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GEDICHT: „Das Göttliche“ –Johann Wolfgang von Goethe

Last updated on 13. September 2020

(Bild: iStock, 508523148/S_Hoss)

„Das Göttliche“ ist eine Hymne (Lobgesang) aus der Weimarer Klassik von Johann Wolfgang von Goethe und wurde 1785 veröffentlicht. 

Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.08.1749 in Frankfurt geboren. Der bedeutendste deutsche Dichter hatte viele Interessen und Begabungen, wie etwa Politik, Physik, Botanik und Anatomie. Am berühmtesten ist er aber für seine Dichtkunst und seine Werke zählen zu den wichtigsten der Weltliteratur. Er gilt als zentraler Vertreter der Weimarer Klassik. Die Literaturepoche der Klassik wird von 1786 bis 1832 datiert und ihre wichtigsten inhaltlichen Merkmale, orientiert an antiken Kunstidealen, sind Harmonie, Selbstbestimmung, Menschlichkeit, Toleranz und Schönheit. Nur das Schöne gilt als wahr und der Mensch versucht das Beste aus sich zu machen, indem er durch Selbstbildung zum edlen Menschen wird.  

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) (Bild: iStock, 465114667/GeorgiosArt)

Diesem Ziel ist auch Goethes Ode „Das Göttliche“ gewidmet, die er im Jahre 1783 in Weimar schrieb, erkennbar bereits an den ersten zwei Versen „Edel sei der Mensch, Hilfreich und gut!“ 

In zehn Strophen zu 5-7 Verszeilen stellt Goethe den Menschen allen anderen Lebewesen und der Natur gegenüber und erkennt die spezielle Beziehung dessen mit den „Höheren Wesen“. Nur der Mensch ist in der Lage sich ihnen anzugleichen. Dabei sieht Goethe ihn keinesfalls als gottesgleich, jedoch einzig mit der Veranlagung nach moralischen, göttlichen und humanitären Idealen zu streben, was er auch nutzen solle. Dabei ist der Mensch selbstbestimmt und eigenverantwortlich, sowie fähig – durch sein Erkenntnisvermögen und den freien Willen – Unmoralisches zu unterdrücken und Tugendvolles zu entwickeln. Ebenso trägt er besondere Verantwortung in seiner Richterfunktion zwischen Gut und Böse, das er allein erkennen vermag. 

„Das Göttliche“ ist das vierte und letzte Gedicht in einer Reihe thematisch verwandter lyrischer Werke – Prometheus; Ganymed; Grenzen der Menschheit; Das Göttliche.  

Das Göttliche

Edel sei der Mensch,
Hilfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.

Heil den unbekannten
Höhern Wesen,
Die wir ahnen!
Ihnen gleiche der Mensch!
Sein Beispiel lehr uns
Jene glauben.

Denn unfühlend
Ist die Natur:
Es leuchtet die Sonne
Über Bös und Gute,
Und dem Verbrecher
Glänzen wie dem Besten
Der Mond und die Sterne.

Wind und Ströme,
Donner und Hagel
Rauschen ihren Weg
Und ergreifen
Vorüber eilend
Einen um den andern.

Auch so das Glück
Tappt unter die Menge,
Faßt bald des Knaben
Lockige Unschuld,
Bald auch den kahlen
Schuldigen Scheitel.

Nach ewigen, ehrnen,
Großen Gesetzen
Müssen wir alle
Unsreres Daseins
Kreise vollenden.

Nur allein der Mensch
Vermag das Unmögliche:
Er unterscheidet,
Wählet und richtet;
Er kann dem Augenblick
Dauer verleihen.

Er allein darf
Den Guten lohnen,
Den Bösen strafen,
Heilen und retten,
Alles Irrende, Schweifende
Nützlich verbinden.

Und wir verehren
Die Unsterblichen,
Als wären sie Menschen,
Täten im großen,
Was der Beste im kleinen
Tut oder möchte.

Der edle Mensch
Sei hilfreich und gut!
Unermüdet schaff er
Das Nützliche, Rechte,
Sei uns ein Vorbild
Jener geahneten Wesen!

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

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