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Klarheit: Wie man schlechte Entscheidungen auf Grundlage falscher Ideale vermeidet

(Bild: 74049251, Moving Moment – stock.adobe.com)

Das menschliche Gehirn ist so verdrahtet, dass es auf eine ganz bestimmte Art und Weise arbeitet. Wenn es um Entscheidungsfindungen geht, kommt man meist nicht umhin, eine Idee mit einer anderen zu vergleichen, um sich dann für die bessere zu entscheiden.

Das hängt vielleicht mit unserer Gewohnheit zusammen, dass wir Unbekanntes immer mit bereits Erlebtem vergleichen. In unserem Denken steht der Wert einer Sache auch immer in Relation zu etwas anderem. Um also ein Urteil über etwas zu fällen, müssen wir es immer mit etwas vergleichen, das wir schon einmal erlebt haben, oder mit einem unserer Ideale in Verbindung bringen.

Vergleich mit früheren Erfahrungen

Wir alle kennen es aus tagtäglichen Gedankengängen: der Vergleich zwischen dem neuen und dem alten Auto. Der Vergleich des jetzigen mit dem vorherigen Partner, oder der Vergleich des neuen mit dem alten Betriebssystems. Wir vergleichen also ständig mit bereits Erlebtem wenn wir  Entscheidungen treffen. Das ist die Art und Weise wie unser Denken funktioniert. Möglicherweise reflektieren wir aber gar nicht diese Art und Weise Entscheidungen zu denken und nehmen dies als den idealen Prozess des Urteilens an. Jedoch geht die Wissenschaft der Neuroplastizität davon aus, dass im Gehirn nichts wirklich fest verankert ist. Demzufolge kann sich das Gehirn bei Bedarf selbst neu verdrahten, um neue körperliche oder geistige Herausforderungen zu kompensieren.

Mit anderen Worten: die Herausforderungen, denen wir tagtäglich begegnen, können sehr wohl den biologischen Aufbau Ihres Gehirns verändern. Ganz deutlich ausgedrückt: auch dann wenn wir meinen: „So bin ich nun mal.“, könnte es eigentlich ganz anders sein. Wir müssen uns nicht mit einer negativen Idee oder einem falschen Stereotyp abfinden, denn in Wirklichkeit haben wir alle das Potenzial uns so zu verändern und anzupassen, dass wir noch bessere Versionen unseres alten Selbst werden können.

Vergleich mit Idealen und Stereotypen

Schon ein Wort kann Vorstellungen von Gewalt und Terror auslösen oder ein gewisses Gefühl für eine bestimmte Minderheit oder religiöse Gemeinschaft hervorrufen. Die Massenmedien spielen eine entscheidende Rolle bei der Konstruktion so genannter „ethnischer Stereotypen“. Außerdem gibt es viele Anschauungen, die wir als Kinder von unseren Eltern aufgreifen, wie „nicht mit Geld spielen, es ist schmutzig“ oder „nicht mit Fremden sprechen“.

Wenn wir erwachsen werden, drängen wir diese Stereotypen in unser Unterbewusstsein und machen sie so zu einer Routine unseres Denk- und Beurteilungsprozesses. Diese unterbewussten Anschauungen werden zu Bestandteilen unserer Bedenken, unserer Neigungen und nicht selten auch unserer Ängste, Hoffnungen und Ideale.

Es gibt Menschen die denken „Geld ist schmutzig und ich muss mich davon fern halten“, aber gleichzeitig ein glückliches Leben führen und reisen oder sich bestimmte materielle Wünsche erfüllen wollen. Für sie ist es oft schwierig, finanziell erfolgreich zu werden oder die richtigen finanziellen Entscheidungen zu treffen.

Jenny Jiao ist Studienautorin und Assistenzprofessorin für Marketing an der Binghamton University School of Management. In einer Pressemitteilung meinte sie: „Geld kann ein Hilfsmittel sein, um Sie zu motivieren und wichtige Meilensteine in Ihrem Leben zu erreichen, welche Sie auf lange Sicht glücklicher machen können.“

„Das Leben beweist uns zu oft, dass man mit Geld kein Glück kaufen kann. Aber die Erfahrung zeigt auch, dass die Art und Weise, wie man Reichtum und Materialismus, Spiritualität und die als beurteilenden Meilensteine gesetzten Ideale betrachtet, allesamt einen Einfluss darauf haben, wie glücklich und zufrieden man mit seinem Leben ist.“

Der Studie zufolge entdeckten Forscher der Binghamton University School of Management nach der Analyse von mehr als 7.500 deutschen Erwachsenen, dass man zwischen „Glücks-Materialismus“ und „Erfolgs-Materialismus“ unterscheiden kann.

