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Konsumententäuschung: Bambusbecher enthalten meist Kunststoff und geben giftige Stoffe ab

Last updated on 23. Februar 2020

Die „natürliche Alternative“ hält leider oft nicht, was sie verspricht. (Bild: 295042011, Moving Moment – stock.adobe.com)

Immer mehr Menschen genießen ihren Kaffee unterwegs und greifen dafür, meist der Umwelt zuliebe, auf Mehrwegbecher zurück. Einige Hersteller bieten Becher aus Naturmaterialien, wie Bambus, an und vermitteln den Kauf eines reinen Naturproduktes. Jedoch ergaben Prüfungen an Coffee-to-Go-Bechern aus Bambus, dass diese mehrheitlich Kunststoff enthalten und hohe Mengen an Schadstoffen freigeben. Somit sind diese weder umweltfreundlich noch gesund.

Auch wenn auf vielen Bechern „aus Bambus“ oder „Bambusbecher“ darauf steht, bestehen sie meist leider nicht ausschließlich aus diesem Naturrohstoff. Zusammengehalten werden die Bambusfasern oft von Kunststoffen, wie Melaminharz, beziehungsweise wird Bambusholzpulver nur als Füllstoff verwendet. Das Polymer Melamin, aus den Grundbausteinen Melamin und Formaldehyd, wird häufig für die Herstellung von Teller, Schüsseln, Becher oder Besteck verwendet. Solange diese ordentlich verarbeitet und schonend verwendet werden geht vom Melaminharz keine große Gefahr aus. Jedoch wissen viele Anwender nicht über die korrekte Handhabung Bescheid.

Richtige Handhabung oft nicht bekannt

Kochlöffel aus Melamin. (Bild: 26905799, Moving Moment – stock.adobe.com)

Melamin wird aus Harnstoff gewonnen, welcher unter anderem aus der Verbrennung von Erdgas entsteht. Durch die Zuführung von Formaldehyd wird es zu Kunstharz weiter verarbeitet, aus dem man buntes, bruchsicheres Geschirr herstellt. Aber auch im Nagellack, in Kleidung und Medikamenten ist der Kunststoff zu finden. Doch gerade die Verwendung als Geschirr verleitet zur falschen Anwendung, da die Produkte ab einer Temperatur von 70°C beginnen Melamin und Formaldehyd frei zu geben. Auch das Befüllen mit Heißgetränken, wie Tee oder Kaffee, sowie die Benutzung in der Mikrowelle verursachen, dass die giftigen Stoffe ins Lebensmittel übergehen. Melamingeschirr verträgt auch keine säure-, fett- und salzhaltigen Lebensmittel. Das gilt natürlich auch für Kochutensilien, wie Kochlöffel und Pfannenwender aus Melaminharz.

  • Formaldehyd ist als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft. Das Migrationslimit (SML) von Formaldehyd beträgt 15 mg/kg.
  • Melamin, der Ausgangsstoff für die Herstellung von Melaminharzen, kann im Körper Kristalle bilden, die zu Nierenschäden führen – heißt es von der Verbraucherzentrale. Der Spezifische Migrationswert pro kg Lebensmittel (SML) von Melamin beträgt 2,5 mg/kg.

Recyceln kompliziert

Melamin-Kunststoff ist äußerst robust und auf natürliche Weise nicht ökologisch abbaubar. Leider ist es auch sehr schwer zu recyceln, da man es zwar zerkleinern kann, es sich aber nicht mittels Hitze umformen lässt, wie es sonst bei reinem Plastik üblich ist. Es lässt sich nur zu einem feinem Pulver vermahlen und kann anschließend im Zusammenhang mit anderen Stoffen in neue Formen gebracht werden oder es wird als Sondermüll aussortiert.

Reines Melamingeschirr oft besser als Melamingeschirr mit Bambusfüllstoff

Seit 2013 ermittelt das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart regelmäßig die Melamin- und Formaldehyd-Freisetzung bei Bambusprodukten, mit ernüchternden Ergebnissen.

Man könnte meinen, dass die Menge an Schadstoffen, die ein Mehrweggegenstand an die Umgebung abgibt (Migrationsmenge), durch die häufigere Benutzung stetig geringer wird. Umso überraschender ist das Resümee der elf 2019 getesteten Bambusprodukte: Bei 9 Becher hat die Freisetzung der Melamin-Formaldehydharze mit der Nutzungshäufung sogar zugenommen. Dabei wurde die gesetzliche Höchstmenge deutlich überschritten. 

Vermutlich beeinträchtigt, laut CVUA, das Einbringen der groben Bambusfasern als Füllstoff die Eigenschaften des Kunststoffes negativ. „Grund dafür könnte eine schlechtere Vernetzung des Kunststoffes sein und die Bambusfasern könnten durch das heiße Lebensmittel quellen. Dies würde eine Instabilität des Harzes bewirken, wodurch eine Zersetzung des Kunststoffes durch saure Lebensmittel stärker voranschreitet.“ Hier bedarf es mehr Forschung. Es könnte aber erklären, warum reine Melamin-Artikel durchschnittlich weniger Schadstoffe abgeben, vor allem bei längerer Verwendung.

Verbraucherschutz fehlt bei Bambusprodukten

Jede Prüfung durch das CVUA Stuttgart an den Coffee-to-Go-Bechern ergab, dass diese mehrheitlich weder umweltfreundlich, noch gesundheitlich unbedenklich sind und der Verkauf (als Naturprodukt) dennoch nicht unterbunden wurde.

Fast alle Produkte wurden als „biologisch abbaubar“ oder „100 Prozent recyclefähig“ beworben. Für den Verbraucher ist derzeit nicht zu erkennen, welches Produkt Schadstoffe freisetzt und welches nicht. Derzeit scheint der Konsument vor fälschlichen Werbeaussagen nicht geschützt zu sein.

Fazit des CVUA aus Stuttgart: Bambusprodukte können nicht mehr als Naturprodukt gelistet werden und sollten durch strengere Lebensmittelüberwachungen und Einfuhrkontrollen geregelt werden.

Edelstahl ist eine der besseren Alternativen. (Bild: 229435971, Moving Moment – stock.adobe.com)

Alternativen

Edelstahlt, Glas, Porzellan und Polypropylen sind die Materialien, die ohne Risiko mit Lebensmittel und Heißgetränken in Berührung kommen können. Sollte man ein reines Bambus-Produkt finden, eignet sich dieses natürlich auch. Man erkennt es an dem hölzernen Aussehen und seiner deutlichen Faserstruktur. Und in der Küche empfiehlt sich wieder der gute alte Holzkochlöffel.

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