königlichen und glückseligen Lebens zu geben. Er würde für einen Tag Zugang zu allem haben, was der König besaß.

Damokles konnte seine Freude darüber zunächst kaum zügeln. Er wurde in die königlichen Gemächer gebracht, um einen Vorgeschmack auf das königliche Leben zu bekommen. Er durfte sich auf eine goldene Couch legen, mit einem Dutzend Dienern um ihn herum, die auf seine Anweisungen warteten. Er wurde mit den wertvollsten Fleischstücken verwöhnt, in feinste Seide und Leinen gekleidet und mit den seltensten Düften parfümiert.

Als Damokles seinem neu gefundenem königlichen Glück an der Tafel mit dem besten Essen frönte, bemerkte er irgendwann zufällig ein äußerst großes, glitzerndes Schwert, das von der Decke des Palastes direkt über seinem Kopf hing, zierlich gesichert einzig durch eine Rosshaarsträhne. Der Anblick des Schwertes, das jederzeit auf ihn herabzustoßen konnte und ihn töten könnte, dämpfte die Stimmung von Damokles völlig. Er erkannte seine Torheit und die Botschaft, die der König ihm vermitteln wollte. Er bat sofort darum, vom Palastgelände entschuldigt zu werden, und trat dem König nie wieder gegenüber.

Kein Glück unter ständiger Angst

Für Cicero repräsentierte die Geschichte von Dionysios und Damokles die Vorstellung, dass Machthaber immer unter einer gewissen Angst des Todes arbeiten und dass es kein vollständiges Glück für jemanden geben kann, der unter ständigen Befürchtungen und Ängsten steht, so history.com. Das Gleichnis, so einfach es auch scheint, hat auch für die heutige Zeit nichts an Aktualität verloren. Wir betrachten Menschen oft aus einer sehr engen Perspektive und konzentrieren uns auf das Offensichtliche. Das Gesamtbild kann jedoch viel mehr Faktoren beinhalten, die manchmal im Gegensatz zum Offensichtlichen stehen. 

Das gesamte Puzzle sehen

Dies gilt insbesondere im Fall von Machthabern, reichen Geschäftsleuten, Schauspielern und sogar berühmten Künstlern, die großen Einfluss, Reichtum und Ruhm genießen. Wir sehen nur einen Ausschnitt ihrer Welt und entwerfen ein Bild von ihnen in unseren Köpfen: glückliche Individuen, die alles haben, was sie sich wünschen. Was wir nicht sehen, ist was sie hergeben mussten, um ihre Position zu erreichen, und die Pflichten und Schattenseiten, die mit einer Position in der Öffentlichkeit unweigerlich einhergehen.

In einer Welt, in der eine  Person oft schon wegen der Anzahl ihrer Instagram-Follower beneidet wird, ist die Parabel des Damoklesschwertes nach wie vor von zentraler Bedeutung und eine gute Erinnerung, mehr auf das ganze Puzzle zu schauen und die Situation in ihrer Gesamtheit zu betrachten, anstatt einzelne Aspekte davon zu verherrlichen.

Dieser Artikel erschien zuerst in englischer Sprache auf visiontimes.com.

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