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Korbwickeln – Ein altes Handwerk neu belebt: Interview mit Korbmacherin Karin Theresa Mikota

Last updated on 11. September 2020

Die Kunst des Korbwickelns ist so alt wie die Menschheit. Karin Theresa Mikota, Natur- und Landschaftsführerin, Waldpädagogin und Autorin, ist eine der wenigen, die dieses Handwerk noch aktiv ausüben. In Österreich zählt das Korbwickeln mittlerweile zum immateriellen Kulturerbe. 

VT: Warum ist es deiner Meinung nach wichtig, trotz unserer modernen Zeit, das Wissen und Handwerk aus alter Zeit zu bewahren?

Mikota: Vieles das früher erlernt wurde hat sich sehr lange gehalten, weil es sich bewährt hat. Wir leben heute in einer so genannten Wegwerf-Gesellschaft. Ich finde es schade, dass vieles keinen Wert mehr hat und einfach auf dem Müll landet. Wenn man vieles selber macht, dann fängt man an anders zu denken. 

Wenn wir auf die vielen Naturvölker weltweit blicken, dann kann man sehen, dass viel altes Wissen die Zeit überdauerte. Und das gilt ganz besonders für altes Handwerk. 

VT: Du schreibst auf deinem Blog dein Motto sei „lieber selber machen als selber kaufen“ – was machst du dir mittlerweile alles selber und was hat dich inspiriert, das Handwerk des Korbwickelns zu erlernen und neu zu beleben?

Mikota: Die Frage müsste eher lauten: „Was mache ich nicht selber“. Es gibt fast nichts, was ich nicht selber mache – von Waschmittel und Naturkosmetik bis Obst und Gemüse einlegen und kochen, kochen und backen mit Kräutern und Wildgemüse und vieles mehr……

Seit vielen Jahren gehört meine große Liebe den nordamerikanischen Ureinwohnern. Dort habe ich auch das erste Mal diese wunderschönen Wickelkörbe gesehen. Von da an, hat es mich nicht mehr losgelassen und ich wollte es unbedingt erlernen. Erst 20 Jahre später fand ich dann einen Lehrer in der Steiermark.

VT: Wie weit reicht die Geschichte des Korbwickelns zurück und welche Bedeutung hatte es damals? Wofür wurden früher die Körbe verwendet?

Mikota: Das Korbwickeln reicht bis in die Steinzeit zurück und ist sogar älter als das Töpfern. Die ersten Körbe wurden hauptsächlich zusammen gewickelt und versiegelt, weil man das heilige Feuer von Höhle zu Höhle transportieren musste. Wenn dieses ausgegangen wäre, hätte das den Tod einer ganzen Sippe bedeuten können. Später dann hatten die Körbe viele andere Anwendungsgebiete. Sie wurden als Gärkorb verwendet und zum Lagern von Lebensmitteln.  

VT: Früher verwendete man für das Korbwickeln Roggenstroh. Mit welchen Gräsern bindest du deine Körbe und worauf achtest du bei der Auswahl der Materialien?

Mikota: Das stimmt nur zum Teil. In der Steinzeit gab es noch kein Stroh,  weil die Menschen nomadisch lebten. Erst als sie sesshaft wurden und Getreide anbauten, hat man auf andere Materialien zurück gegriffen. 

Ich verwende fast alles an getrockneten Gräsern, was eine bestimmte Länge erreicht. Aber auch Blüten und Kräuter werden mit eingebunden. Es gibt jedoch einige Kriterien an die ich mich halte, weil mir Umweltschutz ein großes Anliegen ist. Ich verwende keine Pflanzen, die unter Naturschutz stehen, keine aus gedüngten Wiesen und nichts was am Straßenrand wächst.

VT: Welche Arbeitsschritte braucht es, bis ein Korb gebunden ist?

Mikota: Im Grunde ist das Korbwickeln eine recht einfache Tätigkeit. Damit der Korb schön stabil und fest wird, ist es natürlich von Vorteil wenn man ein bisschen Kraft in den Händen und Fingern hat. Doch Korbwickeln kann mit ein bisschen Übung jeder erlernen.

Wenn ich einen runden klassischen Korb fertige, dann geht man von einem Knoten aus, den ich in das Gras mache. Um diesen Knoten herum wird dann der ganze Korb gewickelt. Es ist auch ein recht günstiges Hobby, weil man nur eine stabile Stahlnadel braucht und Naturgarne. Um einen Strang Gräser wird mit der Nadel der Faden umwickelt. Das einzige, das man einplanen sollte ist Zeit, denn ein paar Stunden sitzt man schon, bis ein Brotkorb entsteht.

VT: In Workshops lehrst du das Handwerk des Korbmachens. Was bedeutet es für dich, diese alte Handwerkskunst weiterzugeben? Nimmt das Interesse dazu deiner Erfahrung nach eher ab oder zu? Welche Altersklasse interessiert sich meist dafür?

Mikota: Ich bin sehr dankbar sagen zu dürfen, dass ich meine Berufung gefunden habe und diese leben darf. Das spiegelt sich in meinen Workshop wider. Es ist eine wunderschöne und sehr meditative Arbeit, die ich sehr gerne an Interessierte weitergebe und auch ich habe mittlerweile so einige Menschen dazu bewegt, dieses Handwerk am Leben zu erhalten. 

Ich habe das Gefühl, dass das Interesse generell an alten Handwerken immer mehr zunimmt. Ich glaube, dass die Menschen merken, wie schön es ist, selber etwas geschaffen zu haben. Genau das ist es, was wir auch viel mehr schätzen. 

Ich habe keine spezielle Altersklasse. Von 10 – 85 ist alles an unterschiedlichen Menschen mit Eifer bei der Arbeit.

VT: Wo finden deine Kurse statt und wie kann man mitmachen?

Mikota: Meine Kurse finden an den unterschiedlichsten Orten in fast ganz Österreich statt. Die meisten Workshops werden von außen organisiert wie: Sonnentor, Bergkräuter, Kreativwerktage auf Schloss Weinberg, LFI, Haus der Frau und viele mehr. 3x im Jahr habe ich auch Workshops bei mir zu Hause im schönen Ambiente eines indianischen Tipi.

Die Termine für die Workshops, egal ob selber organisiert oder von anderen Institutionen, findet man bei mir auf der Homepage unter: www.naturspirit.at

VT: Wir leben in einer Zeit, in der viele traditionelle Handwerke schon in Vergessenheit geraten sind oder dabei sind vergessen zu werden. Was würdest du unseren Lesern und vor allem der jüngeren Generation dazu gerne sagen?

Mikota: Ich glaube, dass viele alte Handwerke heute wieder eine Renaissance erleben und dass es wichtig ist, diese auch aufrecht zu erhalten. Nichts was man kauft und einfach nur wegwirft hat dauerhaft Bestand. Es hat keinen Mehrwert. Wenn man jedoch etwas selber macht, dann kann man sehen, wie etwas entsteht, wie etwas erschaffen wird und das ist einfach großartig. Außerdem in unsicheren Zeiten wie diesen, denke ich schon, dass es wieder wichtig wird altes Wissen zu erlernen. Es ist ein Wissen, dass einem keiner mehr nehmen kann.

Vielen Dank für das Interview im Namen des Vision Times Redaktionsteams.

Das Praxisbuch von Karin Theresa Mikota  finden Sie hier.

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