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Warum es sinnvoller ist in Erlebnisse anstatt in Besitz zu investieren

Erlebnisse hinterlassen uns wertvolle Erinnerungen. (Bild: iStock)

Allen Menschen ist wahrscheinlich eine Gesinnung gleich: sie wollen glücklich sein. Viele Wissenschaftler sind der Meinung, dass Glück der beste Indikator für die Gesundheit einer Gesellschaft ist. Aber was macht uns eigentlich glücklich? Tag ein Tag aus arbeiten wir hart um unser Einkommen zu sichern. Worin man das ersparte Geld investiert, sollte natürlich gut überlegt sein. Viele Menschen tendieren generell zu Investitionen und Ankäufen, da sie meinen, dass uns Dinge aufgrund ihrer Langlebigkeit auch länger glücklich machen würden. Neueste Studien ergeben aber genau das Gegenteil und verraten uns, was auf Dauer wirklich glücklich macht.


Tatsächlich ist das Ergebnis der Studien einfach und überzeugend: es macht uns langfristig glücklicher, unser Erspartes für Erlebnisse auszugeben, anstatt materielle Besitztümer zu erwerben.

Das Paradoxon des Besitzes

Eine 20-jährige Studie von Dr. Thomas Gilovich, einem Psychologieprofessor an der Cornell University, kam zu diesem Ergebnis. Das Problem mit den materiellen Dingen ist, dass das momentane Glück, das sie bieten, schnell verblasst. Dafür gäbe es drei kritische Gründe:

Die Freude am neuen Auto hält oft nur so lange, bis der Nachbar mit einem besseren Auto anfährt. (Bild: iStock)


– Wir gewöhnen uns an neue Besitztümer. Was einst neu und spannend erschien, wird schnell zur Gewohnheit.

– Die Messlatte der Erwartungen wird immer höher. Neue Käufe führen zu neuen Erwartungen. Sobald wir uns an einen neuen Besitz gewöhnt haben, suchen wir nach einem noch besseren.

– Besitztümer fördern naturgemäß Vergleiche. Wir kaufen ein neues Auto und sind begeistert, bis ein Freund ein besseres kauft – und es gibt immer jemanden mit einem besseren.

„Einer der Feinde des Glücks ist die Gewohnheit“, sagte Gilovich. „Wir kaufen Dinge, um uns glücklich zu machen und wir haben Erfolg mit dem Kaufverhalten. Aber es hält jedoch nur für eine kurze Weile an. Obwohl neue Dinge zunächst aufregend sind, verblasst die Freude darüber allzu schnell und sie werden schnell zum Alltäglichem und Gewohntem.“

Das Paradoxon des Besitzes liegt darin, dass wir davon ausgehen, dass das durch das gekaufte Ding erhaltene Glück, so lange anhalten wird, wie das Ding selbst bestehen wird. Es scheint intuitiv, dass Investitionen in etwas, das wir dauerhaft sehen, hören und berühren können, den besten Wert liefern. Aber diese Annahme ist laut neuer Studien nicht richtig und wahrscheinlich durften Sie das auch schon mal selbst erfahren. 

Die Kraft der Erfahrungen

Gilovich und andere Forscher haben festgestellt, dass Erfahrungen – so flüchtig sie auch sein mögen – mehr Glück bringen als Dinge. Hierin lieg der Grund:

Erfahrungen werden zu einem Teil unserer Identität. Die Ansammlung von all dem, das wir gesehen und getan haben, als auch die Orte, an denen wir waren, prägen uns maßgeblich und dauerhaft. Der Kauf einer Apple Watch wird nicht ändern, wer Sie sind; eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen, um zum Beispiel den Appalachenweg von Anfang bis Ende zu gehen, wird Sie aber möglicherweise grundlegend prägen.

Erfahrungen prägen die Identität. (Bild: iStock)

„Unsere Erfahrungen machen einen größeren Teil von uns aus, als unsere materiellen Güter“, sagt Gilovich. „Du kannst deinen materiellen Besitz wirklich mögen. Du kannst sogar denken, dass ein Teil deiner Identität mit diesen Dingen verbunden ist, aber dennoch bleiben sie von dir getrennt. Im Gegensatz dazu sind deine Erfahrungen wirklich ein Teil von Dir. Wir sind die Summe unserer Erfahrungen.“

Auch Vergleiche sind hier von geringer Bedeutung. Wir vergleichen Erfahrungen nicht auf die gleiche Weise wie wir Dinge vergleichen. In einer Harvard-Studie wurden Menschen gefragt, ob sie lieber ein höheres Gehalt haben würden, das niedriger als das ihrer Kollegen ist, oder ein niedriges Gehalt, welches aber höher als das ihrer Kollegen ist. Viele von ihnen waren sich nicht sicher. Aber als ihnen die gleiche Frage über die Dauer eines Urlaubs gestellt wurde, wählten die meisten Menschen einen längeren Urlaub, obwohl er kürzer war als der ihrer Kollegen. Es ist schwer, den relativen Wert von zwei beliebigen Erfahrungen zu quantifizieren, was Erlebnisse umso angenehmer macht.

Das Warten auf Dinge ist oft mit Ungeduld verbunden. Hingegen erleben wir die Zeit vor einem erwünschtem Ereignis als Vorfreude. (Bild: iStock)

Antizipation ist wichtig. Gilovich studierte auch die Erwartungen und stellte fest, dass die Antizipation einer Erfahrung Aufregung und Freude verursacht, während die Erwartung der Erlangung eines Besitzes Ungeduld auslöst. Erlebnisse sind von den ersten Momenten der Planung an bis hin zu den Erinnerungen, die man für immer behält, angenehm.

Gilovich und seine Kollegen sind nicht die einzigen, die glauben, dass Erfahrungen uns glücklicher machen als Besitz. Dr. Elizabeth Dunn von der University of British Columbia hat das Thema ebenfalls untersucht. Sie führt das temporäre Glück, das durch den Kauf von Dingen erreicht wird, auf das zurück, was sie „Pfützen des Vergnügens“ nennt. Mit anderen Worten, diese Art von Glück verdunstet schnell und lässt uns sogar mehr haben wollen. Dinge dauern meist länger als Erfahrungen an. Aber die Erinnerungen, die uns bleiben können solange wir denken, sind viel wertvoller.


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