(Bild:  143299244, Moving Moment – stock.adobe.com)

Diejenigen, die sich auf den „Glücks-Materialismus“ stützen sind der Überzeugung, dass Reichtum ein glückliches Leben bedeutet. Sie stoßen leicht auf mehrere problematische Faktoren, weil sie dazu neigen „viel Zeit, Energie und Geld“ in materielle Dinge zu investieren. Somit nehmen sie den Dingen, die einen positiven Beitrag zu ihrem gegenwärtigen Lebenszustand und ihrer Zufriedenheit leisten können, wie „Familie, Arbeit und Gesundheit“ dieselben Ressourcen weg.

Wie Ideale unsere Beziehungen und Unternehmungen beeinflussen können

Viele Zeitschriften, Massenmedien und Filme stellen eine glückliche Beziehung als einen Zustand dar, bei dem man dauerhaft „Schmetterlinge im Bauch“ hat. Stellen Sie sich eine Frau vor, die seit mehr als vier Jahren in einer Beziehung lebt. Ihr Partner ist zuverlässig, vertrauenswürdig und würde alles für sie tun, um für ein harmonisches Miteinander zu sorgen. Sie hat aber über die Jahre unterbewusst die Vorstellung gebildet, dass eine gute Beziehung bedeute, immer dieses prickelnde Gefühl im Bauch zu haben. Zu diesem Zeitpunkt stellt sie fest, dass die Schmetterlinge im Bauch verschwunden sind und zweifelt daher an der Zukunft der Beziehung.  Der Meinung von Experten zu Folge ist das Kribbeln in den ersten drei Monaten einer Beziehung aber eigentlich das Ergebnis von Gefühlen von Unsicherheit, Nervosität und Angst. Das Kribbeln im Bauch verschwindet also sobald die Gewohnheit einsetzt. Dann verflüchtigt sich die Angst vor der Unsicherheit und Vertrauen und Zuversicht nehmen überhand.

Auch die in unserer Arbeit getroffenen Entscheidungen werden oft unterbewusst von früher gebildeten Idealen beeinflusst. Häufig haben wir eine ganz genaue Vorstellun davon, wie ein erfolgreiches Projekt aussehen sollte. Wenn beispielsweise unser Ideal eher ein großer einmaliger Profit ist, anstatt mehrere kleine, langfristige Geschäfte, dann verhindert uns unsere Voreingenommenheit vielleicht daran auch andere Möglichkeiten, die nicht unserem Ideal entsprechen, in Betracht zu ziehen. Im Geschäftsleben können Ihnen die falschen Ideale langfristig Geld kosten oder nur kurzfristig Erfolg bringen.

Beurteilungen aufgrund von Informationen, die Sie nicht kontrollieren können

Ein persönliches Erlebnis: Ich habe gelernt, dass es beim Kauf eines Hauses mehr zu beachten gibt als nur den Grundstückspreis, für den man einen Kredit aufnehmen möchte. Als ich einmal versuchte, einen Standpunkt klarzumachen, drehte sich mein Kollege zu mir um und reichte mir einen Taschenrechner, in dessen Anzeige bereits eine „3″ eingetragen war. Er sagte mir, ich solle die Zahl „7″ eingeben. Ich folgte seinen Anweisungen, und das Ergebnis war „13″.

Man muss kein Algebra-Genie sein, um zu wissen, dass 3+7 als Summe 10 ergibt. Ok, wie sind wir dann zu dem Ergebnis 13 gekommen? Lange Rede, kurzer Sinn. Mein Freund verriet mir dann, dass er die Zahl 3 auf dem Taschenrechner eingegeben hatte, dann + 3 tippte, aber nicht die Ergebnistaste drückte. Als ich also die 7 eingab, war das, was der Rechner tatsächlich berechnete, 3+3+7, was 13 und nicht 10 ergibt. Da ich allerdings die bereits in den Rechner eingegebenen Informationen nicht kannte, war meine daraus resultierende Schlussfolgerung des Ergebnisses falsch. Ich habe seinen Standpunkt zu diesem Zeitpunkt nicht ganz verstanden, bis ich einige Monate später in Deutschland Immobilien kaufte.

Nachdem wir ein Objekt bei einem Makler ausgewählt hatten, brauchten wir nur noch das OK von der Bank. Dieses erhielten wir innerhalb kürzester Zeit, so dass der Makler die notwendigen Formalitäten vorbereiten und einen Termin für die Unterzeichnung des Vertrags mit dem Eigentümer im Notariat vereinbaren konnte.

Ich dachte, dass nichts schief gehen könne und alles reibungslos verlaufen würde: „Was konnte jetzt schon passieren?“ Jedoch eine Woche vor unserem Notartermin zum Abschluss des Verkaufs, erhielten wir einen Anruf unseres Maklers mit der Nachricht, dass der Eigentümer einen Schlaganfall erlitten hatte und er das Haus in seinem jetzigen Zustand nicht verkaufen würde.

Was war geschehen?  Wir waren schockiert. Zwar hatten wir Verständnis für den Besitzer, da wir aber  3+7 addiert hatten, erwarteten mit Sicherheit das Ergebnis 10. Jedoch offenbarte sich das Ergebnis 13, da noch andere Faktoren zum Tragen kamen.

Bei unserem zweiten Haus lief alles anders. Es mussten E-Mails hin und her geschickt werden, da die Informationen des Maklerbüros unvollständig waren. Außerdem hatte noch ein anderes Ehepaar Interesse und wartete nur noch auf das OK der Bank. Wir hatten wirklich keine Hoffnung, dass dies zu einem Ergebnis führen würde, bei dem wir das Haus tatsächlich bekommen würden. Am Ende stellte sich jedoch heraus, dass wir dem Eigentümer wirklich sympathisch waren –  eine Familie, die sich auf dem Land niederlassen wollte. Da er bis zuletzt selbst in diesem Haus lebte, welches er mit viel Hingabe und Liebe zum Detail erbaute, wollte er sicher gehen, dass er es in gute Hände weitergeben würde. Es war ihm ein Unbehagen, dass das andere Ehepaar über einige bauliche Veränderungen sprach, noch bevor sie das Grundstück überhaupt besaßen.

Auch hier gab es für uns eine Überraschung. Wir hatten 3+7 auf der Grundlage unserer Vorstellung, wie ein erfolgreiches Geschäft ablaufen sollte, zusammengezählt. Und wieder lagen wir falsch, denn das Ergebnis war 13. Wir hatten nicht die uns unbekannten Informationen – und zwar die Gunst des Eigentümers – mitbedacht.

Durch eine weitsichtige Herangehensweise, mehr Freiraum für Unvorhersehbares. (Bild: 147139755, Moving Moment – stock.adobe.com)

Fazit

Jeder Mensch hat Ideale, mit welchen man das Leben messen kann und die man als Grundlage zur Entscheidungsfindung heranziehen kann. Diese Ideale und Vorstellungen von Zeit zu Zeit zu überdenken ist aber ein wichtiger Prozess für die persönliche Weiterentwicklung.

Vermutlich haben wir eine Reihe von Schlussfolgerungen und Idealen, die wir zur Beurteilung der Ergebnisse unserer Bemühungen im Leben verwenden. Es passieren jedoch oft unvorhersehbare Dinge, die wir nicht in unserem Denken berücksichtigen können. Dinge, die selbst die besten Ideale nicht erklären können.

Wenn man auf der Grundlage seiner Erfahrung gute Entscheidungen treffen will, könnte man die Schlussfolgerung nicht als etwas betrachten, das in Stein gemeißelt ist, sondern eher als eine Skizze, die möglicherweise einige nicht berechenbare Variablen enthält. Wird uns das erfolgreicher machen? Nicht unbedingt. Aber vielleicht führt es zu weniger Unzufriedenheit und Enttäuschung oder Angst und Besorgnis, die aufgrund von Idealen und Stereotypen entstehen. Mit Gelassenheit kann eine gewisse emotionale Distanz zu rationalen Entscheidungen aufgebaut werden.

Letztlich kann es helfen glücklicher und erfüllter zu leben, wenn sich  Urteile auf eine weitsichtigere Herangehensweise stützen, die  auch Freiraum für einige unvorhersehbare Variablen lässt.

Wir freuen uns über Ihre persönlichen Erfahrungen und Kommentare.

Übersetzt aus dem Englischen.

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